Jeden Tag sterben 4.000 Kinder, weil sie keinen Zugang zu sauberem Wasser und einfachen Sanitäranlagen haben. Sie werden Opfer von Krankheiten, mit denen sie sich durch verschmutztes Trinkwasser und unzureichende Hygiene anstecken. Die Kindernothilfe unterstützt die Einrichtung von Sanitäranlagen und Wassersysteme. Sie klärt Kinder und Jugendliche über gesundheitliche Risiken auf und vermittelt schonenden Umgang mit der kostbaren Ressource.

Foto: Jens Großmann
Ohne Wasser geht weltweit gar nichts. Es ist die Ressource, die der Mensch am nötigsten zum Überleben braucht. Doch Krankheitserreger und Chemikalien verschmutzen vor allem in Entwicklungsländern die kostbare Ressource. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass pro Jahr 1,8 Millionen Kinder an Durchfallerkrankungen sterben. Auslöser für diese Krankheiten sind in der Regel verschmutztes Wasser oder fehlende Toiletten. Stoffe wie Fluorid oder Arsen im Trinkwasser hemmen die Entwicklung von Kindern und können sogar Behinderungen verursachen. Und: Wasser wird knapp. Zwei Drittel aller Menschen werden 2025 in Regionen leben, deren Wasserversorgung bedroht ist. Davon gehen Experten der WHO aus.
2,6 Milliarden Menschen ohne Zugang zu angemessenen Sanitäranlagen
Die Regierungschefs haben sich in ihren Millennium Development Goals (MDG) ein hohes Ziel gesetzt. Bis 2015 soll der Anteil der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen haben, halbiert werden. Seit 1992 hat sich die Situation zwar weltweit leicht verbessert. Es gibt Fortschritte, vor allem in China, Indien und Lateinamerika. Doch der Wandel geht zu langsam voran und es bleiben erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen.

In Uganda ist Wasser ein kostbares Gut - wie überall auf der Welt. Foto: Alexandra Höner
Setzt sich der Trend fort, werden 55 Staaten das Ziel der Wasser- und 74 Länder das der Sanitärversorgung nicht erreichen. Das hieße: 234 Millionen Menschen vor allem in Afrika blieben ganz ohne Zugang zu sauberem Wasser, 430 Millionen ohne Toiletten und Waschgelegenheiten.
Heute leben 2,6 Milliarden Menschen ohne angemessene Toiletten und Abwassersysteme. Besonders dramatisch ist die Lage in Afrika und Teilen Asiens. Dabei könnte mit relativ geringen finanziellen Mitteln hier viel erreicht werden: Schon der Zugang zu sauberem Wasser und einfachen Toiletten reduziert nach WHO-Angaben die Kindersterblichkeit um mindestens 65 Prozent. Pro Jahr könnten durch entsprechende Maßnahmen 470.000 Kinder gerettet werden.
Wassermangel behindert Bildung
In vielen Ländern müssen Mädchen und Frauen jeden Tag weite Strecken laufen, um Wasser zu holen. Statt zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen, schleppen sie stundenlang Trinkwasser für die Familien.
Weil Wasser und sanitäre Einrichtungen fehlen, sinkt die Produktivität. Der so entstandene wirtschaftliche Schaden liegt höher als die Entwicklungshilfe, die an die betroffenen Länder fließt. Vor allem Kleinbauern leiden unter dem Wassermangel.
Die Ungleichverteilung des Wassers spricht Bände:
Während der durchschnittliche Wasserverbrauch in Europa bei etwa 200 Litern pro Tag liegt, müssen mehr als eine Milliarde Menschen in Entwicklungsländern mit gerade einmal fünf Litern auskommen. Zum Vergleich: Um menschenwürdig leben zu können, benötigt man mindestens 20 Liter Wasser täglich.
Wenn ein Europäer seine Toilette spült, verbraucht er mehr, als Millionen Menschen in Slums und Trockengebieten der Entwicklungsländer pro Person und Tag zur Verfügung steht.
Wasser-Preide bei den Ärmsten am höchsten
Die Symptome des zu hohen Wasserverbrauchs zeigen sich in der Natur: Flüsse trocknen aus, Grundwasser-Vorräte versiegen, Ökosysteme nehmen Schaden. Die Ursachen der ungleichen Verteilung: Den Armen fehlen Rechte und finanzielle Möglichkeiten, um eine angemessene Wasserversorgung durchzusetzen. Dabei sind gerade sie es, die am meisten unter den Auswirkungen zu leiden haben. Ihnen steht nicht nur weniger sauberes Wasser zur Verfügung, sondern sie bezahlen dafür auch die weltweit höchsten Preise - der Weg über Zwischenhändler treibt die Preise in die Höhe. Beispielsweise zahlt ein Bewohner eines Armenviertels in Nairobi für die gleiche Menge Wasser ein Vielfaches des Preises, den ein Verbraucher in New York zu zahlen hat.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Wo Wälder abgeholzt werden, fehlen Bäume als Wasserspeicher, Schattenspender und Schutz vor Erosion. Angepasste Landwirtschaft, die Böden nicht auslaugt und sich den klimatischen Bedingungen anpasst, spart Wasser. Die Verseuchung von Wasser muss gestoppt werden.
Foto: Christoph Engel
Was tut die Kindernothilfe?
In Projekten der Kindernothilfe spielt Wasser unter verschiedenen Aspekten eine Rolle. In Gemeinwesenprojekten lernen Erwachsene und Kinder gemeinsam, wie sie mit Wasser sparsam wirtschaften, wie sie schonend und dennoch effektiv Gemüsegärten und größere landwirtschaftliche Flächen bestellen können. In Wasserkomitees schließen sich Dorfbewohner zusammen, um gemeinsam den Verbrauch und die Versorgung zu organisieren. Dabei werden sie von qualifizierten Mitarbeitern der Kindernothilfe-Partner unterstützt. Durch den Bau von Bewässerungssystemen und Brunnen unterstützt die Kindernothilfe die dauerhafte Erhaltung der Lebensgrundlagen. Zudem klären Verantwortliche vor Ort über gesundheitliche Risiken auf.
Auf der Lobbyebene setzt sich die Kindernothilfe für die Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele ein.