38 Jahre lang haben sie gebastelt, gehandarbeitet, gebacken, gekocht und verkauft. Rund 181.000 Euro sind die stolze Bilanz der Bastelschwestern von der evangelischen Frauenhilfe Vogelsangplatz in Duisburg-Wanheimerort, 91.000 Euro spendeten sie für Kindernothilfe-Projekte.
Und der nächste Basar steht schon vor der Tür:
Sa., 14. November ab 15 Uhr
So., 15. November ab 11 Uhr
in der ev. Kirchengemeinde Vogelsangplatz, Duisburg-Wanheimerort.
Sie sind herzlich eingeladen!

Monika Hormes bei der Arbeit. Fotos: Ralf Krämer
Auf den Tischen verstreut liegen Tonpapier, merkwürdig geformte Stanzinstrumente, flauschige Wolle, Stricknadeln und andere Handarbeits- und Bastelutensilien. Heute werkeln 13 Frauen eifrig vor sich hin, während sie die Erlebnisse der vergangenen Woche austauschen. „Ich stricke am liebsten Socken. Und ich darf nicht damit aufhören, sonst weiß ich nachher nicht mehr, wie das geht!" , meint Hanni Petry trocken. Die 81-Jährige gehört seit 26 Jahren zu den Bastelschwestern. Dagegen ist Christine Teske erst relativ kurze Zeit dabei: „Ich bin seit zehn Jahren Mitglied im Bastelkreis. In diesem Jahr habe ich bisher drei Schals gestrickt sowie neun Paar Topflappen und zwei große Tischdecken gehäkelt." Ruth Wiedmann ist die Älteste im Kreis. Die Hände der 88-Jährigen sind nicht mehr so bastelfit wie früher, trotzdem trägt sie ihren Anteil zu den Produktionen bei: Mit einem Spezialgerät stanzt sie filigrane Blätter aus grünem Tonpapier aus, die ihre Nachbarin auf rote Äpfelchen aus Wellpappe klebt.

Die geniale Schachteltorte.
Ein absoluter Hingucker: Die Schachtel-Torte
Auf einem Tisch haben die kreativen Damen ein kleines Sortiment dessen aufgebaut, was sie in letzter Zeit so alles fabriziert haben: filigrane Papierfensterbilder, Schals, Socken, Häkeldecken, große, dreiminensionale Sterne. Besonders ins Auge fallen zwei Dinge: schmale Blumenvasen aus dekorierten Tablettenröhrchen (erfinderisch muss man sein!) und eine Schachtel-Torte: Die zwölf Tortenstücke wurden aus geprägtem Fotokarton gefaltet und wunderschön dekoriert. „Diese Idee stammt aus Italien", Monika Hormes. „Wenn dort jemand Geburtstag hat oder heiratet und sich Geld wünscht, stellt er eine solche Torte auf. Arme und reiche Verwandte stecken dann ihren Obulus in die Tortenstücke. So bekommt niemand mit, wenn jemand arm ist und nicht so viel Geld geben kann wie andere."

Die "Werkstatt" der Bastelprofis.
„Es war einmal..." - Beginn einer interessanten Chronik
„Es war einmal...", so märchenhaft beginnt die Chronik des Bastelkreises, die Mitbegründerin Hanna Seidemann verfasst hat. Und wie ein Märchen klingt das, was in dieser Chronik, die im Februar 1971 beginnt, beschrieben wird. Pfarrfrau Seidemann und Gemeindeschwester Anneliese Tillmann-Keber überlegten, wie sie auch jüngere Frauen in Gemeindeaktivitäten einbinden konnten. „Sie wollten es mit dem Basteln hübscher, schöner, nützlicher und weniger nützlicher Dinge versuchen", heißt es in der Chronik weiter. „Hanna Seidemann schrieb Karten an 22 Damen. Sie tat kund, dass am 23. Februar 1971 - am Veilchendienstag - im Gemeindehaus Vogelsangplatz ein Bastelkreis gegründet werden solle."
15 der Eingeladenen kamen - und legten gleich los! Ihr erstes Projekt war ein Kirchenbasar. Die ersten Produkte, die aus Platzgründen im Keller des Gemeindehauses hergestellt wurden, waren „Stoffreste-Kasper" und Hampelmänner aus Bierdeckeln und bunten Filzstücken. „Die Enge hat sie zusammenrücken lassen, auch in ihren Herzen", schrieb Hanna Seidemann. „Sie mochten und sie mögen sich."

Die Stimmung unter den Frauen ist immer sehr gut.
Während die Hände beschäftigt waren, standen auch die Münder nicht still, wenn man den Aufzeichnungen glaubt. Die Bastelschwestern, wie sie bald hießen, hatten sich immer viel zu erzählen und viel zu lachen.
Später, als sie sich besser kannten und vertrauter miteinander waren, sprachen sie auch über ernste Dinge aus ihrem Leben, über Probleme und wie sie es geschafft hatten, sie zu überwinden. Dies gab anderen, die in ähnlichen Situation waren, Trost und half ihnen, Wege aus dem Tief zu finden.

Die Bastelschwestern probieren immer wieder neue Techniken aus!
Fernsehsocken sind mittlerweile ‚out'
Beim Basar 1971 verzeichneten sie einen Reiserlös von 3.300 Mark, 1975 konnten sie die Summe mehr als verdoppeln, und 1984 waren sie bereits bei 14.000 Mark angelangt! 1986 beschlossen sie, im Kirchsaal eine Trödelboutique zu eröffnen. Die Kunden waren begeistert. Das brachte im Laufe der Jahre noch mehr Geld in die Kasse. Jedes Jahr griffen und greifen die Frauen auch neue Basteltrends auf : Makramée, Salzteig-Figuren, Seidenmalerei, Window-Colour, Serviettentechnik, Sockenstricken, Filzarbeiten - den Wanheimerorter Damen ist keine Technik fremd. Mit Begeisterung und Geschick probieren sie jede neue Idee aus.

Erika Szech hat seit 1986 rund 250 Paar Socken gestrickt!
Erika Szech ist seit 1986 dabei. „Anfangs habe ich vor allem ‚Fernsehsocken' gestrickt, dann Schals. Bei meinen Strickarbeiten geht es immer um Kopf und Fuß", lacht die 77-Jährige. ‚Fernsehsocken' - die sind mittlerweile out, sagen die Frauen übereinstimmend. Die waren gegen kalte Füße gedacht, wenn man es sich abends auf dem Sofa bequem macht und die Schuhe auszieht. Warum die heute keiner mehr will, können sich die Bastelschwestern nicht erklären. Erika Czech ist es egal, jetzt strickt sie eben „normale" Socken. „Rund 250 Paar in den vergangenen 23 Jahren", schätzt sie.
Ein nicht wegzudenkender Bestandteil jedes Basars ist natürlich das Angebot von Kaffee und Kuchen. Der Kaffee, der in der Küche des Gemeindehauses gekocht wird, hat laut Chronik einen guten Ruf im Kirchenkreis! Allein sein Verkauf bringt bis heute jedes Mal rund 750 Euro ein!

Ein kleiner Teil des großen Sortiments.
Neun Patenkinder profitieren von der Fingerfertigkeit der Bastelschwestern
In den vergangenen 38 Jahren haben die fleißigen Bastelschwestern fast 182.000 Euro erstickt, erstrickt, erhäkelt, erknüpft, erklebt, ermalt, erbügelt, ersteckt, erschneidert, erbacken und erkocht - davon 91.000 Euro für die Kindernothilfe! Von Anfang an hatte die Gruppe festgelegt, dass jeweils die Hälfte des Erlöses für ein Projekt der Kindernothilfe gespendet werden wird - die andere Hälfte sollte für Anschaffungen in der Gemeinde eingesetzt werden. Ein Großteil der Kindernothilfe-Spenden kamen in Sri Lanka zum Einsatz. Aktuell unterstützen die Bastelschwestern neun Patenkinder im Methodist Day Care Center in Thannamunai. „Es hat uns sehr glücklich und dankbar gemacht, dass das Erarbeitete Auswirkung bis nach Sri Lanka hat, dass wir nicht nur zu unserem Vergnügen arbeiten, sondern Hilfe zur Selbsthilfe leisten", ist die einhellige Meinung.

Das Allerschönste ist die gute Gemeinschaft!
"Das Allerschönste ist die gute Gemeinschaft!"
Zurzeit gehören 24 Frauen zum Bastelkreis. Freiwillig verlässt keine die verschworene Gemeinschaft. „Wir brauchen die Freundschaften, die entstanden sind. Sie tun uns gut, sie helfen." Das bestätigt auch Elfriede von der Heidt, die seit 27 Jahren zum Kreis gehörta und als seine Sprecherin fungiert. „Das Allerschönste ist die gute Gemeinschaft. Wir teilen Freud und Leid miteinander.
Dr. Ingrid Hruby