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Ein Junge in Ruanda wird von seinem Vater auf dem Fahrrad angeschoben. (Quelle: Jakob Studnar)

Bildung ändert alles

Rund 57 Millionen Mädchen und Jungen können weltweit nach wie vor nicht zur Schule gehen. Dazu kommen noch ungezählte weitere, die zwar zur Schule gehen, dort aber zu wenig über Lebenswichtiges wie etwa Gesundheit, Hygiene, Ernährung oder Konfliktlösung lernen. Jedes dieser Kinder droht in einen Teufelskreis zu geraten aus fehlender Bildung, Armut und allen Problemen, die damit in Verbindung stehen. Und in diesem Teufelskreis stecken nicht nur Kinder, sondern ganze Familien, Gesellschaften und Länder. Wir von der Kindernothilfe haben Bildung deshalb zu unserem Schwerpunktthema gemacht und setzen uns im Rahmen der Projektarbeit im Ausland und der Lobbyarbeit in Deutschland für die Verwirklichung des Kinderrechts auf Bildung ein.

  • Frühkindliche Bildung

    Jeder Mensch hat das Recht, sich von Geburt an nach seinen individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten zu entwickeln. Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind für seine Entwicklung auschlaggebend, denn hier entwickelt sich das Gehirn so rasant wie in keiner anderen Lebensphase. 85 Prozent der Gehirnstrukturen prägen sich bis zum Alter von drei Jahren aus.

    Frühkindliche Bildung in Haiti. (Quelle: Jakob Studnar)
    Frühkindliche Bildung in Haiti. (Quelle: Jakob Studnar)

    Bildungsprogramme

    Frühkindliche Bildungsprogramme, die auch das soziale Umfeld der Kinder einbeziehen, führen nachweislich zu einer Verbesserung der Ernährungssituation, stärken die Bindung zur Familie und fördern die Sozialkompetenz. Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren gefördert werden, später erfolgreicher in der Schule und im Beruf sind. Zudem könnten viele soziale Benachteiligungen und Behinderungen vermieden oder aufgefangen werden, wenn Kinder frühzeitig Bildungschancen erhalten. Bisher wird aber viel zu wenig getan: Während in den Industriestaaten drei von vier Kindern von frühkindlicher Bildung profitieren, ist es in einigen Entwicklungsländern dagegen nur jedes zehnte.

    Förderung von Initiativen

    Wir fördern daher gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen vor Ort Initiativen zur Betreuung von Kleinkindern und schulen Eltern, Pädagogen und Ehrenamtliche. Wir verknüpfen Lernangebote mit Ernährungssicherung, Gesundheitsvorsorge, Gemeinwesenentwicklung, Hilfe zur Selbsthilfe, Menschenrechtsbildung und Maßnahmen zur Inklusion benachteiligter Kinder.

    Dossier zur Frühkindlichen Bildung

    In der Septemberausgabe 2014 des Magazins WELT-SICHTEN erschien unser Dossier Bildung ändert alles - von Anfang an. Hier können Sie das Dossier exklusiv herunterladen.

  • Grundbildung

    Schulbildung schafft Chancen: Kinder, die zur Schule gehen, haben bessere Aussichten auf einen Job, kennen Gesundheitsrisiken und können sinnvolle Entscheidungen für ihr Leben treffen. Aber viele Familien in den Ländern des Südens leben in extremer Armut. Kinder müssen deshalb mitarbeiten, um den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Die Folge: Rund 57 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule (UNESCO Institute for Statistics).

    In den Millenniumsentwicklungszielen hat sich die Weltgemeinschaft zum Ziel gesetzt, dass im Jahr 2015 jedes Kind wenigstens eine abgeschlossene Grundschulausbildung bekommt und Mädchen und Jungen gleichermaßen zur Schule gehen können. Tatsächlich sind in den letzten zehn Jahren Fortschritte erzielt worden: Laut dem UNESCO Weltbericht "Bildung für alle 2011" ist die Einschulungsrate in Subsahara-Afrika trotz Bevölkerungswachstum um ein Drittel gestiegen. Der Anteil der Mädchen, die weltweit keine Schule besuchen, konnte von 60 auf 53 Prozent gesenkt werden. Während 1999 in Subsahara Afrika noch 42 Millionen Kinder nicht zur Schule gingen, waren es nach Angaben der UNESCO 2010 noch 31 Millionen Kinder. Dennoch gibt es weiterhin große Bildungsunterschiede und die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, stagniert seit Jahren. Mädchen, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder aus armen Familien und aus ländlichen Gegenden sind nach wie vor schlechter gestellt. In ländlichen Gebieten Afghanistans beispielsweise gehen 92 Prozent der Mädchen nicht in die Schule.

  • Berufsbildung

    Ein Junge schleift Holz in einer Schreinerei.
    In Bolivien können Jugendliche eine Ausbildung zum Schreiner machen.

    Ohne Ausbildung keine guten Lebensperspektiven – dieser Satz gilt überall auf der Welt. In Entwicklungsländern haben Jugendliche häufig keinen Zugang zu Berufsbildungsprogrammen. Aber auch wenn dieser besteht, werden viele Konzepte der Lebenssituation dieser Jugendlichen kaum gerecht – vor allem weil sie sich zu stark auf den formalen Sektor konzentrieren und nicht auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmt sind.

    Denn der informelle Arbeitsmarkt ist in den Entwicklungsländern der größere und für die meisten Jugendlichen weitaus erfolgversprechendere Arbeitsmarkt. Eine für die Jugendlichen relevante berufliche Bildung umfasst daher das Erlernen und Erweitern von praktischen Fähigkeiten und theoretischen Kenntnissen. Erstes Ziel ist nicht, dass ein offizieller Abschluss erreicht wird, sondern dass junge Menschen ihren eigenen Lebensunterhalt sichern können. Berufliche Bildung ist auf die Bedürfnisse des Einzelnen und des Gemeinwesens ausgerichtet, gesellschaftlich relevant und orientiert sich am Arbeitsmarkt. Berufliche Bildung trägt so zur nachhaltigen Entwicklung bei.

  • Lebenskompetenz und Menschenrechte

    Denkt man hierzulande an Bildung, hat man vor allem Karrierechancen im Kopf: Wer die Möglichkeit zu einer guten Ausbildung hat, wird es zu etwas bringen im Leben. Bildung umfasst aber noch viel mehr. Lebenskompetenzen (Life Skills) zielen auf die Stärkung und Förderung von Fähigkeiten ab, die eine positive bzw. erfolgreiche Gestaltung des eigenen Lebens sowie eine konstruktive Bewältigung von schwierigen Lebensphasen ermöglichen. Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet die folgende Fähigkeiten dafür als wesentlich: Selbstwahrnehmung, Empathie, kreatives und kritisches Denken, Entscheidungsfähigkeit, Problemlösungskompetenz, effektive Kommunikationsfähigkeiten, interpersonale Beziehungsfähigkeiten, Gefühlsbewältigung und Stressbewältigung . Diese Fähigkeiten können je nach Schwerpunkt des Programms und des lokalen Kontextes und der Bedürfnisse der Zielgruppe erweitert werden. Lebenskompetenzprogramme zeichnen sich durch sehr interaktive Lehr- und Lernmethoden aus. Sie werden weltweit sowohl in formalen als auch in non-formalen Bildungskontexten angewendet.

    Zwei Kinder in Sri Lanka schaukeln.
    Bildung ist mehr als Rechnen, Schreiben und Lesen.

    Zudem benötigen Kinder und Jugendliche in den Entwicklungsländern Wissen über Menschenrechte und Kompetenzen, damit sie sich in ihren Ländern für diese einsetzen und gegenüber staatlichen Institutionen einfordern können. In unseren Projekten machen wir uns deshalb stark für eine gute, umfassende und inklusive Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, die neben Rechnen, Schreiben und Lesen auch alle weiteren lebenswichtigen Kompetenzen sowie Kenntnisse über Kinderrechte vermittelt, die an die Lebenswirklichkeiten der Kinder angepasst sind. Das heißt etwa: Kinder in kargen ländlichen Regionen sollten über Lebensmittel-Anbau und Wasserspeicherung basierend auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit Bescheid wissen. Kinder in Regionen mit hoher HIV/Aids-Rate sollten über die Ansteckungsrisiken aufgeklärt werden und Selbstbewusstsein entwickeln, um Gefahrensituationen souverän zu begegnen. Und Kinder in allen Regionen sollten über ihre Rechte aufgeklärt und befähigt werden, diese einzufordern.

  • Bildung - unersetzlich in Kindernothilfe-Projekten

    Die Kindernothilfe engagiert sich in ihren Partnerländern für eine umfassende, gute Grundbildung in formalen, non-formalen und alternativen Bildungsprogrammen, von der frühkindlichen Bildung über die Grundschulbildung bis zur Berufsbildung. Die Projekte und Programme zielen darauf ab, die Familien ökonomisch und sozial so zu stärken, dass sie in der Lage sind, ihre Kinder zur Schule zu schicken und ihr Recht auf Bildung einzufordern. Außerdem stellen die Kindernothilfe-Partner für Kinder in besonders schwierigen Situationen Bildungsangebote zur Verfügung, die an ihre spezifische Bedürfnissen angepasst sind und die Lebenssituation nachhaltig verbessern. Dies sind zum Beispiel Schulen und Fördermaßnahmen, die Kinder, die lange nicht zur Schule gegangen sind, auf den Unterricht in einer staatlichen Schule vorbereiten. Lehrerinnen und Lehrer werden darin fortgebildet, die Kinderrechte zu achten und ihren Unterricht an die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler anzupassen. Auch unsere Berufsausbildungsprogramme richten sich an der Realität der Kinder und den lokalen Arbeitsmarkt aus und bewirken eine konkrete Verbesserung ihrer Lebensumstände.

    Dazu schaffen wir auch sogenannte non-formale Bildungsangebote, die zunächst nicht in den staatlichen Betrieb eingebunden sind, später aber damit verknüpft werden sollen. Damit sollen auch Kinder erreicht werden, die völlig vom Bildungssystem abgeschnitten sind. Das sind häufig Kinder, die unter extremer Armut leiden und ausgestoßen sind, wie etwa Straßenkinder oder arbeitende Kinder. Auch in Kriegen, Konflikten und nach Naturkatastrophen bleibt vielen Kindern Bildung verwehrt. Non-formale Bildungsprogramme müssen nach Katastrophen sehr häufig für einen begrenzten Zeitraum fehlende formale Bildung ersetzen.

    Wichtig, aber oft vernachlässigt, ist die frühkindliche Erziehung und Entwicklung. Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind aus psychologischer Sicht eine entscheidende Phase, denn hier werden die Grundlagen für die weitere Entwicklung gelegt. Kinder unter fünf Jahren gehören zu den verletzlichsten einer Gesellschaft. Daher setzt die Kindernothilfe einen Schwerpunkt auf ganzheitliche Projekte zur frühkindlichen Bildung und Frühförderung. So zeigen etwa ausgebildete Multiplikatorinnen in Mittelamerika Familien, wie sie Babys bestmöglich fördern, ernähren, pflegen und betreuen können.

  • Unsere Plakatkampagne "Bildung ändert alles"

    Bildung ändert alles: Das ist die Botschaft unserer neuen deutschlandweiten Plakatkampagne. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass viele Probleme der Welt nur nachhaltig zu lösen sind, wenn Kinder die Chance haben zu lernen: rechnen, schreiben, lesen - aber auch noch sehr viel mehr.

    Plakat : Bildung
    "Bildung ändert alles" heißt unsere aktuelle Plakatkampagne.

    Was Bildung alles ändert? Ein paar Beispiele:

    • Wenn Eltern eine Grundschule besucht haben, verdoppelt sich die Chance ihrer Kinder, das fünfte Lebensjahr zu erreichen.
    • Wenn Kinder und ihre Eltern aufgeklärt sind über vermeidbare und ansteckende Krankheiten, verringern sie das Infektionsrisiko erheblich.
    • Wenn Kinder und ihre Eltern wissen, wie man Lebensmittel nachhaltig anbaut, verringern sie die Gefahr von Mangelernährung erheblich.
    • Wenn Kinder eine Chance auf Bildung haben, können sie Lebensperspektiven entwickeln: Das durchschnittliche Einkommen eines Menschen in armen Ländern wächst mit jedem zusätzlich absolvierten Schuljahr um bis zu 10 Prozent.
    • Wenn Kinder früh Selbstbewusstsein erlernen, können sie viel leichter ein selbstbestimmtes Leben führen.
    • Wenn Kinder früh lernen Konflikte zu lösen, können sie später aktiv dazu beitragen, friedliche Gemeinschaften zu bilden.

    Diese Liste ließe sich endlos weiterführen. Leider können aber 57 Millionen Mädchen und Jungen weltweit nach wie vor nicht zur Schule gehen. Dazu kommen noch ungezählte weitere, die zwar zur Schule gehen, dort aber zu wenig über Lebenswichtiges wie etwa Gesundheit, Hygiene, Ernährung oder Konfliktlösung lernen. Deswegen gilt: Bildung ändert alles. Gemeint ist hier eine gute und umfassende Bildung, die nicht nur Rechnen, Schreiben und Lesen vermittelt, sondern alle lebenswichtigen Kompetenzen - von früher Kindheit bis zur Berufsausbildung. 80 Prozent unserer Projekte haben deswegen eine Bildungskomponente.

  • Globale Bildungskampagne

    Die Globale Bildungskampagne ist Teil der weltweiten Global Campaign for Education: Sie wird seit ihrer Gründung 1999 von Organisationen der Zivilgesellschaft zusammen mit Verbänden und Bildungsgewerkschaften getragen und existiert in über 150 Ländern. Auch wir sind ein aktives Mitglied.

    Logo Globale Bildungskampagne
    Für die Verwirklichung des Rechts auf Bildung setzt sich die Globale Bildungskampagne ein.

    Die Globale Bildungskampagne setzt sich dafür ein, dass das Recht der Kinder auf Bildung umgesetzt wird. Eine kostenfreie und qualitativ gute frühkindliche Bildung, Grund- und Sekundarbildung für jedes Kind auf der Welt zu gewährleisten, ist dabei das primäre Ziel. Sie begleitet die Umsetzung der „Bildung für alle"-Ziele des Weltbildungsforums in Dakar (2000) sowie die Umsetzung der Millennium-Entwicklungsziele 2 und 3, nämlich allen Kindern weltweit zu einer hochwertigen Grundbildung zu verhelfen und die Benachteiligung von Mädchen zu beseitigen.

    Durch Lobbyarbeit, Aktionen und Informationsveranstaltungen macht die Globale Bildungskampagne auf die verheerenden gesellschaftlichen Auswirkungen mangelnder Schulbildung in Entwicklungsländern aufmerksam und nimmt die Staaten in die Pflicht. Sie mobilisiert die Öffentlichkeit, auf die Regierungen und die internationale Gemeinschaft einzuwirken, damit diese ihr Versprechen einhalten, eine kostenlose und qualitativ hochwertige Grundbildung für alle zu gewährleisten. Häufig ist das nicht der Fall. Beispiel Sambia: Nur rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fließen dort in die Bildung. Das Ergebnis: Auf dem Land können vier von fünf Kindern nicht zur Schule gehen. Die Qualität ist schlecht und es mangelt an gut ausgebildeten Lehrkräften. Die UNESCO schätzt, dass weltweit 1,9 Millionen Lehrer zusätzlich nötig sind, um qualitativ hochwertige Grundbildung für alle zu gewährleisten.

    Unsere Forderungen an die deutsche Bundesregierung sind u.a.:

    • Bereitstellung von Finanzierung für Bildung, entsprechend der Schwerpunktsetzung in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit: Erhöhung des Finanzbeitrag im Rahmen des einzigen weltweiten Fonds zur Bildungsfinanzierung, der Global Partnership for Education (GPE) auf mindestens 50 Millionen Euro pro Jahr sowie anteilige Verwendung der neu einzuführenden Finanztransaktionssteuer für Bildung,
    • Priorisierung der Kooperation mit denjenigen Entwicklungsländern, mit der größten Bildungsarmut.

     

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