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Kinder in Deutschland protestieren vor dem Bundestag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. (Quelle: Bastian Strauch)

Kindersoldaten: Opfer und Täter zugleich

Über 250.000 Kinder kämpfen weltweit in Kriegen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Es sind Mädchen wie Jungen in Lateinamerika, Afrika und Asien, aber auch in Europa. Die meisten Kindersoldaten gibt es jedoch in Afrika. Nach UN-Schätzungen sind hier über 100.000 betroffen, vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, Sudan, Südsudan, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik - aber auch in aktuellen Krisengebieten wie Mali und Syrien leben viele Kinder im Krieg. Die Kindernothilfe ist Mitglied im „Deutschen Bündnis Kindersoldaten" und engagiert sich gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Außerdem unterstützt sie Projekte für ehemalige Kindersoldaten.

Eine rechtsverbindliche Definition des Begriffs Kindersoldaten gibt es nicht, wohl aber eine allgemein anerkannte, die in internationalen Verträgen und von der UN verwendet wird. Das „Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten" aus dem Jahre 2002 bezieht sich auf Kinder (unter 18 Jahren), die von Streitkräften oder nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen eingezogen wurden oder werden sollen.

Definition: Kindersoldat

Der Begriff „Kindersoldaten“ bezeichnet Kinder, die mit Streitkräften oder bewaffneten Gruppen assoziiert sind. Dies sind alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden oder wurden, egal in welcher Funktion oder Rolle, darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt wurden. Ausdrücklich sind es nicht nur Kinder, die aktiv an Kampfhandlungen teilgenommen haben. Definition gemäß der Pariser Prinzipien vom Februar 2007.

In den "Pariser Prinzipien" (2007), dem aktuellsten internationalen Dokument zum Thema, das neben Deutschland weitere 59 Staaten unterschrieben haben, spricht man von „Kindern, die mit Streitkräften oder bewaffneten Gruppen assoziiert" sind. Diese Definition ist weit gefasst und schließt explizit auch Kinder ein, die als Spione, Träger, Köche oder Nachrichtenübermittler eingesetzt werden und nicht direkt an der Waffe kämpfen.

Auch sämtliche nichtstaatlichen Organisationen wie Child Soldiers International und die Organisationen die im Deutschen Bündnis Kindersoldaten zusammengeschlossen sind, verwenden diese Definition des Kindersoldaten-Begriffs.

 

  • Hintergrund „Kindersoldaten weltweit“

    Weltkarte Kindersoldaten
    Die Weltkarte zeigt die Länder, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt werden.

    „Jedes Kind hat ein Recht auf Schutz vor kriegerischer Gewalt“, heißt es in Artikel 38 der UN-Kinderrechtskonvention, die am 20. November 1989 verabschiedet wurde. Nahezu alle Staaten der Welt haben dieses Übereinkommen ratifiziert und sich damit verpflichtet, es einzuhalten. Ergänzt wurde dieser Vertrag am 25. Mai 2000 durch ein so genanntes Zusatzprotokoll. Es trat am 12. Februar 2002 in Kraft und verbietet Regierungen und bewaffneten Gruppierungen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zu rekrutieren und in kriegerischen Konflikten einzusetzen. Allerdings dürfen Regierungsarmeen auch weiterhin bereits 16-Jährige als Freiwillige anwerben. Bis heute haben über 100 Staaten das Abkommen ratifiziert.

    Nach der Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für Kinder in bewaffneten Konflikten Leila Zerrougui gibt es weltweit 23 Konflikte (Stand 2015) in denen Kindersoldaten eingesetzt werden. In Lateinamerika gibt es laut Children and Armed Conflict Kindersoldaten in Kolumbien, in Asien in Afghanistan, Indien, Israel/Palästina, Jemen, Libanon, Myanmar, Pakistan, Philippinen, Syrien und Thailand, in Afrika an der Elfenbeinküste, in Libyen, Mali, Nigeria, Somalia, in der D.R. Kongo, dem Südsudan, Sudan, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik. Die meisten kämpfen nicht in Regierungsarmeen, sondern in anderen bewaffneten Gruppen. Viele von ihnen werden zwangsrekrutiert, andere melden sich freiwillig. Gründe für diese „Freiwilligkeit“ sind fehlende Beschäftigung oder Ausbildung und der Wunsch, der Gewalt im häuslichen Milieu zu entkommen. Rache spielt eine weitere Rolle, wenn Familienmitglieder während eines bewaffneten Konflikts ums Leben gekommen sind.

    Das Leben von Kindersoldaten ist hart und gefährlich: Sie werden als Boten, Träger und Spione eingesetzt, sie müssen Sprengsätze anbringen und lernen, mit Pistolen und Sturmgewehren umzugehen. Mädchen werden oft gezwungen, die sexuellen Bedürfnisse der Soldaten im Lager zu befriedigen. Kindersoldaten sind nicht nur Opfer in bewaffneten Konflikten, sie sind zugleich auch Täterinnen und Täter. Häufig müssen sie während ihrer Ausbildung unter Androhung von Mord, Freunde und Mitglieder der eigenen Familie töten, um sich „abzuhärten“. Kinder werden auch deshalb als Soldaten benutzt, weil sie gefügiger sind als Erwachsene und besser zum Töten erzogen werden können. Vielfach geschieht dies unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol. Sie haben ein Leben lang mit den Folgen der körperlichen und seelischen Grausamkeiten zu kämpfen.

    Weltkarte zum Download

     

  • Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland

    Auf den ersten Blick scheint die Problematik des Einsatzes von Kindersoldaten nur fernab von Deutschland zu bestehen. Doch sie betrifft auch uns, denn immer wieder fliehen ehemalige Kindersoldaten aus ihrem Heimat- oder Einsatzland und erreichen Deutschland. Ihre exakte Zahl wird unter den jungen Flüchtlingen statistisch nicht erfasst. Schätzungen zufolge dürften derzeit etwa 500 ehemalige Kindersoldaten hier leben. Diese Zahlen schließen die ehemaligen Kindersoldaten, die bei der Einreise bereits erwachsen sind, nicht ein. Die Dunkelziffer ist daher sicherlich weitaus höher.

    Nach meist dramatischer Flucht erwartet diese Kinder allein in Deutschland oft ein langwieriges Asylverfahren, Ungewissheit über ihre Zukunft und unzureichende medizinische und psychologische Betreuung. Schon bei der Einreise fehlt es an einer systematischen Erhebung ihrer Bedürfnisse, die Unterbringung erfolgt oft in ungeeigneten Gemeinschaftsunterkünften und der Schulbesuch ist nicht sichergestellt. Viele Kinder sind völlig hilflos und durch die langwierigen Verfahren in Deutschland zusätzlich traumatisiert.

    Studie "Zwischen Angst und Hoffnung - Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland" von Dima Zito

  • Red Hand Day am 12. Februar

    Rote Hand Aktion in Gettorf - ACHTUNG: Kostenpflichtig! Isarnwohld-Schule
    Bundesweit finden Rote Hand Aktionen gegen den Einsatz von Kindersoldaten statt.

    Meldung zum Red Hand Day 2016

    Das Inkrafttreten des Zusatzprotokolls zur UN-Kinderrechtskonvention vor vier Jahren am 12. Februar 2002 wird seitdem als ein Internationaler Tag gegen Kindersoldaten begangen, der auch Red Hand Day genannt wird. An diesem Tag beteiligen sich jedes Jahr Hunderttausende weltweit an Protestaktionen gegen den Einsatz von Kindern im Krieg.

    Eingeführt wurde das Symbol der roten Hand von einem Bündnis internationaler Menschen- und Kinderrechtsorganisationen, Coalition to Stop the Use of Child Soldiers (heute: Child Soldiers International). Es signalisiert: Stopp! Es dürfen keine Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren mehr rekrutiert und in Kriegen eingesetzt werden. Auf dieser Basis wurde die Aktion rote Hand von Aktion Weißes Friedensband Ende 2003 entwickelt und zusammen mit terre des hommes, Kindernothilfe und anderen Organisationen des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten erstmals 2004 durchgeführt. Mittlerweile sind auch viele Schulen, Jugendgruppen, Kirchengemeinde, Arbeits- und Freundeskreise sowie Vereine in Deutschland am 12. Februar aktiv und protestieren öffentlich gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten.

    Haben auch Sie Lust mitzumachen? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf oder lesen Sie hier, was aktuell geplant ist!

  • Deutsches Bündnis Kindersoldaten

    Im Deutschen Bündnis Kindersoldaten arbeiten seit 1999 mittlerweile 11 Nichtregierungsorganisationen zusammen. Das Bündnis informiert über das Thema Kindersoldaten, ruft zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf und betreibt Lobbyarbeit. Im Jahr 2013 hat das Bündnis im Rahmen des Staatenberichtsverfahrens zur UN-Kinderrechtskonvention den Schattenbericht Kindersoldaten 2013 herausgegeben und in Genf dem UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes vorgestellt.

    Die Forderungen auf internationaler Ebene sind:

    • "Straight 18": Kein Kind unter 18 Jahren darf – unabhängig von seiner Funktion - in Armeen, bewaffneten Gruppen oder anderen militärischen Verbänden eingesetzt oder geschult werden,
    • Bestrafung der Verantwortlichen: Personen, Staaten und bewaffnete Gruppen, die Kinder rekrutieren, müssen öffentlich benannt, bestraft und sanktioniert werden,
    • Versorgung, Schutz und Hilfe für geflohene Kindersoldaten: Medizinische und psychologische Versorgung, Schutz vor erneuter Rekrutierung, sowie schulische und berufliche Bildung sind für alle ehemaligen Kindersoldaten lebenswichtig,
    • Gewährung von politischem Asyl: Ehemaligen Kindersoldaten muss in allen Ländern, in die sie geflohen sind, Schutz und politisches Asyl gewährt werden - natürlich auch in Deutschland,
    • Stopp von Waffenexporten: Waffen (insbesondere Kleinwaffen), Waffenteile oder Munition dürfen nicht mehr in Krisenregionen exportiert werden, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden,
    • Mehr Geld für Kindersoldaten-Hilfsprogramme: Die staatlichen und internationalen Mittel für Präventions- und Reintegrationsprogramme für Kindersoldaten müssen deutlich erhöht werden.

    Forderungen auf nationaler Ebene

    Schattenbericht Kindersoldaten 2013

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