Selbsthilfegruppen in Ruanda

Ruanda: Hand in Hand – Zusammen aus der Armut

Bei dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 wurde fast eine Million Menschen ermordet. Unter diesem nationalen Trauma leiden auch heute noch viele Menschen. Besonders Witwen und Waisen leben oft in großer Armut. Selbsthilfegruppen verbessern ihre Situation. In der Gemeinschaft erfahren die Mitglieder Solidarität und Stärkung und entwickeln ein nie gekanntes Selbstvertrauen. Sie sparen gemeinsam Geld. Die angesparte Summe können sie reihum als Kredit in Anspruch nehmen, um sich zum Beispiel ein kleines Geschäft aufzubauen (Projekt 67002/AE/12)

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Situation vor Ort

Ruanda - das kleine ostafrikanische Land ist geprägt durch Völkermord und Bürgerkrieg. 1994 fiel fast eine Million Menschen den Grausamkeiten zum Opfer. Innerhalb von nur 100 Tagen wurden Angehörige der Tutsi und gemäßigte Hutu von Hutu-Milizen ermordet. Dieses nationale Trauma bestimmt auch heute noch das Leben der Menschen in Ruanda, es hat gesellschaftliche Strukturen zerstört und viele Waisen und Witwen hinterlassen. Weil während des Völkermordes viele Schulen zerstört und Lehrer umgebracht wurden, ist die Analphabetenrate sehr hoch.

Das Projekt
Um die Ärmsten der Armen zu erreichen, arbeitet der Kindernothilfe-Partner African Evangelistic Enterprise seit 2002 mit dem Selbsthilfegruppen-Ansatz in fünf Regionen Ruandas (Kigali, Butare, Rwamagana, Byumba und Gitarama). Mittlerweile gibt es schon 748 Gruppen mit 13.000 Mitgliedern, durch die 57.000 Kinder erreicht werden (Stand Oktober 2005). Der Selbsthilfegruppen-Ansatz umfasst drei Bereiche: die soziale, wirtschaftliche und politische Stärkung der Ärmsten der Armen.

Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, die mit ihren Geschwistern ihren eigenen Haushalt führen müssen und Witwen, die sich um viele Waisen kümmern. Sie schließen sich zu Gruppen von je 15 bis 20 Teilnehmern zusammen und treffen sich wöchentlich: zum Reden, zum Ideensammeln, zum gegenseitigen Mutmachen und Geldsparen. Die Gruppe hilft ihren Mitgliedern aus Einsamkeit und gesellschaftlicher Isolation. In der Gemeinschaft erfahren alle Solidarität und Stärkung, sie entwickeln ein nie gekanntes Selbstvertrauen. Gerade in Ruanda kann so intensiv zur Traumabewältigung und Versöhnungsarbeit nach dem Völkermord beigetragen werden. Wenn ein Gruppenmitglied krank wird, helfen die anderen bei der anstehenden Feldarbeit und stellen in Notfällen Geld zur Verfügung.

Neben der sozialen Entwicklung ist auch die wirtschaftliche Stärkung der Menschen wichtig. Das angesparte Geld wird reihum als Kredit vergeben, damit sich Einkommen schaffende Maßnahmen durchführen lassen. Denn die Mitglieder sollen selbst für ihre Familien und Kinder sorgen können. Jede Gruppe hat ihr eigenes Bankkonto. Die dritte wichtige Komponente ist die politische Stärkung. Die Mitglieder der Selbsthilfegruppen wählen dazu Vertreter in übergeordnete Gruppen, die sich dann um Anliegen der gesamten Gemeinschaft kümmern, z.B. Verbesserung der Wasserversorgung oder Impfkampagnen. Durch die große Zahl von Menschen, die sie nun vertreten, finden sie eher Gehör bei Regierungsstellen.

Der Partner AEE hilft in der Gründungsphase, indem er die Gruppen intensiv betreut. Die Mitarbeiter nehmen an den wöchentlichen Gruppensitzungen teil. Workshops zu verschiedenen Themen wie zum Beispiel Gesundheitsvorsorge, HIV/Aids, Konfliktbewältigung oder organischem Landbau werden veranstaltet. Im Laufe der Zeit nimmt die Intensität der Betreuung jedoch ab, da die Gruppen selbständig werden sollen. Sie organisieren selbst Alphabetisierungskurse oder Kinderbetreuung für die Kleinsten. Der Partner steht dann aber immer noch als Ansprechpartner zur Verfügung. Ganz wichtig dabei ist, dass die Initiative von den Menschen selbst ausgeht. Darin werden sie durch den Selbsthilfegruppen-Ansatz gefördert und so wird nachhaltige Entwicklung erreicht.

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