Zielgruppe:
Junge Erwachsene, Erwachsenenbildung
Inhalt:
Rosario Baluyot war erst elf, als sie starb. Sechs Wochen hatte das philippinische Straßenmädchen mit einem abgebrochenen Massagestab im Unterleib gelebt. Im Krankenhaus wird sie fünf Tage lang nicht behandelt, weil die Bezahlung nicht geklärt ist. Selbst Schmerztabletten bekommt sie nicht. Als eine Ordensschwester endlich das Geld auftreibt, ist es zu spät. Rosario stirbt einen grausamen, schmerzvollen Tod. Was Majgull Axelsson, renommierte Journalistin und erfolgreiche Autorin aus Schweden, hier beschreibt, ist keine Fiktion, und das macht es so schwer, das Buch zu Ende zu lesen. "Meine Pflicht war es nicht, die Wirklichkeit erträglich zu machen", so die Autorin im Vorwort. "Meine Pflicht war es, sie sichtbar zu machen". Man liest und kann das Gelesene eigentlich nicht mehr ertragen, blättert aber doch weiter, weil man einfach wissen muss, ob am Ende der Mörder geschnappt wird.
Auch die Geschichten von Alex, Lisabeth und Salvador eignen sich nicht als leichte Freizeitlektüre. Immer geht es um Kinder, die von Touristen vergewaltigt werden. Man liest und weiß nicht, wohin mit der Wut. Wut auf die Pädokriminellen dieser Welt, aber auch auf die Mütter, die ihre Söhne zwingen, auf die Wünsche der "reichen Onkel" einzugehen, um ihren eigenen Traum von Wohlstand erfüllt zu bekommen. Und die ihr Gewissen mit der Rechtfertigung zu beruhigen versuchen: "Bei einem Jungen ist das doch nicht schlimm - er kann schließlicht nicht seine Unschuld verlieren." Die körperlichen Folgen, unter denen ihre Söhne ein Leben lang leiden, ignorieren sie.
Majgull Axelsson lässt auch Pädokriminelle zu Wort kommen. Das fehlende Schuldbewusstsein der Täter und ihre ungeheuerliche Selbstdarstellung als Wohltäter machen sprachlos. Und ihre Taktik, arme Mütter aus Dritte-Welt-Ländern zu heiraten und in ihre Heimat zu locken, um sich dann tagtäglich an ihren Kindern vergreifen zu können, ist geradezu teuflisch.
Rosarios Mörder, ein österreichischer Arzt, wurde gefasst. Er bekam lebenslänglich, weil Menschen den Mut hatten, den stillschweigend geduldeten Sextourismus anzuprangern.
btb, München 2002
Umfang:
442 Seiten
Preis:
10 Euro
Bestellmöglichkeit:
über den Buchhandel