(Carrefour/Duisburg, 07.07.2010) „Das heute ist ein ganz starkes Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht - und der Wiederaufbau Haitis gelingen kann", so der Direktor der Kindernothilfe, Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, bei der feierlichen Einweihung von zwölf weiteren Notschulklassenräumen der St. François de Sales-Schule von Rivière Froid in Carrefour. Dank der neuen Infrastruktur verbessern sich die Lern- und Arbeitsbedingungen von rund 1000 Mädchen und Jungen, die seit über drei Monaten unter freiem Himmel, Zeltplanen, dem Schatten von Bäumen oder auf den Treppenstufen der Kapelle der Kleinen Schwestern hatten unterrichtet werden müssen, ganz entscheidend.
Kindernothilfe-Direktor Dr. Jürgen Thiesbonenkamp mit Schulkindern und einer Schwester des Petites-Soeurs-Ordens. Foto: Schübelin
Die sechs, in Leichtbauweise errichteten, Gebäude aus Holz, Planen, stabilen Zinkdächern und einem gemauerten Fundament mit ihren zwölf Klassenräumen ergänzen drei große Schulzelte, die schon vor einem Vierteljahr hatten aufgestellt werden können. Die Notschule der Kleinen Schwestern befindet sich exakt an dem Ort, an dem am 12. Januar das dreistöckige Gebäude der historischen St. François de Sales-Schule eingestürzt war und 150 Kinder, vier Lehrerinnen und drei Ordensschwestern in den Tod gerissen hatte.
Kindernothilfe gelang es in Zusammenarbeit mit ihrer Partnerorganisation, der haitianischen Ordensgemeinschaft der „Petites Soeurs de Saint Thérèse de l'Enfant Jesus", in den Wochen nach der Erdbebenkatastrophe, rund 3000 Tonnen Trümmer abzutragen und das Gelände zu planieren, während die beiden chilenischen Architekten Alvaro Arriagada und Pablo Gúzman im Auftrag von KNH mit der Entwicklung der Pläne für ein neues, diesmal erdbebensicheres Schulhaus begannen.
Das soll, um rund 50 Meter vom bisherigen Standort versetzt, errichtet werden, während parallel dazu in den jetzt eingeweihten Räumen der Notschule der Unterricht mit den Kindern aus Rivière Froide weiterlaufen muss. Die Mädchen und Jungen aus der St. François de Sales-Schule hatten den Kindernothilfe-Direktor Dr. Jürgen Thiesbonenkamp und den ihn begleitenden KNH-Referenten für Humanitäre Hilfe, Erhard Stückrath, zunächst mit einer anrührenden Feierstunde in der von dem Erdbeben weitestgehend verschont gebliebenen Kapelle begrüßt, in der Mädchen und Jungen aus den verschiedenen Altersstufen - sowie eine der Lehrerinnen noch einmal an die Ereignisse dieses entsetzlichen 12. Januar und an die getöteten Kinder und Kollegen erinnerten.
Dr. Thiesbonenkamp betonte in seiner Antwort, welche Bedeutung gerade diesem ganz besondere Wiederaufbauprojekt in Carrefour für die Kindernothilfe-Arbeit in Haiti zukomme - und beglückwünschte die beiden engagierten, visionären Schulleiterinnen, Soeur Evanette Onésaire und Soeur Giséle Chaperon - sowie die ganze Gemeinschaft der Kleinen Schwestern, aber auch die Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Kinder, dafür, mit welcher Kraft sie dafür gekämpft hätten, dass nach so kurzer Zeit an dem Ort der furchtbasten Katastrophe in der Geschichte dieser Ordensgemeinschaft wieder unterrichtet werden könne: „Dieser Hügel ist für uns alle ein Zeichen der Hoffnung!"
Für die Phase der Errichtung des definitiven, großen neuen Schulgebäudes, das für 1200 Kinder angelegt ist, wünschte sich der Kindernothilfe-Direktor weiterhin eine ganz enge kreative Zusammenarbeit zwischen Architekten, Schwestern, Lehrern, Eltern und Kindern - und versprach, wieder nach Haiti zurück zu kommen, wenn die neue St. François de Sales-Schule fertiggebaut sei.
Kindernothilfe hat für das Notschulprogramm mit den Kleinen Schwestern in Carrefour, die Räumung der 3000 Tonnen Trümmer, die Planierung des Geländes und den Bau eines neuen, Erdbeben - und Hurrikan-sicheren Schulhauses für 1200 Mädchen und Jungen rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt.
Insgesamt umfasst das KNH-Wiederaufbauprogramm in Haiti derzeit neun, bei dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 zerstörten Schulen.
Jürgen Schübelin (07.07.2010)