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Zur Schule gehen, herumtoben, mit Altersgenossen spielen oder musizieren - das ist Kindheit. Doch was so selbstverständlich klingt, ist für Kinder mit Behinderungen oft unmöglich. Sie haben es schwer in den Armenvierteln der brasilianischen Stadt Recife. Wie in vielen besonders armen Gegenden schämen sich ihre Eltern oft, verstecken die Kinder. Seit 1988 engagieren sich Eltern behinderter Mädchen und Jungen im Centro de Reabilitação e Valorização da Criança (CERVAC). Mit Unterstützung der Kindernothilfe werden Kinder mit Behinderungen dort gefördert.
Situation vor Ort
Recife liegt im Nordosten Brasiliens. Zwei Millionen Menschen leben in dieser Metropole. In den mehr als 300 Favelas, den Armenvierteln, regiert die Armut. Es gibt keine Kanalisation, ihren Müll müssen die Menschen einfach zwischen die ärmlichen Hütten werfen. Unter diesen Verhältnissen breiten sich Parasiten und Krankheiten rasch aus. 50 Prozent der Bewohner haben keine Arbeit und selbst, wer einen Job hat, verdient kaum genug zum Überleben. Viele Kinder brechen die Schule ohne Abschluss ab. Der Unterricht in öffentlichen Schulen ist schlecht, die Klassen sind zu groß. Behinderte Mädchen und Jungen haben es unter solchen Umständen besonders schwer. Spezielle Schulen für sie gibt es nicht. Viele Eltern schämen sich ihrer Kinder aus Unwissenheit, lassen sich durch böse Sätze wie „Kinder mit Behinderungen sind eine Strafe Gottes" beeindrucken und beeinflussen - und verstecken sie zuhause.

Therapeutin Ana Catarina Croccia mit einem kleinen Mädchen bei Cervac. Foto: Jakob Studnar
Das Projekt (Nr. 94621/AC/12)
1988 gründeten engagierte Eltern das im Centro de Reabilitação e Valorização da Criança - CERVAC in dem Armenviertel Morro da Conceição an der Nordwest-Peripherie von Recife. Mit großem Einsatz und der Unterstützung der Kindernothilfe und der Eltern betreibt CERVAC heute ein Zentrum für 240 Kinder. Dort gibt es sieben Behandlungszimmer, einen Essraum, eine Küche, zwei Unterrichtsräume, zwei therapeutische Schwimmbecken, zwei Warteräume, ein Raum für die Vorschularbeit und zwei Büros. Neben den bezahlten Teil- und Vollzeitmitarbeitern arbeiten rund 30 Mütter regelmäßig als unentgeltliche Kräfte an der Rehabilitation ihrer Kinder mit.Die Mädchen und Jungen haben unterschiedliche geistige und körperliche Behinderungen. Bei CERVAC bekommt jedes Kind das, was es benötigt, um sich weiterzuentwickeln. Im Zentrum kümmern sich geschulte Mitarbeiter um die Mädchen und Jungen. Gezielte Therapien und individuelle Förderung tragen dazu bei, die Kinder angemessen zu fördern. Ein Drittel der Kinder besucht dank dieser Unterstützung eine reguläre Schule. CERVAC bildet Lehrer fort, um die Integration der behinderten Kinder zu vereinfachen.
Wichtig bei der Arbeit von CERVAC: Die Kinder werden in ihrer Umgebung gefördert. Die Familien lernen, mit der Behinderung der Söhne und Töchter umzugehen - und vor allem, sie sind ständig mit bei den physiotherapeutischen Übungen dabei, lernen alle wichtigen Bewegungsabläufe und Techniken, um ihre Kinder auch zu Hause fördern zu können. In Seminaren klären CERVAC-Mitarbeiter die Menschen in den Favelas über gesundheitliche Risiken auf. Schwangere werden bei diesen Veranstaltungen gezielt auf Risiken angesprochen und gegebenenfalls bis zur Geburt oder darüber hinaus begleitet.

Das Cervac-Orchester "Forza Especial". Foto: Jakob Studnar
CERVAC wendet sich außerdem immer wieder an die Öffentlichkeit, um für die Rechte der Kinder zu kämpfen. Unter anderem organisieren die Mitarbeiter einmal im Jahr eine große Veranstaltung, an der rund 2.000 Menschen teilnehmen. Kinder und Jugendliche mit Behinderungen treten dabei mit dem eindrucksvollen Orchester des Zentrums auf. Und das hat es inzwischen in Recife zu einem beachtlichen Bekanntheitsgrad gebracht - nicht zuletzt dank seines programmatischen Namens „Forza Especial".
Das Zentrum für behinderte Kinder ist in der Region einzigartig. Doch die Räume für die therapeutische Behandlung sind für die wachsende Anzahl an Kindern inzwischen zu klein. Gemeinsam mit der WAZ und ihrer Lesern unterstützt die Kindernothilfe den Ausbau des Therapiezentrums. mehr zum Ausbau
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