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Christine Idems in einem Projekt in Pakistan. (Quelle: privat)

"Auch in Katastrophen
Selbsthilfe-Kräfte stärken"

Christine Idems ist Manager Humanitarian Assistance und unter anderem für die Arbeit mit syrischen Flüchtlingskindern zuständig. Wir wollten von ihr unter anderem wissen, worauf es für sie bei der Katastrophenhilfe besonders ankommt.

Frau Idems, wir erwischen Sie gerade telefonisch in Pakistan. Was machen Sie dort?

Christine Idems: Ich bin für die Kindernothilfe unterwegs, um die Wirkung einiger unserer Projekte hier zu überprüfen und um mit unseren einheimischen Partnern zu diskutieren, was wir noch verbessern können.

Sind Sie nur für Projekte in Pakistan zuständig?

Idems: Nein, mit Kollegen bin ich weltweit für KindernothilfeProjekte zuständig, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mitfinanziert werden. Eine Hauptaufgabe besteht darin, das Ministerium zu überzeugen, unsere Projekte zu unterstützen – vor allem mit Anträgen, die ich gemeinsam mit lokalen Partnern ausarbeite. Die geförderten Projekte begleite ich dann auch weiter, das heißt, ich überprüfe ihre Wirkung, entwickle sie mit den Parntern weiter und lege dem Ministerium darüber Rechenschaft ab.

Sie sprachen von Hauptaufgabe, haben also auch noch weitere Aufgaben?

Idems: Ja, ich bin auch für Teile unserer Humanitären Hilfe zuständig. In dem Bereich entwickle ich mit meinen Kollegen unter anderem die konzeptionellen Grundlagen weiter. Gerade erstellen wir Kriterien für humanitäre Einsätze in Konfliktgebieten, ein Thema, dass immer wichtiger wird für uns. Hier geht es um Entscheidungshilfen, wo wir wann wie tätig werden können – oder auch nicht, wenn etwa die Sicherheitslage zu gefährlich ist.

Wie haben Sie sich die Expertise für Ihre Aufgaben erarbeitet?

Idems: Angefangen habe ich als Krankenschwester. Als solche wollte ich zu Beginn der Neunzigerjahre für eine Organisation in Entwicklungsländern arbeiten, die gab mir dann aber die Möglichkeit, im Bosnienkrieg in Kroatien ein Flüchtlingslager zu koordinieren. Dort habe ich ein großes Interesse an den Herausforderungen der Humanitären Hilfe entwickelt. Nachdem ich später als Krankenschwester kurz nach Ende des Bürgerkriegs in Ruanda und dann noch im Sudan gearbeitet habe, kam ich zurück nach Deutschland und promovierte über Paradoxien in der Humanitären Hilfe. Danach fing ich bei der Kindernothilfe an.

Was ist Ihnen in der Humanitären Hilfe besonders wichtig?

Idems: Ich finde es für meine Arbeit sehr wichtig, nachvollziehen zu können, warum Menschen in welchen Situationen was wie machen. Das ist gerade in Notsituationen unverzichtbar, um mit ihnen kooperieren und um ihnen helfen zu können. Zudem kommt es mir darauf an, die lokalen und Selbsthilfe-Kräfte in Katastrophenfällen zu stärken. Denn die entfalten schon große Wirkung, bevor der erste fremde Helfer vor Ort eintrifft – und sie wirken noch weiter, wenn der letzte gegangen ist. Wenn internationale Hilfe unabhängig davon agiert, droht sie langfristig sogar die Selbsthilfe-Kräfte zu zerstören und mehr Weh als Wohl zu verursachen. Die Hilfe für syrische Flüchtlinge im Libanon ist ein gutes Beispiel: Die Menschen haben in ihrer Not bereits selbst Strukturen aufgebaut, um ihr Leben im Exil erträglich zu machen, und die entwickeln wir mit ihnen weiter. Wenn wir ganz neue aufbauen würden, würden sie in unsere Abhängigkeit geraten, und genau das wollen wir ja nicht.

Darf man auch fragen, was Sie privat gerne machen?

Idems: Aber sicher! Ich lese zum Beispiel gerne Krimis.

Warum gerade diese Gattung?

Idems: Vielleicht, weil es da auch immer darum geht, herauszufinden, wer was warum wie gemacht hat.

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