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Positionspapier der Kindernothilfe
zum Thema Kinderarbeit

Ergebnis eines hausinternen Konsultationsprozesses

Plakatkampagne 2011. (Quelle: KNH)

„Wie viel kann ein Kind ertragen?" So steht es auf Großplakaten der Kindernothilfe. Neben der Frage ist ein Junge abgebildet mit einer schweren Last auf seinen Schultern. Die Augen des Jungen zeigen die bittere Realität von Millionen Kindern auf der Welt. Kinderarbeit ist ein Skandal und doch nicht selten die einzige Chance, das Auskommen der Familie zu sichern. Die Forderung, Kinderarbeit zu verbieten und so schnell wie möglich abzuschaffen, hat viele Befürworter. Kinder vor wirtschaftlicher Ausbeutung zu schützen, muss das Ziel bleiben. Nach Artikel 32 der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder auch ein Recht darauf.

Weltweit aber arbeiten mehr als 305 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, davon gehen allein 115 Millionen besonders gefährlichen und für ihre Entwicklung schädlichen Arbeiten nach. Angesichts dieser Zahlen ist es mit einem einfachen Verbot nicht getan. Wer die Abschaffung von Kinderarbeit fordert, muss Lösungen aufzeigen, wie Familien ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Nicht jede Tätigkeit von Kindern ist auch Kinderarbeit. Die ganz schlimmen Formen der Ausbeutung als Kindersoldaten und durch Prostitution und Pornografie sind keine Kinderarbeit, sondern Formen besonders schwerer Kriminalität. Weil es die eine Form von Kinderarbeit in eindeutiger Definition nicht gibt, ist die Gefahr groß, die Schärfe dieses Skandals aus dem Blick zu verlieren und sich mit dieser Realität abzufinden, statt sie zu verändern.

Doch es gibt Alternativen. Das vorliegende Positionspapier der Kindernothilfe ist aus einem Konsultationsprozess innerhalb der Mitarbeiterschaft entstanden. Viele Erfahrungen aus den Projekten und Programmen der Partner finden sich darin wie auch der Stand der Diskussion in der Bildungs- und Advocacy-Arbeit. Kinderarbeit ist kein isoliertes Phänomen. Ihre Ursache liegt in der wirtschaftlichen und sozialen Armut ihrer Familien. Wer an wirklichen Lösungen interessiert ist, muss hier beginnen. Familien brauchen Unterstützung, um ihre Einkommenssituation zu verbessern. Eltern müssen dafür gewonnen werden, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und Vorrang aller staatlichen Maßnahmen muss es sein, Arbeitsplätze für Erwachsene zu schaffen statt auf billigere Kinderarbeit zu setzen.

(Auszug aus dem Vorwort von Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, damals Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzender)

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Artikel bestellen: E-Mail info@knh.de oder Telefon +49 203 7789-111

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