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Ein Kindernothilfe-Partner verteilt Hilfsgüter in Somaliland. (Quelle: Angelika Böhling)

Charter4Change: Wie die Kindernothilfe lokale Nothilfe stärkt

Auf dem Weltgipfel für humanitäre Hilfe (WHS) im Mai 2016 haben Staatenvertreter und Organisationen der Zivilgesellschaft neue Schritte zur Reform des weltweiten Systems der Not- und Katastrophenhilfe diskutiert und entsprechende Selbstverpflichtungen beschlossen. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Konferenz war, die Rolle der sogenannten „Süd-NRO“ zukünftig mehr zu stärken, also von Nichtregierungsorganisationen, die ihren Hauptsitz in einem Land des globalen Südens (außerhalb eines OECD Landes) haben.  

Schon mehrfach haben sich die großen internationalen Hilfsorganisationen und multilateralen Organisationen des UN-Systems zur besonderen Bedeutung der lokalen Akteure innerhalb der humanitären Hilfe bekannt. Allerdings sprechen die Zahlen bisher eine andere Sprache: 2015 wurden nur 0,4 Prozent der weltweiten Mittel für humanitäre Hilfe direkt an nationale Nichtregierungsorganisationen und zivilgesellschaftliche  Initiativen überwiesen. In den Jahren davor war es noch weniger.

Schon während des Konsultationsprozesses für den Weltgipfel hatten internationale und Süd-NRO gemeinsam eine Initiative zur Lokalisierung von humanitärer Hilfe gestartet, die in einem Dokument mit entsprechenden Selbstverpflichtungen mündete.

Logo Charter4Change

In der „Charter4Change“ benennen sie acht praktische Maßnahmen, um Süd-Akteure auf lokaler Ebene zu stärken und so ein Umdenken im humanitären System zu erreichen.

Eine der Verpflichtungen besteht darin, bis 2018 den Anteil der humanitären Hilfe auf 20 Prozent zu erhöhen, der direkt und unabhängig durch lokale Akteure umgesetzt wird.

Die Kindernothilfe setzt auf lokale Expertise

Inzwischen haben sich 35 internationale Organisationen – darunter die Kindernothilfe – verpflichtet, die acht Maßnahmen der Charter4Change umzusetzen. Die Initiative wird mittlerweile von 232 Organisationen aus dem globalen Süden unterstützt. Die Kindernothilfe legt viel Wert auf lokale Expertise bei der Umsetzung ihrer Projekte – auch in der humanitären Hilfe. So entsendet die Kindernothilfe beispielsweise keine humanitären Helfer in Krisengebiete, sondern unterstützt die Umsetzung lokaler Projektideen durch örtliche oder nationale Organisationen.

Die betroffene Bevölkerung gemeinsam mit den Mitarbeitern der Organisationen vor Ort kann oftmals genauso gut und mitunter besser überblicken und entscheiden, welche Hilfen am nötigsten sind. Auswärtige Teams müssen zunächst aufwendige Befragungen, Lageeinschätzungen oder Erhebungen durchführen, und selbst die erfahrensten Organisationen haben nicht das gleiche Wissen über die lokalen Kontexte oder kulturelle Praktiken wie die Bevölkerung. Zum anderen sind die Menschen vor Ort immer die Ersten, die helfen. Denn während die ausländischen Organisationen sich über die Krise informieren, ein Team zusammenstellen und Personal sowie Material einfliegen lassen müssen, suchen die Menschen vor Ort schon längst nach Möglichkeiten, wie sie sich gegenseitig unterstützen können, und beginnen in akuten Katastrophen mit der Bergung Überlebender und der Ersten Hilfe für die Opfer.

Internationalen Organisationen fehlt zu Beginn einer Katastrophe der Kontakt und der Überblick, welche lokalen Kapazitäten schon vorhanden sind und an welchen Stellen diese Unterstützung benötigen. Deswegen besteht die Gefahr, schon bestehende Ansätze der Menschen vor Ort nicht wahrzunehmen, auszuhöhlen oder zu zerstören. Lokale Organisationen und ihr Personal bleiben auch nach der Krise vor Ort und sind damit dauerhaft Ansprechpartner für die betroffenen Menschen – auch dann, wenn die weltweite Öffentlichkeit und ein Großteil der internationalen Organisationen ihre Aufmerksamkeit bereits auf die nächste Katastrophe lenken.

Humanitäre Hilfe ist dann am wirksamsten, wenn die betroffenen Menschen aktiv in die Hilfsmaßnahmen eingebunden werden, ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht bekommen und ihr Geschick auch in den schwierigsten Situationen selbst in die Hand nehmen können. Das können lokale Organisationen leisten, denn sie sind auch nach einer akuten Katastrophe den Betroffenen verpflichtet.

Besserer Zugang zu finanziellen Ressourcen nötig

Die Kindernothilfe setzt sich aktiv dafür ein, dass das weltweite System humanitärer Hilfe von lokalen Akteuren und Initiativen mitgesteuert wird, indem sie sich für einen verbesserten Zugang zu finanziellen Ressourcen und mehr Einfluss auf die programmatischen Inhalte humanitärer Hilfe durch Süd-NRO engagiert. Neben finanziellen Ressourcen für konkrete humanitäre Hilfe unterstützt die Kindernothilfe ihre Partner beim Aufbau von Expertise und Kapazitäten in diesem Bereich. Außerdem trägt sie dazu bei, dass die Bedeutung der Süd-NRO für humanitäre Hilfe in der deutschen Öffentlichkeit mehr wahrgenommen wird als bisher.

Die Kindernothilfe veröffentlicht daher nun jährlich die Anteile der Gelder für humanitäre Hilfe, mit denen sie direkt lokale Partnerorganisationen unterstützt hat. Im Jahr 2018 hat sie 49,78 Prozent ihrer Ausgaben für humanitäre Hilfe direkt an Organisationen des Südens überwiesen:

  • 19,84 Prozent an Organisationen, die lokal registriert, aber mit internationalen Organisationen im Verbund sind,
  • 12,83 Prozent an nationale Organisationen, die im ganzen Land aktiv sind,
  • 17,11 Prozent an lokale Organisationen, die nur in einzelnen Regionen eines Landes tätig sind.

 

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