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Thomas Paul. (Quelle: Bastian Strauch)

Thomas Paul:
Vater unserer Selbsthilfegruppen

 „Nicht nur auf die Saat, auf den fruchtbaren Boden kommt es an!“

Thomas Paul (63) ist der Initiator der Kindernothilfe-Selbsthilfegruppen. Vor zehn Jahren hat der Inder gemeinsam mit uns ein Konzept entwickelt, das auch heute noch Grundlage der weltweiten Selbsthilfegruppen-Arbeit ist. Wir wollten von ihm wissen, wie es dazu kam.

Thomas Paul, wissen Sie noch, wie ihr Interesse für Selbsthilfegruppen geweckt wurde?

Sehr genau sogar: 1997, und zwar durch einen Energiespar-Ofen! Ich war damals in einer karitativen indischen Organisation tätig. Wir versuchten, fortschrittliche Technologien in armen Dörfern einzuführen, um das Leben dort zu verbessern. Wir verteilten etwa Öfen, mit denen die Menschen jede Menge Geld und Umweltressourcen hätten sparen können. Es gab aber ein Problem: Die Dorfbewohner waren überhaupt nicht interessiert. Sie waren so sehr mit ihrem täglichen Überlebenskampf beschäftigt, dass sie nicht auch noch Zeit für solch vermeintlichen Schnickschnack verschwenden wollten. Die Saat des technischen Fortschritts, von der wir uns so viel versprachen, fiel also auf unfruchtbaren Boden.

Äh, Moment – was hat das mit Selbsthilfe zu tun?

Sehr viel. Wir haben nämlich doch noch Leute in den Dörfern gefunden, die Interesse an den Öfen hatten: Frauen, die in Selbsthilfegruppen organisiert waren, sich also intensiv mit ihren Problemen, deren Ursachen und Lösungsmöglichkeiten beschäftigten. Das Erstaunliche: Sie wollten die Öfen gar nicht umsonst ausgehändigt haben, sondern nur wissen, wie man sie herstellt. Nach ein paar Monaten hatten sie 20.000 Stück produziert und verkauft – also einiges Geld verdient und ganze Dörfer zu Energiesparern gemacht. Die Moral von der Geschichte: Nicht nur auf die Saat, sondern auf den fruchtbaren Boden kommt es an. Was die Menschen dann säen für ein besseres Leben und wie sie es tun, wissen sie selbst viel besser. Genau das ist Hilfe zur Selbsthilfe: Menschen überhaupt erst ermöglichen, ihre Potenziale auszuschöpfen.

Und dieses Prinzip hat Sie dann nicht mehr losgelassen?

Richtig. Auch weil die systematische Hilfe zur Selbsthilfe noch in den Kinderschuhen steckte. Es gab jede Menge Möglichkeiten, kreativ zur Entwicklung dieses Bereiches beizutragen. Das tat ich dann auch – zunächst noch mit einer anderen Organisation . . .

. . . und dann mit der Kindernothilfe?

Ganz genau, seit dem Jahr 2000. Die Kindernothilfe war damals dabei, ihre Arbeit insgesamt weiterzuentwickeln – also Kinder nicht mehr nur über Institutionen wie etwa Kindergärten zu unterstützen, sondern Gemeinschaften umfassend zu stärken, damit sie ihren Kindern ein besseres Leben ermöglichen können. Man suchte nach Wegen, dies möglichst effektiv zu tun, und lud mich ein, die Selbsthilfegruppen-Arbeit vorzustellen. Der Funke sprang über, zwei Jahre später war ich Kindernothilfe-Mitarbeiter, wir entwickelten einen ganz eigenen Selbsthilfegruppen-Ansatz und starteten mit Pilotprojekten.

Wie muss man sich das vorstellen? Haben Sie das Konzept am Reißbrett entwickelt?

Ganz und gar nicht. Ich bin gelernter Maschinenbauer und als solcher mit einer sehr praktischen Ader ausgestattet. In Indien hatte ich mir viele verschiedene Varianten von Selbsthilfegruppen angeschaut. Dort „boomte“ diese Art der Entwicklungszusammenarbeit bereits, selbst die Regierung förderte sie. Bei der Erstellung unseres Konzeptes wollten wir das Beste aus allen Ansätzen vereinigen, um möglichst effektiv und weitreichend zu wirken.

Und wie schafft das die Selbsthilfegruppen-Arbeit der Kindernothilfe?

Da gibt es einige Aspekte, ich will aber zwei wichtige hervorheben: Wir finanzieren die gesamte Begleitung wie etwa Schulungen, doch das Kapital für die Kredite ersparen sich die Gruppen ganz alleine. So sind sie von Anfang an finanziell völlig unabhängig und spüren, wie sie sich aus eigener Kraft helfen können. Zudem stärken wir sie nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und gesellschaftlich – denn Ziel ist es, dass sich nicht nur einzelne Familien und Gemeinschaften aus der Armut herausarbeiten, sondern dass sie die gesamte Zivilgesellschaft stärken.

Hilfe zur Selbsthilfe in bewegten Bildern

Hilfe zur Selbsthilfe in bewegten Bildern

Der Film zeigt, wie Elena durch die Selbsthilfe-Arbeit der Mutter ein besseres Leben ermöglicht wird.

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Unsere Projekte im Überblick

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Derzeit fördern wir rund 2 Millionen Kinder in 31 Ländern. Hier finden Sie eine Auswahl unserer Projekte.

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Hilfe zur Selbsthilfe: Unser Konzept

Hier können Sie das ausführliche Selbsthilfegruppen-Kozept der Kindernothilfe downloaden.

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