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Soforthilfe auf den Philippinen. (Quelle: Bastian Strauch)

Entwicklung der Humanitären Hilfe

Nichts scheint menschlicher, als Menschen in Katastrophen zu helfen. Was genau aber Humanitäre Hilfe eigentlich alles sein und leisten soll, darauf hat sich die Menschheit noch nicht geeinigt. Auch die Kindernothilfe hilft seit Jahren mit, die Antwort auf diese Frage immer weiter zu präzisieren. Ein kleiner Einblick in die Entwicklung der Humanitären Hilfe – weltweit und bei der Kindernothilfe.

Humanitäre Hilfe kann bisweilen eine rätselhafte Angelegenheit sein. Eine allgemeingültige Definition für diesen Begriff gibt es nämlich bis heute nicht – und das, obwohl sich dahinter eine der menschlichsten Handlungen überhaupt verbirgt: Dass der Mensch anderen Menschen in Katastrophen oder anderen Notlagen unter die Arme greift, egal ob Familienangehörigen, Nachbarn, Fremden oder sogar Feinden.

Schon im 23. Jahrhundert v. Chr. wollte uns ein Gouverneur aus Ägypten mittels einer Grabinschrift wissen lassen: „Ich gab den Hungernden Brot und den Nackten Kleidung.“ Aus so ziemlich allen Kulturen und Religionen kennen wir Aufrufe und Beispiele zur Nächstenliebe und zum barmherzigen Handeln, selbst in schwierigsten Situationen und gegenüber ärgsten Feinden: vom indischen Mahabharata-Epos (um 400 v. Chr.), der die Tötung kampfunfähiger Gegner verbietet, bis zum barmherzigen Samariter. Und bis heute hilft der Mensch über alle geografischen, sozialen und kulturellen Grenzen hinweg: Ein Erdbeben verwüstet ein kleines, abgelegenes Land namens Haiti, und Menschen aus aller Welt engagieren sich, um die Not zu lindern – obwohl die meisten weder Haiti besucht noch einen Haitianer kennengelernt haben.

Was hilft viel, was weniger?

Mädchen mit Mangosetzling. (Quelle: Bastian Strauch)
Nach der Katastrophe ist es etwa wichtig, so bald wie möglich wieder den Anbau von Nutzpflanzen in Gang zu bringen - damit die Betroffenen schnell wieder auf eigenen Beinen stehen können.

Wenn dieses intuitive humanitäre Handeln so selbstverständlich und universell ist – warum hat der Mensch sich dann bis heute nicht darauf einigen können, was Humanitäre Hilfe genau sein und leisten soll? Das liegt vor allem daran, dass er sich diese Frage erst stellen muss, seitdem er nicht nur spontan und punktuell hilft, sondern in großem Maße Humanitäre Hilfe mit verschiedenen Akteuren organisiert. Seitdem müssen klare gemeinsame Antworten etwa darauf gefunden werden, was viel hilft und was weniger. Alles, damit die Intervention möglichst effektiv, gerecht und vor allem nicht schädlich ist.

Der Genfer Geschäftsmann Henri Dunant organisierte als einer der Ersten Humanitäre Hilfe im großen Stil und grenzübergreifend: Als er 1859 Zeuge einer Schlacht zwischen Frankreich und Österreich wird, ist er so schockiert vom erlebten Leid, dass er das Internationale Komitee vom Roten Kreuz gründet. Gleichzeitig war ihm klar, dass international organisierte Hilfe verbindliche Regeln und Standards braucht: Er forderte etwa, dass effektive Hilfe nur von professionellen und unabhängigen Organisationen geleistet werden kann. Dieser Grundsatz hat seine Wichtigkeit bis heute nicht verloren: Die negativen Auswirkungen durch nicht professionelle, private Einsätze sowie durch Manipulation von Staatsorganen und Konfliktparteien sind noch immer große Herausforderungen.

Seit Henri Dunant hat sich die internationale Humanitäre Hilfe immer weiterentwickelt und ist immer komplexer geworden. Heutzutage gibt es verschiedenste Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, die Humanitäre Hilfe leisten – über 200.000 Menschen sind mittlerweile in diesem Bereich tätig. Je komplexer das Hilfssystem geworden ist, desto dringlicher wird die Notwendigkeit, sich auf gemeinsame Werte und Arbeitsweisen zu einigen. Ein Beispiel dafür ist der Kodex des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro) zur Stärkung des Kindesschutzes in der Humanitären Hilfe, den die Kindernothilfe mitentworfen hat.

Welche Rolle spielt die Kindernothilfe?

KNH in Haiti 2010 (Quelle: Jakob Studnar)
Bildung nach der Katastrophe aufrecht zu erhalten, ist ein Ziel der Kindernothilfe.

Und welche Rolle spielt die Kindernothilfe innerhalb der internationalen Humanitären Hilfe, wie hat sie dabei ihre ganz eigene weiterentwickelt? Schon in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung 1959 hat die Kindernothilfe neben ihrer Förderung benachteiligter Kinder immer wieder Katastrophenhilfe geleistet. Etwa nach dem Erdbeben in Guatemala 1976, während der Dürre in Äthiopien 1984 oder dem Bürgerkrieg in Sri Lanka bis 2009.

Vor allem zwei Prinzipien, die damals schon für die Einsätze entscheidend waren, sind heute immer noch gültig: Die Kindernothilfe konzentriert sich bei der Hilfe vor allem auf die am meisten betroffenen und schwächsten Mädchen und Jungen; und sie wird vor allem dort tätig, wo sie bereits mit verlässlichen Partnerorganisationen zusammenarbeitet. Auch die Mithilfe beim Wiederaufbau von Bildungsinfrastruktur ist bis heute eine Konstante geblieben. Was aber lange Zeit anders war als heute: Die Hilfe war meist punktuell und zeitlich stark begrenzt. Während der Dürre in Äthiopien 1984 etwa wurden Soforthilfe-Mittel bereitgestellt, um das Überleben von Kindern aus den bestehenden Projekten und in der näheren Umgebung zu sichern, zudem wurden Kinder, die durch die Dürre zu Waisen wurden, in Kinderheime aufgenommen. Damit war der Einsatz damals abgeschlossen.

Auch langfristige Stärkung ist das Ziel

Parallel zur Entwicklung der gesamten internationalen Humanitären Hilfe hat auch die Kindernothilfe ihre Maßnahmen kontinuierlich angepasst. Einschneidend war das Jahr 2004. „Das große Spendenaufkommen für die Tsunami-Opfer führte dazu, dass wir ein gesondertes Team eingerichtet haben, das sich ausschließlich mit Humanitärer Hilfe befasste – und es bis heute tut“, erinnert sich Erhard Stückrath, der die Gruppe seit damals leitet.

Auch die Partnerorganisationen in den Projektländern werden mit einbezogen in die Weiterentwicklung. Stückrath: „In Regionen, die besonders häufig von Katastrophen betroffen sind, haben wir mit sehr erfahrenen Partnern Netzwerke aufgebaut, damit in Notfällen die Hilfe möglichst schnell und effektiv anlaufen kann.“ Ein weiterer großer Schritt war die Entwicklung besonderer Kinderzentren bei Katastrophen: Oasen im Chaos, in denen Kinder Schutz, Essen, Unterricht und medizinische sowie psychologische Betreuung bekommen – und einfach wieder Kind sein können . Und generell gilt: In allen Phasen der Hilfe binden wir die Betroffenen in die Planung der Hilfsmaßnahmen mit ein.

Vernetzung mit anderen Organisationen

Ebenfalls sehr wichtig ist die Vernetzung mit anderen Organisationen und Institutionen. „Um gemeinsam effektiv helfen zu können, müssen sich alle Akteure gut absprechen und sich auf das konzentrieren, was sie am besten können“, erläutert Stückrath. „Daher sind wir intensiv in mehreren deutschen und globalen Netzwerken tätig, und helfen mit, sie auszubauen. Und innerhalb der Netzwerke tun wir das, was wir am besten können: Das Überleben und den Schutz von Kindern sichern und ihnen und ihren Familien langfristige Perspektiven für ein weniger verwundbares Leben ermöglichen.“

So helfen wir bei Katastrophen

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In Katastrophen brauchen Opfer schnelle Hilfe. Akute Not zu lindern, ist aber nur der erste Schritt. Wir unterstützen die Menschen auch, die Not nachhaltig zu überwinden und neuen Krisen vorzubeugen.

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So funktionieren unsere Kinderzentren

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Das wichtigste Werkzeug für unsere Humantiäre Hilfe sind Kinderzentren: Oasen im Chaos, in denen Kinder Schutz, Essen, Unterricht und medizinische sowie psychologische Betreuung bekommen.

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Wie wir helfen

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Alle unsere Projekte führen wir mit einheimischen Partnern durch. Nächstenliebe und Kinderrechte sind die Grundlagen unserer Arbeit, Hilfe zur Selbsthilfe und Partizipation die leitenden Prinzipien.

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