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(Quelle: Ralf Krämer)

Weltfrauentag: Keine Rosen, bitte!

Den Weltfrauentag nehmen wir jedes Jahr zum Anlass, um über Not und Gewalt an Mädchen und Frauen zu sprechen, denn allzu häufig werden ihre Rechte überall auf der Welt missachtet. In diesem Jahr wollen wir zwei mutige und starke Frauen in Afrika vorstellen, die sich täglich dafür einsetzen, dass es ihnen, ihren Familien und sogar ganzen Dorfgemeinschaften besser geht. Sie sind die stillen Heldinnen, die heute stellvertretend für viele Millionen Frauen mehr als nur eine Rose verdienen – ihnen gebührt unser Respekt und unsere Aufmerksamkeit.

Text: Sarah Aretz, Fotos: Ralf Krämer/Ludwig Grunewald

Bernadette aus Uganda

Bernadette ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und war bettelarm. Jeder neue Tag war für sie und ihre Familie ein Kampf ums Überleben. Das Aufwachen am Morgen war mit der quälenden Frage verbunden, wie sie ausreichend Essen für ihre Kinder aufbringen konnte. Bernadette nahm jede Arbeit an, die sie finden konnte. Geld genug, um ihre Kinder zur Schule zu schicken oder neue Kleider zu kaufen, hatte sie trotzdem nie. Von den Nachbarn wurde sie als arme und alleinstehende Frau wie eine Ausgestoßene behandelt. Sie wurde ausgegrenzt und beschimpft. Am Abend eines anstrengenden Tages voller Arbeit hatte Bernadette dieselben Sorgen wie am Morgen zuvor.

Der Weg aus der Armut

Bernadette gründete unter Anleitung einer Kindernothilfe-Partnerorganisation mit anderen betroffenen Frauen eine Selbsthilfegruppe. Die Frauen hatten gemeinsam, dass sie nichts mehr zu verlieren hatten. Und, sie hatten genug von ihrem Leben in der Armut.  Sie lernten rechnen. So leicht konnte ihnen kein Händler auf dem Markt mehr zu wenig Wechselgeld wiedergeben oder der Vermieter etwas vormachen. Aber das reichte Bernadette und den anderen Frauen nicht, sie wollten mehr. Die Frauen schmiedeten Pläne für ihre eigenen Geschäfte. Das Geld, um ihre Projekte zu realisieren, wollten sie selbst beschaffen. Sie begannen mit eiserner Disziplin zu sparen. In einen gemeinsamen Topf legte jede so viel sie entbehren konnte. Mit diesem Geld gaben sie sich gegenseitig Mini-Kredite, um so ihre Ideen zu realisieren.

Bernadette hatte die Idee ein Geschäft für den An-und Weiterverkauf von Kaffee zu eröffnen. Mit viel Willenskraft  und der Unterstützung der Selbsthilfegruppe baute sie ihr eigenes kleines Unternehmen auf, welches sie besonnen und bestimmt leitet. Als die ersten schwarzen Zahlen geschrieben wurden, war die Freude groß. Nach einigen Monaten  reichte das Geld sogar aus, um ein Steinhaus für die Familie zu bauen. Die Selbsthilfegruppe konnte bereits viele Erfolge wie diesen feiern. Für Bernadette ist das allerding kein Grund sich auszuruhen. Denn statt der Sorgen, wie sie ihre Kinder ernähren kann, hat sie jetzt Träume, für sich und für das Dorf, in dem sie lebt: Bernadette möchte eine Apotheke für Tiermedizin eröffnen.

Bernadette, Selbsthilfegruppenmitglied (Quelle: Ludwig Grunewald)
Bernadette ist stolz auf ihren Kaffeeanbau.

Josephinah aus Swasiland

Auch Josephinah gehörte zu den Ärmsten der Armen. Das kleine Stück Land, das sie gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftete, brachte oft nicht genug Ertrag, um die Familie ernähren zu können. Eine schlechte Ernte oder trickreiche Händler schafften es immer wieder, dass die Familie tagelang nichts zu Essen hatte. In ihrer Not ging Josephinah betteln, um ihre Familie durchzubringen. Sie ging von Tür zu Tür und bat die Menschen um Bananen oder Brot. Eine erniedrigende Erfahrung. Oft war sie verzweifelt und hoffnungslos, sah keine Perspektive für sich und ihre Kinder.

Josephinahs Leben und das ihrer Familie änderte sich, als sie in eine Selbsthilfegruppe eintrat. Dort lernte sie gemeinsam mit anderen Frauen, wie man einen Acker bestellt und pflegt. Mit dem erlernten Wissen und viel Willenskraft, schaffte sie es, aus dem Acker eine blühende Landwirtschaft zu machen. Schritt für Schritt verbesserte sie die Bewässerung und wandte neue Anpflanzungstechniken an. Durch Rücklagen schaffte es die Familie schließlich auch schlechte Ernten durchzustehen. Josephinah konnte immer mehr Geld zur Seite legen und später in neue Werkzeuge und ein größeres Stück Land investieren. Die Früchte ihrer Arbeit verkaufte sie auf dem Markt gewinnbringend weiter. Der Rückhalt aus der Selbsthilfegruppe half ihr dabei, bei Preisverhandlungen auf einen festen Preis zu beharren. Sie war sich ihrer Selbst und dem Wert ihrer Arbeit bewusst.

Josephinah Simelane, SACCO-Mitglied (Quelle: Ralf Krämer)
Josephinahs Mann ist stolz auf seine erfolgreiche Frau.

Heute besitzt Josephinah ein eigenes Haus und in den anliegenden Gebäuden leben ihre Kinder mit ihren Familien. Ihre Enkelkinder können zu Schule gehen und eine Ausbildung machen. Und Josephinah blickt stolz auf das zurück, was sie erreicht hat.„Mrs. Simelane ist unsere Heldin und ein Vorbild für andere Frauen in unserer Community“, lobt auch Enock Dlamini, Direktor von der Kindernothilfe-Partnerorganisation ACAT  in Swasiland.

Frauen für eine langfristige Entwicklung

Überall auf der Welt sind Frauen Motor für Veränderung, obwohl ihnen so häufig der Zugang zu Bildung versagt bleibt und sie Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind. Die Kindernothilfe hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen gezielt über die Hilfe zur Selbsthilfe zu stärken, denn selbstbewusste Frauen, die sich im Kleinen und im Großen für eine gerechte Welt einsetzen, ziehen Kinder groß, denen sie genau diese Werte mitgeben.

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