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Hand in Hand - eine weiße und eine dunkle Mädchenhand. (Quelle: Frank Rothe)

Die Kindernothilfe bittet um einen höheren Beitrag für Kinderpatenschaften

Nach 22 Jahren bittet die Kindernothilfe um einen höheren Betrag für Kinderpatenschaften. Die Umstellung von 31 auf 39 Euro gilt ab dem 1. April 2016. Auch Unterstützer, die bereits Paten sind, bittet die Kindernothilfe diesen Schritt mitzugehen, sie werden für die individuelle Entscheidung persönlich kontaktiert und informiert. Wir befragten die Vorstandsvorsitzende Katrin Weidemann zu den Gründen der Erhöhung.

Frau Weidemann, was bewegt die Kindernothilfe dazu, die Kinderpaten um einen höheren Beitrag zu bitten?

Katrin Weidemann: Zunächst einmal möchte ich mich bei allen Paten im Namen aller geförderten Kinder bedanken: Nur durch Ihren großen Einsatz und Ihre Treue können wir Mädchen und Jungen, die in ärmste Verhältnisse hineingeboren wurden, etwas ermöglichen, das ihnen sonst in den meisten Fällen versagt bliebe: Die Chance auf ein besseres Leben – eines, das sie in Würde führen und selbst gestalten können und sie hinausführt aus Teufelskreisen von Armut, Gewalt und Elend. Um diese Arbeit so wirkungsvoll und nachhaltig wie möglich leisten zu können, sind viele Anstrengungen notwendig. Anstrengungen, die im Laufe der vielen Jahre auch teurer geworden sind.

Was genau ist teurer geworden?

Weidemann: Nun, einiges davon liegt auf der Hand. Die letzte Erhöhung des Kinderpatenschaftsbetrags liegt 22 Jahre zurück. Seitdem ist sowohl in den Projektländern als auch hierzulande vieles stetig teurer geworden - von kleinen Dingen wie etwa Mahlzeiten und Schulmaterialien bis hin zu Bauvorhaben etwa für Schutzhäuser. Alleine der Kaufkraftverlust in Deutschland seit 1994 ist enorm. 39 Euro (60 Mark) von damals sind heute nur noch 22,40 Euro wert. Und durch teils enorme Inflationsraten hat die Kaufkraft in vielen Projektländern noch sehr viel mehr abgenommen: allein in Indien etwa 50 Prozent in den vergangenen zehn Jahren.

Warum hat die Kindernothilfe den Betrag für Patenschaften nicht schon früher erhöht?

Katrin Weidemann: Diese allgemeinen Teuerungstendenzen haben wir, so lange es ging, kompensiert, um sie nicht an die Paten weitergeben zu müssen. Dazu haben wir fortlaufend viel Kraft aufgewendet für eine Kosteneffizienzsteigerung in allen Arbeitsbereichen – von umfassenden Digitalisierungsmaßnahmen in der Kommunikation bis hin zur Verschlankung von Büros in den Projektländern. Jetzt sind wir aber an einem Punkt angelangt, wo wir nicht mehr darum herumkommen. Nur so können wir gewährleisten, dass wir Not leidenden Kindern nach unseren Maßstäben nachhaltig und wirksam helfen.

Welche Maßstäbe sind das?

Weidemann: Unser Anspruch ist es, qualitativ hochwertige und wirksame Projekte zu unterstützen, die Kinder schützen, sie aber auch stärken und beteiligen. So fördern wir immer mehr auch das Umfeld des Patenkindes. Während wir etwa bis vor 20 Jahren über eine Kinderpatenschaft vor allem ein einzelnes Kind förderten, haben wir unsere Arbeit immer mehr dahin weiterentwickelt, auch die Familie und das gesamte Dorf zu unterstützen.

Weshalb?

Weidemann: Das ist vor allemaus zwei Gründen wichtig. Erstens für das Patenkind selbst, denn: Je stärker das Umfeld des Kindes, desto größer sind auch seine Entwicklungschancen – diese alte Erkenntnis steckt schon in dem afrikanischen Sprichwort: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“ Anders gesagt: Wir investieren mittlerweile mehr darin, die Selbsthilfekräfte zu mobilisieren. Also ganze Gemeinschaften wirtschaftlich, sozial und politisch zu stärken, damit sie ihren Kindern eigenständig und langfristig ein gutes Leben ermöglichen können. Zweitens profitieren durch diese Arbeit noch sehr viele weitere Kinder. Denn durch die Stärkung der zivilgesellschaftlichen Struktur wird nicht nur das Patenkind Chancen auf besseres Leben bekommen, sondern auch alle anderen Kinder im Umfeld.

Wie sehen diese Maßnahmen zur Stärkung des Umfeldes genau aus? Wie unterscheiden sie sich von der damaligen Hilfe?

Weidemann: Das hängt stark von den konkreten Herausforderungen ab, die es in dem jeweiligen Projektumfeld gibt. Lebt ein Patenkind etwa in einer Region, in der große Gewaltprobleme und Straflosigkeit herrschen, setzen wir unter anderem mit Aufklärungskampagnen zum Schutz von Kindern an und wirken mit unseren Partnern auf politische Entscheidungsträger ein. Wo gravierende Ernährungsprobleme das Leben der Kinder gefährden, schulen wir ihre Gemeinden, etwa wie sie Felder und Gärten reaktivieren und ertragreicher machen. In jedem Fall erfährt das Patenkind zudem direkte Unterstützung, etwa mit Bildungsprogrammen oder medizinischer Versorgung. Früher hat sich die Unterstützung viel stärker auf diese unmittelbare Hilfe für das Kind beschränkt. Die Ausweitung solch nachhaltiger Maßnahmen hat aber natürlich auch ihren Preis.

Kleine Anteile der Patenschaftsbeträge fließen auch in politische Arbeit, die in Deutschland geleistet wird. Warum ist das notwendig?

Weidemann: Um Kindern in fernen Ländern ein besseres Leben zu ermöglichen, muss man in unserer globalisierten Welt auch hierzulande an Stellschrauben drehen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Erfolg der Aidskampagne, bei der die Kindernothilfe Mitglied ist: Wir haben uns in Deutschland bei der Politik und Pharmaindustrie intensiv dafür eingesetzt, dass endlich kindgerechte HIV-Medikamente hergestellt und preisgünstig auf den Markt gebracht werden. Eine Maßnahme, die auch Patenkindern in stark von HIV betroffenen Regionen zugute kommt. Daher fließen Patenschaftsbeträge zu kleinen Teilen auch in solche Arbeit.

Sind Unterstützer, die bereits eine Patenschaft haben und sie weiterführen möchten, verpflichtet, den höheren Beitrag zu bezahlen?

Weidemann: Eine Patenschaft ist ja eine freiwillige Herzensangelegenheit. Wir wollen niemanden, der ein Kind oder mehrere bereits unterstützt, dazu drängen, nun mehr Geld zu bezahlen. Vor allem, wenn dies seine oder ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigt. Wir werden in diesem Fall auch weiterhin die Patenschaft ermöglichen. Wir sind im Namen aller unterstützten Kinder dankbar für jeden Paten, der diesen Schritt mit uns geht – denn jeder Euro hilft.

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