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Ronnie Banzuela. (Quelle: privat)

Ein Patenkind wird Pate

Ronnie Banzuela ist Sohn armer philippinischer Fischer. Eine Patenschaft der Kindernothilfe änderte sein Leben. Heute arbeitet der 37-Jährige als Computerexperte in Saudi-Arabien. Nun wurde das einstige Patenkind selbst zum Paten: Der fünfjährige Akash aus Bangladesch bekommt dank Ronnie Banzuela eine bessere Startchance ins Leben.

Von Bernd Hauser

Das Foto auf dem Info-Blatt der Kindernothilfe zeigt einen Jungen mit raspelkurz geschnittenem Haar und offenem Blick. Auf dem Formular steht: „Akash geht in die erste Klasse. Am liebsten isst er Fisch. Er spielt gerne Fußball. Mit Freunden zusammen macht er sich jeden Tag auf den Schulweg. Er möchte einmal Lehrer werden.“ Der fünfjährige Junge lebt in Sherpur im Norden Bangladeschs, einem besonders armen Distrikt in einem der ärmsten Länder der Welt. Die meisten Einwohner sind landlose Tagelöhner, deren geringer Lohn kaum reicht für das tägliche Essen.

Ähnliche Armut erlebte einst Ronnie Banzuela. Vor drei Jahrzehnten war er ebenfalls Patenkind der Kindernothilfe. Weil er „etwas zurückgeben will“, kontaktierte Ronnie Banzuela, der heute als Computerexperte in Saudi Arabien lebt, die Kindernothilfe über Facebook und fragte, ob er Pate werden könne. Als er kurz darauf das Foto des kleinen Akash aus Bangladesch zum ersten Mal sah und die Zeilen über ihn las, „füllten sich meine Augen mit Tränen“, sagt der 37-Jährige. „Ich fühlte, dass ich etwas für diesen Jungen tun will.“ Und er dachte an seine eigene Kindheit zurück.

Ronnie ist erst sechs Jahre alt, als er zu arbeiten beginnt. In der Stadt Santo Domingo in der Provinz Albay verkauft er die Fische, die sein Vater und die älteren Brüder vor der philippinischen Küste fangen. Der Vater und die Brüder rudern mit ihrem Holzboot mehr als zehn Kilometer hinaus, um mit Netzen und Angelschnüren zu fischen. Immer wieder gibt es Taifune, Ronnie hat oft Angst um den Vater und die Brüder. Häufig kommen sie in ihrer Nussschale ohne jeden Fang zurück. Aber Ronnie ist froh, dass sie überhaupt zurückkommen.

Mit acht Jahren geht er jeden Tag viele Stunden an der Küste entlang, sammelt Plastikflaschen, Aluminiumschrott und anderen Müll, den das Meer an den Strand spuckt und verkauft die Funde für ein paar Cent an Recycling-Händler.

„Das war der Ort, an dem ich meine Kindheit genoss“

Reges Treiben auf dem Fluss in Bangladesch. (Quelle: Jakob Studnar)
Die Heimat seines Patenkindes Akash: Bangladesch

Mit zwölf Jahren arbeitet Ronnie nach der Schule und am Wochenende auf Baustellen, in einer Lederfabrik und auf Reisfeldern. Aber zum Glück gibt es neben den Arbeitsstätten noch einen anderen Ort für Ronnie. Mit sechs Jahren wird Ronnie Patenkind in einem Projekt der Kindernothilfe. Seither besucht er regelmäßig das Bagong Pag-Asa Kinderzentrum. „Das war der Ort, an dem ich meine Kindheit genoss“, erzählt Ronnie Banzuela. „Für mich war es ein wichtiges Zeichen der Hoffnung: Zu wissen, dass Gott uns nicht vergessen hatte, dass jemand weit weg uns Liebe und Zuneigung entgegenbringt.“ Neben Bildung und Rat erhält er im Kinderzentrum Essen und Medizin gegen seine Atemwegsinfektionen. „Für mich war das Zentrum ein sicherer Hafen. Ich vergaß die Alltagsprobleme meiner Familie und konnte einfach nur Kind sein. Ohne das Kindernothilfe-Programm wüsste ich nicht, wo ich heute wäre.“

Seine älteren Brüder fischen, um den Familienunterhalt zu sichern, während Ronnie es mit Talent und Fleiß nach Schule und Berufsschule aufs College schafft. Er studiert Elektronik und Kommunikationstechnik. Das Diplom wird zur Eintrittskarte in das Emirat Katar. Nach neun Jahren wechselt er nach Saudi-Arabien. Mittlerweile arbeitet er dort bereits seit vier Jahren als Computerfachmann an der König Abdullah Universität in Thuwal am Roten Meer. Mit seinem Gehalt konnte er nicht nur seinen Geschwistern den College-Besuch ermöglichen, sondern auch seinen Eltern ein solides Haus bauen: „Aufgewachsen bin ich in einer Bretterhütte mit einem Dach aus Palmblättern. Wenn es regnete, wurden wir wach, weil das Wasser durchs Dach auf uns tropfte.“

Seine Frau Zheena lebt mit den Töchtern Shannen Raiza, 13, und Shaina Faith, 6, auf den Philippinen. Lediglich zwei Mal im Jahr sieht Ronnie sie – ein Schicksal, das er mit vielen Tausend Gastarbeitern am Golf teilt. Doch er sagt: „Ich habe einen Traumjob. Und vielleicht darf ich meine Familie bald nach Saudi-Arabien holen, dann sind wir endlich vereint.“ Er hoffe, dass seine Töchter in 15 Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen haben und eine ähnlich gutes Auskommen finden wie er. „Und das Gleiche hoffe ich für Akash, meinem Patenkind aus Bangladesch“, sagt Ronnie Banzuela: „Dass er es schafft, der Armut zu entkommen, so wie ich es geschafft habe.”

Informationen zur Kinderpatenschaft

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