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Vier Musikerinnen spielen auf Geige, Cello und Akkordeon. (Quelle: Stephanie Schiller)

"Musik ist ein riesengroßes Geschenk"

Die Musikerinnen des Hamburger Quartetts „Salut Salon“, seit vielen Jahren engagierte Kindernothilfe-Botschafterinnen, nutzten ein Gastspiel in Brasilien zu einem Abstecher zum Kindernothilfe-Projekt „Raízes Locais“.

Erika Krüger, Redaktion Bild der Frau

Auf dem Weg zum Kindernothilfe-Projekt „Raízes Locais“ in der Favela „Mangueirinha“ im Norden von Rio de Janeiro denkt man zunächst nicht, dass die Menschen hier in Armut leben. An diesem Sonntag im April findet in einem Straßenzug ein großer Flohmarkt statt. Es herrscht ein buntes, reges Treiben. Doch einige Straßen weiter ist es plötzlich menschenleer und man bekommt direkt ein mulmiges Gefühl beim Aussteigen aus dem Auto. Das Kammermusik-Ensemble „Salut Salon“ aus Hamburg ist an diesem Tag auf dem Weg zu den Gebäuden von „Raizes Locais“ – hier finden Kinder und junge Mütter aus dem Viertel einen Schutzraum und auch eine Oase des Friedens.

Von außen ist das Gebäude der Kindernothilfe durch einen hohen Zaun geschützt. Während draußen mit Drogen gedealt wird und sich Kriminelle mit der Polizei regelmäßig Gefechte liefern, spielen innerhalb des Gebäudes und in dem angrenzenden Hof etwa 200 Kinder täglich in Sicherheit, lernen Theaterstücke, tanzen, machen Musik, sind einfach fröhlich. Und heute ist ein ganz besonderer Tag, weil „Salut Salon“ die Mädchen und Jungen besucht.

Seit 13 Jahren soziales Engagement

Eine Musikerin sitzt lächelnd neben einem kleinen Mädchen auf einem Plastikstuhl. (Quelle: Stephanie Schiller)

Den Musikerinnen und prominenten Kindernothilfe-Botschafterinnen von "Salut Salon" unterstützen seit 13 Jahren weltweit soziale Projekte. Iris Siegfried (Geige), Angelika Bachmann (Geige), Anne-Monika von Twardowski (Klavier) und Frederike Dany (Cello) von "Salut Salon" liegt Helfen im Blut wie die Musik. In Chile sind sie seit 2002 Patinnen der Escuela Popular de Artes, einer Musikschule in den Slums von Viña del Mar, die mit der Kindernothilfe aufgebaut wurde. Im Lauf der Jahre haben sie schon über eine halbe Million Euro an Spenden gesammelt. Und jetzt war „Salut Salon“ in Brasilien unterwegs, um sich vor Ort ein Bild über die soziale Arbeit der Kindernothilfe zu machen.

In dem Land, in dem wir 2014 Fußballweltmeister wurden, sind ein Viertel der 200 Millionen Einwohner unter 15 Jahre. Die WM hat die Lage vielerorts noch schlimmer gemacht: Schulen wurden geschlossen und abgerissen, um Stadien zu bauen. „Trotzdem“, sagt Geigerin Angelika Bachmann, „staunen wir jedes Mal, wie viel Energie diese Kinder haben. Auch im größten Elend gibt es so viel Positives!“

35.000 Menschen leben in dem Armenviertel „Mangueirinha“, viele lungern den ganzen Tag auf der Straße herum, weil es kaum Jobs gibt. Besonders die Zahl der alleinerziehenden Mütter ist extrem hoch, viele sind blutjung, können ihre Kinder kaum vor Missbrauch, und Drogen schützen. „50 Prozent der Mütter hier sind jünger als 18 Jahre“, sagt Luciano. Seit fünf Jahren leitet er das Projekt, holt Straßenkinder von der Straße, bietet mit seinem Team Theaterstücke zu den Themen „Kinderrechte“ an, organisiert Capoeira-Kurse, Malstunden und für die Kleinsten eine Art Kinderhort, damit die Mütter arbeiten gehen können.

"Musik macht die Seele reich"

Ein kleiner Junge steht staunend vor einem Cello.  (Quelle: Stephanie Schiller)

Der kleine Lunay (5) klettert auf den Schoß von Geigerin Angelika Bachmann. Miguel (2) und seine Schwester Manuela (3) entdecken neugierig die Instrumente der „Salut Salon“-Mitglieder. Und kriegen natürlich auch was vorgespielt: Anne, Angelika, Iris und Frederike stimmen eine finnische Polka an. Und Anna-Carolin (9) und Kuane (6) klatschen lachend mit. „Musik ist so ein riesengroßes Geschenk. Wir freuen uns immer wieder, wenn wir sehen, dass auch Kinder aus schwierigen Verhältnissen die Chance bekommen, ein Instrument zu lernen. Es geht nicht um Geld oder materielle Dinge. Es geht darum, etwas zu haben, das die Seele reich macht – und das schafft Musik“, sagt Iris Siegfried.

Die Mitarbeiter von „Raizes Locais“ verfolgen mit ihrem Projekt ein konkretes Ziel: „Wir stärken vor allem auch die vielen jungen Mütter in ihrem Selbstbewusstsein. Denn in den Familien haben die Frauen das Sagen. Wenn sie sich trauen, ihren Männern die Stirn zu bieten, kann sich langsam auch was verändern.“ Aber das Allerwichtigste scheint schon jetzt zu klappen: Die kleinen Mädchen und Jungen haben einen Ort, an dem sie einfach Kind sein dürfen. Und gemeinsam mit den Salut Salon-Musikerinnen verbringen sie einen wunderbaren Nachmittag voller Leichtigkeit.

 

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