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„We want to be involved!“: internationaler Austausch bei der Jugendkonferenz zum Thema „Schule global“

60 Jugendliche aus Kolumbien, Südafrika und ganz Deutschland trafen sich vom 8. bis 10. November im Jugendzentrum Tempel in Duisburg-Rheinhausen zur Jugendkonferenz 2019. Neben der Teilnahme an vielen kreativen und informativen Workshops haben sie auch eine Petition mit Forderungen zur Verbesserung der Schulsituation erarbeitet und sie drei Tage später im Bundestag und im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übergeben.

Text: Christopher Vent, Fotos: Finn Schaefer, Kindernothilfe

„We want to be involved!“ hieß es auf einem Kunstwerk aus Flaschendeckeln, das im optischen Mittelpunkt des gemeinsamen Abschlussgottesdienstes am Sonntag stand. Und das war nur ein Ergebnis der zahlreichen Workshops, in denen es um das Thema „Schule global“ ging. Graffiti-Künstler Aleks van Sputto hatte ein Kind mit Sprechblase gesprayt, die Mädchen und Jungen hatten mit Begeisterung bunte Deckel drum herum drapiert, und ein altes russisches Megafon wurde auch noch integriert. Die Hauptthemen, die die Jugendlichen aus den drei Ländern während der Konferenz beschäftigten, waren Partizipation und Mitsprache. Dies drückten einige künstlerisch aus, sie choreographierten eine Sprache, die alle Barrieren überwand, oder sprayten einen Erdball, der symbolisierte, dass Bildung für jeden zugänglich sein muss. „Die gesprayten Worte bilden eine politische Botschaft“, erklärt van Sputto. „Und die Jugendlichen zeigen so, dass Kunst politisch ist.“

Wie können wir unsere Schule grüner gestalten?

In einem anderen Workshop wurde in gemeinsamer Arbeit an einer idealen Schule gebaut, an der Jugendlich gerne und sicher lernen können. Wieder andere überlegten, wie sie ihre Schule grüner gestalten können, wie sie sich gegen Ausgrenzung im Schulsystem wehren oder in ihrer SV engagieren können. Die Mädchen und Jungen forderten nicht nur unterschiedliche Partizipationsformen, sie erarbeiteten auf allen Ebenen Handlungsmöglichkeiten, die sie direkt umsetzen können oder die die Politik unbedingt umsetzen muss, damit die Anliegen von Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt ernst genommen werden. „Politiker müssen etwas zur Verbesserung der Situation für Jugendliche auf der ganzen Welt machen, aber jeder kann etwas tun“, erklärte eine Teilnehmerin. „Ich kann mich beispielsweise in der SV engagieren, um meine Schule grüner zu gestalten!“

Erfahrungsberichte aus den Townships in Durban

Bei den Jugendlichen aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde trafen verschiedene Sichtweisen und Probleme aufeinander. Gemeinsam erlebten sie daher auch einen interessanten internationalen Austausch. Gespannt lauschten sie den Erfahrungsberichten aus den Townships in Durban, wo die Partnerorganisation der Kindernothilfe YFC KwaZulu/Natal aus Durban sogenannte „Peer Agents“ ausbildet. Diese Gruppe von Jugendlichen sucht Gespräche mit Gleichaltrigen und Lehrern, hilft die Nachbarschaft zu verschönern und macht auf Missstände an den Schulen aufmerksam. Die Mädchen und Jungen erzählten, dass die Regierung kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellt, woraufhin die Jugendlichen gemeinsam entschieden, diesen Punkt in ihre Petition aufzunehmen, die sie einige Tage später in Berlin übergeben wollten. Diese Petition basiert auf den Erlebnissen der Jugendlichen, die sie freitagabends in einem ersten gemeinsamen Zusammenkommen auf Body Maps eintrugen – sie ordneten gute und schlechte Erfahrungen jeweiligen Körperregionen zu und machten so deutlich, wie sie Schule empfinden. In weiteren Workshops konkretisieren einige Repräsentanten diese Empfindungen und arbeiten fünf konkrete Forderungen und damit zusammenhängende Verbesserungsmöglichkeiten an die Politik heraus.

Skypen mit Jugendlichen im Libanon

Währenddessen nahm eine andere Gruppe per Skype Kontakt zu einer Gruppe junger Leute im Libanon auf. Der Kindernothilfepartner AMURT hat dort eine Schule gebaut, in der aus dem Nachbarland Syrien geflohene Mädchen und Jungen Bildungsangebote wahrnehmen können. Mitglieder des an dieser Schule gegründeten Youth Media Clubs berichteten den Teilnehmenden der Jugendkonferenz von ihrer Lebenswelt im Libanon, sandte filmische Botschaften und hatte Projektmitarbeitenden, die an der Konferenz teilnahmen, Lesezeichen mit motivierenden Botschaften mitgegeben, weil sie selbst nicht vor Ort sein konnten. Eine Teilnehmerin berichtete sichtlich gerührt von der Aktion im Plenum am Abend: „Es ist verrückt, dass die Jugendlichen im Libanon mit so vielen Problemen zu kämpfen haben und trotzdem in Gedanken bei uns sind und uns alles Gute bei der Konferenz wünschen.“

Jugendkonferenz 2019 - bedrucktes T-Shirt
 

Beim Abschied flossen Tränen

Viele neue Freundschaften wurden auf der Veranstaltung geschlossen und im abendlichen Tanzworkshop, der gemeinsamen Jam-Session oder in den Pausen beim gemeinsamen Billardspielen vertieft. Und so wurde beim sonntäglichen Abschied die eine oder andere Träne verdrückt. An den Ideen, die die Jugendlichen während der Tage in Rheinhausen entwickelt haben, werden sie alle weiterarbeiten – denn wie hieß es auf den von den ihnen selbst entworfenen Konferenz-T-Shirts in drei Sprachen: „Educación ist power!“

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