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Debora Anyango in ihrem Friseursalon. (Quelle: Tillmann Elliesen)

Handwerker dringend gesucht

Kenia braucht dringend gute Handwerker – und seine Jugendlichen brauchen dringend Arbeit. Doch es gibt kaum jemanden im Land, der berufliche Ausbildungen anbietet. Das will unser Partner Undugu Society ändern.

Von Tillmann Elliesen, welt-sichten

In Kenia gibt es den Witz, Friseure seien die einzigen verlässlichen Handwerker im Land: Nur sie ließen ihre Arbeit nicht halb fertig liegen. Wehe, man brauche mal einen Schlosser oder Elektriker, hieß es unlängst in einem Kommentar der kenianischen Tageszeitung „Daily Nation“. Wenn die wieder weg seien, sei das Problem selten gelöst, wegen dem man sie gerufen habe. Im Gegenteil: Oft sei alles noch schlimmer. Der Autor lieferte auch einen Grund für diese Misere: Junge Leute würden in Kenia heutzutage nicht mehr ordentlich ausgebildet. Handwerkliche Fähigkeiten würden vernachlässigt, gefragt seien stattdessen Universitätsabschlüsse und akademische Titel.

Ja, der verärgerte Kommentator habe das Problem auf den Punkt gebracht, sagt Siprosa Rabach von der Undugu Society, einer Organisation in Nairobi, die sich um Straßenkinder und arbeitslose Jugendliche kümmert. Früher hätten die jungen Leute an den technischen Hochschulen Handwerksberufe erlernt, und die Regierung habe Unternehmen dafür bezahlt, die Schulabgänger zusätzlich praktisch auszubilden. Doch das sei in den 1990er Jahren eingeschlafen: Die Hochschulen verwandelten sich mehr und mehr in Universitäten, viele Entwicklungshilfe-Geber und die kenianische Regierung kürzten die Mittel für die Ausbildung von Handwerkern. Stattdessen seien nur noch schick klingende „Management and Business Trainings“ angeboten worden, so Rabach.

„Eine Friseurin muss nicht nur Haare schneiden können"

Erick Savatia macht eine Tischlerlehre. (Quelle: Tillmann Elliesen)
Die Undugu Society vermittelt an viele verschiedene Betriebe, auch an Schreinereien.

Auf der Strecke bleiben junge Männer und Frauen ohne ordentlichen Schulabschluss oder ohne das nötige Geld für eine Hochschulausbildung. Und von denen gibt es viele in den großen Städten Kenias. Sie kommen vom Land, wo sie keine Chance hatten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Viele sind auf sich gestellt, weil die Familien zerbrochen oder die Eltern gestorben sind. In der Stadt schlagen sie sich dann auf eigene Faust durch, meistens mehr schlecht als recht. Aber manche schaffen es, und die richtige Unterstützung kann dabei helfen. Debora Anyango ist ein gutes Beispiel: Die 24-Jährige hat einen kleinen Friseursalon in Kibera, einem Viertel in Nairobi, das als einer der größten Slums in ganz Afrika gilt. Gerade toupiert sie die Haare einer Kundin zu einer Art Löwenmähne. „Eine Friseurin muss nicht nur Haare schneiden können. Sie muss auch gut zuhören und Geheimnisse für sich behalten können“, erklärt sie. Die Kundin nickt bestätigend.

Debora Anyango kommt aus dem Westen Kenias, nicht weit vom Victoria-See. Als sie 16 war, starb ihre Mutter; drei Jahre später ging sie nach Kibera, lebte auf der Straße. Eine lokale Hilfsorganisation nahm sich ihrer an, mit Hilfe der Undugu Society machte sie eine Ausbildung zur Friseurin, die sie erfolgreich mit einem staatlichen Diplom abgeschlossen hat. Zuerst arbeitete sie als Angestellte; mit dem Geld, das sie in dieser Zeit sparte, kaufte sie sich eine elektrische Trockenhaube, einen Föhn sowie sechs Plastikstühle und eröffnete vor drei Jahren ihren eigenen Salon. Der vier mal vier Meter große Wellblechverschlag ist komplett in lila gehalten, an den Wänden hängen Fotos mit Frisurvorschlägen sowie kleine Plastiktüten mit künstlichen Haarsträhnen. Zwischen 10.000 und 15.000 Kenianische Schilling im Monat verdiene sie hier, sagt Debora Anyango, umgerechnet knapp 100 bis 150 Euro. Das ist etwas mehr als doppelt so viel wie das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Kenia.

Eine solche Karriere ist leider nach wie vor eine große Ausnahme in Kenia. Denn die meisten Betriebe bieten keine Ausbildungsplätze an, da diese zunächst Zeit- und Geldinvestition bedeuten. „Kenias Wirtschaft wächst, die Zahl der Armen und der Straßenkinder aber auch. Und die Zahl der zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich um sie kümmern“, sagt Jason Etole, der seit über 20 Jahren für die Undugu Society arbeitet. Für die Ausbildung von Jugendlichen sollte eigentlich die Privatwirtschaft zuständig sein, aber die fühle sich nicht verantwortlich, sagt er.

Die Betriebe erkennen schnell den Vorteil einer Ausbildung

Debora Anyango in ihrem Friseursalon. (Quelle: Tillmann Elliesen)
Anyango hat eine Karriere vom Straßenkind zur Geschäftsfrau gemacht.

„Das wollen wir mit unserem Projekt ändern“, so Etole. „Denn ohne die Zusammenarbeit mit den Betrieben lässt sich das Problem der Jugendarbeitslosigkeit nicht lösen, und das nicht nur in Kenia.“ Die Undugu Society vermittelt jungen Leuten, die auf der Straße leben oder keinen Schulabschluss haben, Ausbildungsplätze. Die Ausbildungen, etwa zum Automechaniker, Schreiner oder zur Friseurin, dauern mindestens drei Monate, manchmal aber auch länger als ein Jahr, je nachdem wie anspruchsvoll der Job ist und wie geschickt der Lehrling sich anstellt. Die Ausbildungsbetriebe sind in der Regel kleine Einmannbetriebe. Die Ausbilder erhalten etwas Geld von der Undugu Society als Anreiz, Lehrlinge aufzunehmen, und um Kosten auszugleichen.

„Sobald die Betriebe sich erst mal darauf eingelassen haben, Jugendliche auszubilden, erkennen sie schnell, dass sie damit nicht nur durch unsere Finanzierung Gewinn erzielen“, betont Etole. Wenn die Lehrlinge sich die ersten Grundlagen erarbeitet haben, können sie bereits kleine Arbeiten übernehmen, und am Ende haben die Ausbilder die Möglichkeit, eine zuverlässige Person einzustellen. „Deshalb bilden viele Betriebe auch weiter aus, wenn sie von uns keine Unterstützung mehr bekommen“, so Etole. Und ein weiterer Effekt: Diejenigen, die ausgebildet wurden und es schaffen, selbstständig zu werden, bilden in der Regel auch wieder selbst aus.

So wie Debora Anyango. Die zierliche Frau hat es nicht nur in wenigen Jahren von einem mittellosen Straßenmädchen zur erfolgreichen Kleinunternehmerin gebracht, sie bildet nun auch selbst Nachwuchs aus – und sie träumt sogar davon, irgendwann eine Schule für Friseurinnen aufzumachen.

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