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Syrische Flüchtlingskinder in einem Rohbau im Libanon. (Quelle: Jakob Studnar)

„Die Zukunft einer ganzen Generation wird gefährdet“

Am 15. März jährt sich der Beginn des Syrien-Konflikts zum siebten Mal. Sieben Jahre, die das Schicksal von Millionen Frauen, Männern – und vor allem Kindern – für immer prägen werden. In einem Interview beschreibt Jörg Denker, Head of Asia & Eastern Europe Department  bei der Kindernothilfe, die momentane Situation der syrischen Kinder vor Ort und wie sich die Kindernothilfe für geflüchtete Kinder und Jugendliche im Libanon einsetzt.

Sieben Jahre Krieg in Syrien und die Welt schaut nur zu. Kann man das so sagen?

Ja, aus syrischer Sicht sieht das definitiv so aus. Dieser Krieg ist bekannt dafür, dass er in seiner Schwere alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Bemühungen auf politischer Ebene haben nicht zu einem gewünschten Frieden geführt. Als Zivilgesellschaft müssten wir den Druck noch mehr verstärken und vor allem dafür sorgen, dass das, was dort passiert, nicht in Vergessenheit gerät.

Wie sehen denn die aktuellen Entwicklungen in Syrien aus?

Gerade fokussieren sich die Kampfhandlungen auf Ost-Ghouta, das zu den letzten belagerten Gebieten gehört. Diese Entwicklung hat sich abgezeichnet, Ähnliches ist bereits in Aleppo und anderen Regionen passiert. Die Zivilbevölkerung hat sehr unter den Kampfhandlungen zu leiden, viele kommen zu Tode. Wie die Situation nach den Kämpfen aussehen wird, ist ungewiss.

Zurzeit sitzen ca. 400.000 Menschen in Ost-Ghouta fest. Wie ist die Situation der Kinder vor Ort?

Die Kinder sind immer die schwächsten Leidtragenden solcher Konflikte. Es finden erhebliche Kindesrechtsverletzungen statt, und das ist für uns als Hilfsorganisation ausschlaggebend. Kinder und ihre Familien müssen leiden – das ist das schreckliche Resultat.

Wie steht es um die Kinder?

Da die Kinder in einem Gebiet leben, wo Krieg herrscht, bleibt ihnen das elementarste Recht auf ein Leben in Sicherheit und Schutz verwehrt. Die Belagerung in Ost-Ghouta besteht schon seit einigen Jahren. Das heißt, wir haben hier zudem einen großen Mangel an allem: medizinische Versorgung, Nahrungsmittel – ganz zu schweigen von Dingen wie Bildungsmöglichkeiten. Wir haben hier also eine Bevölkerung, die nicht weiß, wie sie die nächsten Tage überleben soll.

Welche langfristigen Folgen hat es für die Kinder, inmitten von solchen Umständen aufzuwachsen?

Es gibt bereits viele Berichte, die zeigen, dass Kinder nachhaltig traumatisiert werden. Durch die immensen Versorgungslücken, was Sicherheit, Bildung und Schutz angeht, wird die Zukunft einer ganzen Generation syrischer Kinder gefährdet. Je nachdem, wie sich die Zukunft des Landes entwickelt, sprechen wir hier vielleicht auch von zwei oder drei Generationen.  

Wie setzt sich die Kindernothilfe für diese Kinder ein?

Als Teil der deutschen Zivilgesellschaft ist es uns wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass hier ein Konflikt herrscht, in dem massive Kindesrechtsverletzungen stattfinden, und dass wir davor nicht die Augen verschließen dürfen. Das fordern wir durch Advocacy-Arbeit und in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen auch von Regierungsvertretern, der Politik und anderen Akteuren ein. Im Libanon, der fast ein Viertel seiner Bevölkerung an syrischen Flüchtlingen aufgenommen hat, kümmern wir uns vornehmlich um die Bildung geflüchteter syrischer Kinder. Hier gibt es viele Herausforderungen, die der Libanon ohne Unterstützung nicht bewältigen kann. Die durch den Syrienkonflikt entstandenen Bildungslücken aufzufangen, gehört zu den drängendsten Problemen. Daher fördern wir vor allem Projekte von der frühkindlichen bis zur beruflichen Bildung.

Das Interview führte Alexandra Hekel, Kindernothilfe-Pressestelle

Hilfe für syrische Flüchtlingskinder

Hilfe für syrische Flüchtlingskinder

Im Libanon ermöglichen wir syrischen Flüchtlingskindern den Schulbesuch. Mädchen und Jungen, die keine Schule besuchen können, fangen wir in unserem Schutzzentrum auf.

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