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Ein neues Schulgebäude. (Quelle: AMURT)

Interview zum dritten Jahrestag nach dem Erdbeben in Nepal:

Humanitäre Hilfe wird zu langfristiger Unterstützung

Das Erdbeben vom 25. April 2015 war die größte Naturkatastrophe in Nepal seit vielen Jahrzehnten. Es erreichte eine Stärke von 7,8 auf der Richterskala, das Epizentrum lag ausgerechnet in der am dichtesten besiedelten Region Nepals. Fast 9.000 Menschen starben, mehr als 22.000 wurden verletzt und über vier Millionen Menschen verloren ihr Zuhause. Die Kindernothilfe konnte durch ihre Humanitären Hilfsmaßnahmen mehr als 12.000 Mädchen und Jungen und ihre Familien erreichen und hat sich mit rund 1,7 Millionen Euro engagiert.
Zum dritten Jahrestag des verheerenden Bebens erläutert die für Nepal zuständige Referentin der Kindernothilfe, Stefanie Geich-Gimbel, was dank der Unterstützung auch aus Deutschland nach der Katastrophe in Nepal alles erreicht wurde – und was noch zu tun ist.

Nach dem Erdbeben musste zunächst schnellstmöglich für das Nötigste gesorgt werden: Medizinische Versorgung, Nahrungsmittelverteilung und der Bau von Notunterkünften. Was passierte in den Monaten danach?

Stefanie Geich-Gimbel: Die Menschen lebten auch nach den Humanitären Maßnahmen in einer fragilen Situation: Die Lage gerade auf dem Land war ja schon vor dem Beben alles andere als einfach. Jetzt konnten die Familien das, was sie durch die Naturkatastrophe verloren hatten, meist nicht mehr ersetzen. Daher wollten wir dort längerfristig arbeiten.  

AMURT Nepal: Projektaktivitäten: Gemüsegarten
Durch ihre Gemüsegärten hat sich die Ernährung der Familien verbessert.

Wie genau kann man sich das vorstellen?

Unsere Partnerorganisation AMURT hat mit vielen kleinen Trainings und Kursen vor allem die Mütter geschult. Unser Hauptziel bleibt ja, den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, indem wir vor allem ihre Mütter stärken. Denn viele Männer in Nepal wohnen zum Arbeiten in der Hauptstadt Katmandu oder sogar im Ausland. Besonders gut hat bei den Frauen das Gärtnern funktioniert: Die Familien legten sehr erfolgreich kleine Gärten und Gewächshäuser an und konnten dadurch nicht nur sich selbst ernähren, sondern auch noch für den lokalen Markt produzieren. Davon haben die Familien langfristig etwas.

Nun mussten die Kinder der Bergdörfer lange mit behelfsmäßigen Lernstätten aus Wellblech und Zeltplanen vorliebnehmen. Viele Schulgebäude waren zerstört und es war aufwendig, Baustoffe in die Berge zu bringen. Außerdem hatten viele Schüler Angst davor, wieder in die Schule zu gehen…

Unsere lokalen Partnerorganisationen sind sehr erfahren in der psychosozialen Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Sie haben vor Ort vor allem auf einheimische Spezialisten gesetzt, die mit Spielen, Theater, Malen und so weiter die Kinder dazu brachten, über das Erdbeben zu reden und dann auch die Angst wieder zu verlieren. Generell sind Kinder aber, so unsere Erfahrung, sehr widerstandsfähig, auch wenn sie natürlich bei einem Nachbeben Panik bekommen. Die Schule gibt da viel Sicherheit im Alltag, ermöglicht den Austausch mit Freunden – das war alles in allem sehr erfolgreich.

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Theaterkurse werden für die Aufklärungsarbeit eingesetzt.

Schon lange ein großes Problem in Nepal ist der Mädchen- und insgesamt der Menschenhandel. Nach dem Erdbeben stiegen die Zahlen offenbar noch einmal an. Wie wurde die Kindernothilfe dagegen aktiv?

Aus den Erfahrungen wissen wir: Wenn größere Katastrophen passieren, sind gerade die armen Familien plötzlich noch viel verletzlicher und anfälliger für falsche Versprechungen – wie beispielsweise auf ein besseres Leben in der Stadt –, als vorher. Die Gefahr für Menschenhandel wächst also. Dafür wurde unter anderem mit Straßentheater und Aufklärungsarbeit sensibilisiert. Aber weil wir das Problem grundlegend angehen und den Handel gerade mit Mädchen dauerhaft verhindern wollen, akquirieren wir gerade gute lokale Partnerorganisationen, die mit Gemeinwesenarbeit nachhaltig und langfristig dieser Kinderrechtsverletzung entgegentreten.

Nepal - Seti Devi Sharada classroom activity2.jpg
Mädchen und Jungen spielen in einem Kinderzentrum.

Nach jedem Einsatz zieht die Kindernothilfe ja auch Bilanz und gibt Rechenschaft über ihre Unterstützung. Was haben Sie aus der Humanitären Hilfe in Nepal gelernt?

Ich glaube, die Kindernothilfe tut gut daran, gerade die sogenannten Childfriendly Spaces, oder Kinderschutzzentren, auszubauen – also in einem Bereich tätig zu werden, den andere große Hilfsorganisationen oft nicht abdecken. Hier werden Räume geschaffen, in denen die Kinder zur Ruhe kommen und spielen können, Freunde treffen und auch psychologisch betreut zu werden. Das ist für uns ein gutes Betätigungsfeld. Und anschließend ist es dann optimal, auch nach einer Katastrophe über einen Zeitraum von mindestens fünf bis zehn Jahren mit den Zielgruppen zu arbeiten, um ihre Situation dauerhaft zu verbessern. Und das machen wir jetzt.

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