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Ein Junge spielt mit einem selbstgebauten Drachen aus Plastik (Quelle: Fabian Strauch).

Die größte Gefahr droht daheim

San Andres. Die WAZ-Weihnachtsaktion soll Kindern zugute kommen, die unter Gewalt leiden. Einen Bauplatz der Hoffnung gibt es dafür schon.

Text: Hubert Wolf, Fotos: Fabian Strauch, erschienen in der Westdeutschen Allgemeinen am 28. Dezember 2018

In Guatemala ist es für Kinder oft in den Familien am gefährlichsten. Wir wollen mit Ihrer Hilfe dazu beitragen, dass sie besser geschützt werden.

Von Jorge wird es hier kein Bild geben. Vermutlich heißt das Kind auch gar nicht Jorge, das wissen wir selbst nicht; aber wenn ein Bericht in Deutschland sofort oder irgendwann auch in Guatemala gelesen werden kann, dann sind gequälte Kinder unbedingt zu verfremden und zu beschützen. Das sagen Hilfsorganisationen, das sagen wir.

Der zehnjährige Jorge, ältestes von drei Geschwistern, sei ein „sehr einsames, ängstliches, in sich gekehrtes Kind, das Schwierigkeiten hat, Beziehungen aufzubauen“. Ein Opfer, die Mitschüler schikanieren es und der Vater haut drauf. „Sein Vater ist gewalttätig . . . Er kommt nach der Arbeit müde und frustriert nach Hause und lässt das an den Kindern aus . . . Zuhause haben alle Angst vor dem Vater.“

Risikofaktor Familie

Das erzählt uns Saul Interiano, der Chef der Hilfsorganisation „Coincidir“ („Zusammenwirken“) in der Stadt San Andres in Guatemala. Jorge ist ein typischer Fall, das steht leider fest, darum hat Interiano ihn ausgesucht: In zu vielen Familien hier im Land lauert die Gewalt den Kindern nicht auf der Straße auf, nicht in dunklen Ecken, nicht in Bandenvierteln. Sondern zuhause. Von den Eltern her. Aus Frust, im Suff. Zur Erziehung der Kinder – natürlich nur zu ihrem Besten.

„Traditionelle, auf Gewalt beruhende Erziehungspraktiken werden von Generation zu Generation weitergegeben. Eltern . . . unterschätzen deren Folgen wie Lernschwierigkeiten oder Traumatisierungen“, heißt es bei der Kindernothilfe, die mit „Coincidir“ zusammenwirkt. Jorge kommt schon länger in deren Zentrum. Er singt hier, er bekommt psychologische und schulische Hilfe. Es gehe ihm besser, schreiben die Helfer. Sie schreiben aber auch dies: „Jeden Tag ist er der erste im Zentrum und der letzte, der es verlässt.“

Mayerle in den Räumen von COINCIDIR in San Andres Itzapa.
Mayerle in den Räumen von Coincidir in San Andres Itzapa.

Lernen und lesen,singen und spielen

Voll, laut und eng ist es, ein Provisorium; „Coincidir“ kann manche seiner selbst gewählten Aufgaben hier nicht erfüllen. Ganz vorn: der Schutz von Kindern, die Gewalt ausgesetzt sind. Und zwar ein Schutz, der nicht endet, wenn das Haus schließt. Daher wollen wir in der WAZ-Weihnachtsaktion diesmal ein Schutzhaus bauen für Mädchen und Jungen, die – vielleicht ja nur vorübergehend – zuhause nicht bleiben können. Und für andere, die dort lernen oder lesen könnten, singen oder spielen oder tanzen oder malen. Dafür bitten wir Sie, liebe Leser, um Ihre Spenden. Für einen „Raum, wo Kinder Frieden finden“, sagt Interiano.

Wo sie auch Hilfe bekommen, zurückzufinden, denn „Coincidir“ hilft ja nicht nur Engeln mit Pausbäckchen. Sondern auch Mädchen und Jungen am Rande von Kriminalität oder Drogensucht. „Viele finden solche Kinder verzichtbar, sie fallen schnell aus allem heraus, etwa aus der Schule“, sagt Interiano: „Wir versuchen sie zurückzuholen.“ Darum geht es, liebe Leser, auch.

Das Ziel des Kindernothilfe-Partners Coincidir ist Gewaltprävention. Kinder sollen nun ein Haus bekommen, in dem sie geschützt sind.
Das Ziel des Kindernothilfe-Partners Coincidir ist Gewaltprävention. Kinder sollen nun ein Haus bekommen, in dem sie geschützt sind. 

Was die Psychologin zu hören bekommt

Da das Schutzhaus noch nicht steht, zunächst zurück ins Provisorium. In einen großen Raum, der dennoch viel zu voll ist, 39 Frauen sitzen im Stuhlkreis und ein Mann. Sie sind aus der ganzen Umgebung gekommen, aus San Andres, aus El Tejar, aus Parramos und Santo Domingo zu einer Art Fortbildung in gewaltfreier Erziehung. Da hat Sonia gut zu tun, die Psychologin vorne. Schön, dass eine Diana sagt: „Ich habe meine Jungen geschlagen, das war mein größter Fehler.“ Weniger schön, dass eine Carmen sagt, die Bibel rechtfertige Schläge. Ihre eigene Erfahrung bestätige das: „Wenn ich meinem Kind auf die Hand haue, lernt es schneller, als wenn ich etwas nur sage.“ Es ist noch ein weiter Weg bis zum Ziel, Sonia, oder? Dem Ziel, dass sie als „Botschafterinnen der Friedfertigkeit“ in ihre Familien zurückkehren mögen. 39 Frauen und der eine Mann.

Dass es geht, beweist der Vater von Rosa. „Er reagierte positiv auf die Beratung, hat gelernt, seinen Ärger zu beherrschen, und zeigt kein gewalttätiges Benehmen mehr“, heißt es in einem der Berichte. Zuvor hatte man Rosa angesehen, dass sie oft geschlagen wurde.

Keine Bilder von Rosa.

Das Spendenkonto

Empfänger Kindernothilfe IBAN: DE4335 0601 9000 0031 0310
BIC: GENODED1DKD (Bank für Kirche und Diakonie).
Stichwort: Schutzhaus Guatemala

 

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