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Haiti

In Haiti sind wir seit 1973 Jahren vertreten, seit 2008 gibt es dort ein eigenes Länderbüro. Insgesamt rund 16.300 Kinder werden in 14 verschiedenen Projekten betreut.

Haiti

Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre

Haiti ist geprägt von einer starken sozialen Ungleichheit: Rund 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Vor allem die Landbevölkerung ist davon betroffen. In vielen abgelegenen Regionen gibt es weder Straßen noch Schulen oder Krankenhäuser. Hinzu kommen, unter anderem aufgrund von immer wieder kehrenden Naturkatastrophen, kleiner werdende Anbauflächen und Ernteausfälle. Auf der Suche nach einem besseren Leben zieht es viele Menschen in die Städte, wo sie jedoch meist keine Arbeit finden und in einen Kreislauf der Armut geraten. Besonders Kinder leiden darunter. Sie sind oft unterernährt und um zu überleben, müssen sie arbeiten anstatt zur Schule gehen zu können.

Im Januar 2010 erschütterte ein schweres Erdbeben Haiti, das rund 200.000 Menschen das Leben kostete. Die Folgen des Erdbebens waren verheerend: Allein in der Hauptstadt Port-au-Prince wurden 80 Prozent der Gebäude zerstört, 1,5 Millionen Haitianer wurden obdachlos. Die Jahre nach dem Erdbeben waren geprägt vom Wiederaufbau. Auch die Kindernothilfe hat sich neben der Förderung zahlreicher Bildungsprogramme am Wiederaufbau beteiligt. Dabei standen die Wiedererrichtung von Schulgebäuden und der Bau von Kinderschutzzentren im Mittelpunkt unserer Arbeit, um Jungen und Mädchen eine Anlaufstelle und einen Schutzort zu geben.

Die Herausforderungen

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Die Insel, die sich 1804 als erste aus der Sklaverei befreite, kämpft seitdem mit instabilen Regierungen, einer schlechten Infrastruktur und immer wiederkehrenden Unruhen. Die hohe Arbeitslosigkeit und die zugleich steigenden Lebensmittelpreise führen zunehmend zur völligen Verarmung der Bevölkerung, was sich besonders auf die Kinder und Jugendlichen auswirkt. Auch die Gesundheitsversorgung ist prekär: Mangelnde Trinkwasserversorgung, fehlende sanitäre Anlagen und verschmutzte Kanäle führen immer wieder zu vermeidbaren Erkrankungen wie Durchfall und Typhus.

Zwei Mädchen, eines von ihnen hält strahlend ein Heft hoch. (Quelle: Jürgen Schübelin)
Jedes vierte Kind in Haiti kann nicht lesen und schreiben.

Die Folgen der dramatischen Lebensbedingungen auf dem Land sind verheerend: Familien schicken ihre Kinder zu Bekannten oder Fremden in die Städte, in der Hoffnung, dass sie dort eine Chance auf ein besseres Leben haben. Meistens enden die Kinder jedoch als sogenannte „Restavèk“ (franz. rester avec – bei jemandem bleiben) in „Gastfamilien“, wo sie den ganzen Tag als unbezahlte Hausangestellte schuften müssen. Die Kinderrechte auf Bildung, Freizeit und Spielen werden so massiv verletzt. Zudem werden die Restavèks in den Gastfamilien und der Nachbarschaft oft Opfer von Gewalt und Diskriminierung.

Das Recht auf Bildung ist das Kinderrecht, das in Haiti am meisten vernachlässigt wird. Jedes vierte Kind kann nicht lesen und schreiben. Die wenigen staatliche Schulen sind meist schlecht ausgestattet und das Lehrpersonal ungenügend ausgebildet. Private Schulen hingegen können sich nur wenige leisten.

  • Unser Einsatz im Land

    Die Schwerpunkte unserer Arbeit in Haiti sind die formelle und informelle Bildung sowie Lehrerfortbildungen und die Schulung der ländlichen Bevölkerung in nachhaltigen Anbaumethoden. Für Restavèks gibt es spezielle Angebote: In Förderklassen können sie ihre Defizite aufholen und erhalten eine weiterführende Berufsbildung, damit sie eine Zukunftsperspektive bekommen.

    Ein besonderes Augenmerk liegt außerdem auf der Arbeit mit Selbsthilfegruppen. In ihnen reflektieren Frauen aus besonders armen Bevölkerungsschichten ihre Lebenssituation und die Rolle als Frau in der Gesellschaft. Außerdem entwickeln sie aus eigener Kraft Geschäftsideen, die sie mit Unterstützung der Gruppe umsetzen. So werden die Frauen wirtschaftlich, politisch und sozial gestärkt und schaffen es, sich und ihre Familien besser zu versorgen.

    Zahlen zu Haiti

    • 10 Mio. Menschen leben in Haiti
    • 43% aller Haitianer sind jünger als 18 Jahre
    • 77% der Bevölkerung lebt von weniger als 2 US-Dollar pro Tag
    • 12% der Unterfünfjährigen sind untergewichtig
    • 21 % der Kinder zwischen fünf und 14 Jahren müssen arbeiten
  • Unsere Partner in Haiti

    • Action des Citoyens pour la Restauration et le Développement de la Région de Palmes (AGREDERP)
    • Amanda Marga Universal Relief Team (AMURT)
    • Association des Femmes Actives de Bon Repo (ASFABRE)
    • Centre de Formation et de Développement Communautaire (CEFODEC)
    • Coopération pour le Renforcement des Femmes Bese Leve de Verrettes (COREFEB-V)
    • Groupe d'appui au dévelopment rural (GADRU)
    • Heilsarmee
    • Les Petites Sœurs de Sainte Thérèse de l'Enfant Jésus (PSST)
    • Mouvement des Femmes pour l’Avancement et le Progrès du Nord-Ouest (MOFAPNO)
    • Mouveman Plin Vis Moun (MVM)
    • Organisation des Femmes Progressistes pour le Développement de la Bande du Nord (OFEPDE-BAN)
    • Organisation National pour l’Encadrement des Enfants (ONENF)
    • Réseau des Écoles Communautaire des Mornes de Carrefour
    • Solidarité des Femmes de Savanne Longue (SOFASL)
Haiti: Schule und Ausbildung

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Restavèk werden Kinder genannt, die in anderen Familien unter ausbeuterischen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Unser Projekt bietet den Kindern einen Ausweg aus der Armut.

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Haiti nach Hurrikan "Matthew"

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Jürgen Schübelin, Kindernothilfe-Referatsleiter für Lateinamerika und die Karibik, reiste kurz nach dem Wirbelsturm nach Haiti und unterstützte unsere Partner bei den Soforthilfemaßnahmen. Seine Erlebnisse finden Sie im Kindernothilfe-Blog.

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