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Peter Laux an seinem Schreibtisch. (Quelle: Ralf Krämer)

Gestatten: Robinsons Vater

Mit einer Maus fing alles an, und irgendwie hat ihn dieses kleine Nagetier bis heute begleitet. Peter Laux, 66 Jahre alt, Diplom-Grafiker, Illustrator, Bildhauer, Lehrer – und für die Kindernothilfe am allerwichtigsten: Schöpfer der Robinson-Figur. Gunhild Aiyub, die Autorin der Robinson-Abenteuer, besuchte ihn zu Hause in Remscheid.

Gunhild Aiyub, Kindernothilfe-Redakteurin

Schon als Kind hat Peter Laux ständig gezeichnet, am liebsten Micky Maus und seine Freunde. Nicht nur aus reiner Lust am Zeichnen, sondern auch aus Notwehr: „um mich dem Familienchaos zu entziehen“, wie er mir bei unserem Treffen sagt. Wenn sich der kleine Peter mitten im Trubel von Eltern und drei Geschwistern mit seinem Block in eine Ecke setzte, hatte er seine Ruhe. Wobei das Zeichnen auch noch positive Nebeneffekte hatte: „Es fördert die Fantasie, die motorischen und handwerklichen Fähigkeiten.“ Bei Computer und Handy ist sich Peter Laux, der aus Überzeugung weder das eine noch das andere besitzt, nicht so sicher …

Auch bei seinem für ihn bisher interessantesten Auftrag ging es um eine Maus: Für einen Animationsfilm der „Sendung mit der Maus“ fertigte er Zeichnungen an, ein Job, der ihn noch heute zum Schwärmen bringt. Eine Maus thront auch auf seinem Schreibtisch – ein rotes Telefon mit einer großen Micky Maus Figur oben drauf, die einen quietschgelben Hörer hält.

Eine geheimnisvolle Maus

Robinson fällt, in eine Drachenschnur gewickelt, vom Himmel. (Quelle: Peter Laux)

Ja, und dann erscheint das Nagetier nicht zuletzt in den Robinson-Abenteuern der „Kinder, Kinder“-Hefte. Der fiktive Junge mit dem Spitznamen Robinson hat auf dem Dachboden seines Elternhauses ein geheimnisvolles Bilderbuch gefunden. Wenn er sich in ein Foto vertieft, zaubert ihn das Buch in die Szene hinein. In jeder Illustration versteckt Illustrator Peter Laux eine kleine Maus, die überhaupt nicht im Text vorkommt, die aber zu Robinson gehört wie seine roten Haare. Vielleicht wird sie ja irgendwann einmal eine Rolle in einer Geschichte spielen. Wer weiß …

Als ich mir die Figur des Robinson ausdachte, hatte ich ein bestimmtes Bild vor Augen. Peter Laux erweckte die Figur zum Leben, er gab ihr ein Gesicht. Und was für eins! Frech, mit strubbeligen, roten Haaren, spitzer Nase, viel zu großer Brille. Wahrlich kein hübscher Junge, aber pfiffig und peppig, und Generationen von Kindern lieben ihn bis heute.

Dabei sah der erste Robinson, gezeichnet von einem anderen Illustrator, noch völlig anders aus: Ein ernster Junge, brav, langweilig, mit adrettem Haarschnitt und dem Gesicht eines Erwachsenen, so ging die erste Robinsongeschichte Anfang der Neunzigerjahre in Druck. Dann entdeckte ich im Büro eines Kollegen ein Plakat mit einem Dinosaurier, knallbunt, witzig, das auf eine Veranstaltung in Remscheid hinwies. „Wer hat das gemalt?“, bestürmte ich damals den Kollegen.

Nach 20 Jahren musste Robinson zur Stilberatung

Robinson lädt sich einen Wasserkrug auf den Rücken und verschüttet dabei das Wasser. (Quelle: Laux, Peter)
Robinson vor der Stilberatung ...
Robinson versucht einen Wasserkanister auf dem Kopf zu tragen. (Quelle: Peter Laux)
... und danach.

Auch ohne Internet machte ich den Künstler ausfindig: Peter Laux. 1993 kreierte er seine Version von Robinson, die sich bis heute kaum geändert hat. Nur einmal, nach 20 Jahren, wurde Robinson zur Stilberatung geschickt, legte Latzhose und klobige Turnschuhe ab und passte sich besser in die heutige Modewelt ein. Peter Laux hatte so seine Bedenken, ein Markenzeichen zu verändern, aber die Kinder verehrten den rothaarigen Bengel weiterhin. An den Robinson-Abenteuern, die in vielen Teilen der Welt spielen, reizt den 66-Jährigen besonders „die Herausforderung, landestypische Gegebenheiten zu zeichnen und Menschen, die als Einheimische zu erkennen sind, obwohl die Figuren auf das Wesentliche reduziert sind. Außerdem ist es immer schön“, so Laux, „eine ganze Geschichte zu gestalten, beim Lesen entsteht ein Film im Kopf, und diesen Film muss ich in Bilder umsetzen.“

Schon in der Schule wurde das Talent des Remscheider Jungen erkannt. Sollten schwierige Sachverhalte, Landschaften oder Persönlichkeiten bildlich dargestellt werden, hieß es stets: „Peter, an die Tafel!“ Und da er das einzige künstlerische Genie an seiner Schule war, wurde er auch an andere Klassen ausgeliehen, um Tafeln zu bemalen. „Dass ich mal Illustrator werden würde, war immer schon klar“, erklärt mir Peter Laux, „etwas anderes stand überhaupt nicht zur Debatte.“

Ein privater Märchenwald hinter dem Haus

Peter Laux neben einer selbstgebastelten Figur aus Ästen. (Quelle: Ralf Krämer)
Peter Laux neben einer seiner Figuren.
Haus von Peter Laux. (Quelle: Ralf Krämer)
Hier entstehen die Robinson-Geschichten.

Peter Laux ist ein Original, unkonventionell, mit einer guten Prise Humor und großer Bescheidenheit ausgestattet; wann immer sein Werk gelobt wird, möchte er am liebsten im Erdboden versinken. Jede seiner Illustrationen ist noch Handarbeit mit Bleistift und Filzstiften. Dazu passt auch die Umgebung, in der die Bilder entstehen: ein einstöckiges, unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkhäuschen wie bei Hänsel und Gretel, dunkle freigelegte Balken unter der Decke, eine alte Wanduhr, ein offener Kamin, Holzregale vollgestopft mit Büchern. Wenn Laux aus dem Fenster schaut, blickt er in seinen kleinen, privaten Märchenwald. Zwischen hohen Laubbäumen lugen knorrige, bizarre Gebilde, die er aus Ästen zusammengenagelt und -geschraubt hat, hervor.

"Es gibt nichts Schlimmeres als den Ruhestand!"

Dass er in der Agentur, in der er nach seinem Grafik-Design-Studium arbeitete, nicht glücklich wurde, verwundert nicht. „Ich musste unter anderem Werbung für Schweinerippchen, 1,80 Mark das Kilo, gestalten, das war nicht wirklich befriedigend“, meint Laux grinsend. Freiberufliches Arbeiten war eher sein Ding. Zu seinen Kunden gehörten u. a. das Grimme Institut, der Rowohlt Verlag, das Film Funk Fernseh Zentrum der Evangelischen Kirche in Düsseldorf, Veranstalter von Filmfestivals. Leser der Bergischen Morgenpost liebten seinen Comic „Max, der Bergische Löwe“, den er 17 Jahre lang gezeichnet hat. Zweimal nahm er am „Landesprojekt Kultur in Schulen“ teil, dort wurden Künstler in ganz NRW gebeten, mit Kindern zu arbeiten. Gemeinsam mit Mädchen und Jungen eines Remscheider Problemstadtteils erstellte er ein Bilderbuch und Figuren aus dem Buch als lebensgroße Skulpturen. „Ich hab‘ mich bemüht, nicht wie ein Lehrer zu wirken, und da haben auch Kids mitgemacht, die anfangs überhaupt keinen Bock hatten“, erinnert sich Laux, und das glaube ich ihm aufs Wort!

Zeichnung zu Kinder, Kinder 27: Pakistan. (Quelle: Ralf Krämer)
Zeichnung zu Kinder, Kinder 27: Robinson vor einer Kohlemine in Pakistan.

Dass er den Robinson-Geschichten noch lange seinen Stempel aufdrücken wird, scheint gesichert, vorausgesetzt, er bleibt gesund. Auf die Frage: „Werden Sie jemals in Rente gehen“, antwortet er vehement wie aus der Pistole geschossen: „Nee, warum sollte ich? Es gibt nichts Schlimmeres als den Ruhestand!“