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Die Reisegruppe mit südafrikanischen Mitarbeitern. (Quelle: privat)

Erleben, wie die Arbeit wirkt

Text: Niklas Alof   Fotos: Niklas Alof, Ludwig Grunewald, Afra Holstiege

Am 9. Oktober 2016 ist es endlich soweit: Am Frankfurter Flughafen trifft sich eine Gruppe von zehn Ehrenamtlichen aus allen Teilen Deutschlands, um nach Südafrika aufzubrechen und die Kindernothilfe-Projektarbeit vor Ort kennenzulernen, begleitet von zwei Kindernothilfe-Mitarbeitenden: der Afrika-Spezialistin Wiebke Weinandt und mir, Niklas Alof, Referent für Öffentlichkeitsarbeit.

Wir machen uns startklar für eine zweiwöchige Projektreise, die uns alle sehr prägen wird. Anspannung und Vorfreude sind zu spüren, gute Stimmung macht sich breit. Für viele ist es die erste Reise nach Afrika. Die Ehrenamtlichen sind voller positiver Erwartungen, sprechen aber auch über ihre Bedenken: Lohnt es sich tatsächlich, den eigenen Urlaub und das eigene Geld in die Hand zu nehmen, um zwei Wochen mit der Kindernothilfe durch KwaZulu-Natal zu reisen? Wie wird die Gruppe miteinander klarkommen? Wie wird die Arbeit der lokalen Partner eigentlich wirklich aussehen? Wie erleben wir die Kinder und ihre Familien?

Die große Ungleichheit geht der ganzen Reisegruppe nahe

Mehr als ein Jahr lang hat sich die Gruppe intensiv vorbereitet und sich auch noch einmal in Frankfurt persönlich getroffen, um inhaltliche, interkulturelle und sicherheitsrelevante Themen zu besprechen. Angekommen in Durban empfängt uns Phil Donnell, Kindernothilfe-Landeskoordinator in Südafrika, der gemeinsam mit den Partnern und uns die Reise vorbereitet hat.  Er wird uns über die gesamten zwei Wochen immer wieder zur Seite stehen und uns mit seinem Wissen über die Partner, die Strukturen und die Politik Südafrikas sehr beeindrucken und die Reise in einen spannenden Gesamtkontext betten.

Schon auf dem Weg zum Büro des ersten Partners wird uns sehr deutlich vor Augen geführt, woran Südafrika besonders leidet: Die große Ungleichheit, der wir begegnen, geht vielen von uns wirklich nahe. Einerseits sieht man prachtvolle Straßenzüge und Villen, profitiert von einer sehr gut ausgebauten Infrastruktur und bestaunt tolle Landschaften. Andererseits kommt man innerhalb weniger Minuten, weniger Kilometer in Gebiete, die man zwar aus Berichten und Bildern kennt, deren reale Existenz aber überwältigend ist. Die Armut und Ausgrenzung, die die Menschen in den Townships und Teilen der ländlichen Regionen erfahren, ist krass. Manche leben in kleinen staatlich finanzierten Steinhäusern, andere bauen sich aus Wellblech und anderen Behelfsmitteln und Abfall kleine Hütten. Es gibt manchmal Strom über Solaranlagen, Toiletten sind teilweise auch zu erkennen. Es sind Toiletten-Häuschen oder selbstgebaute Hütten.

Diese sichtbare Armut lässt sich auch durch Zahlen verifizieren: 31 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als zwei Dollar pro Tag, ein Fünftel der Menschen ist HIV positiv, knapp 2,5 Millionen Kinder sind Aidswaisen. Die Arbeit der Kindernothilfe in Südafrika ist eng mit der so offensichtlichen Armut und der nach wie vor sehr starken Trennung von schwarzer und weißer Bevölkerung im Alltagsleben verknüpft: Es geht um die Stärkung des Gemeinwesens, zum Beispiel um die Abmilderung der negativen Folgen von HIV und Aids für die Kinder und Jugendlichen. Es geht um Bildung für besonders gefährdete Kinder. Es geht darum, Mädchen und Jungen mit Behinderung zu fördern, Straßenkindern Schutz zu geben und ihre Rechte zu stärken.

Die Leidenschaft, sich für Kinder einzusetzen, verbindet deutsche und südafrikanische Ehrenamtliche

Es sind viele Themen, die uns auf der Reise begegnen, die uns nachdenklich stimmen, die uns fordern und uns teils sehr berühren. Gleichzeitig erleben wir aber auch Hoffnungsvolles, etwa wie überzeugend die Arbeit der Partner vor Ort ist: Die Besuche sind alle perfekt organisiert, geben uns gleichzeitig einen sehr ehrlichen Einblick in den Alltag: „Vor der Reise hatte ich ein wenig die Befürchtung, dass uns nur ein auf Hochglanz polierter Ausschnitt der Arbeit präsentiert wird; doch was wir gesehen haben, war viel mehr. Es war ehrlich, es war authentisch“, so ein Reiseteilnehmer. Besonders beeindruckt sind wir von dem immensen Beitrag, den Freiwillige und Ehrenamtliche in den Projekten leisten. Sie machen Trauerarbeit, unterstützen die Familien an allen Ecken und Enden, sie fühlen sich verantwortlich und machen Nachmittagsunterricht in Schulen.

Gerade bei diesen Begegnungen von Ehrenamtlichen untereinander wird immer wieder klar, was uns über viele Tausend Kilometer hinweg verbindet: Es ist die Leidenschaft, sich für Kinder und ihre Rechte einzusetzen. Daran können auch Sprachbarrieren zwischen isiZulu, Englisch und Deutsch nichts ändern. „Diese zwei Wochen werden mein Leben nachhaltig bereichern und verändern“, sagt eine Teilnehmerin am Ende. Dieses Wissen, diese Begeisterung und dieses Vertrauen in die Kindernothilfe und ihre Partner werden nun von den ehrenamtlichen Mitarbeitern in die verschiedenen Regionen Deutschlands getragen. Lange werden sie noch auf die tolle Zeit in Südafrika zurückblicken.

 

Niklas Alof

32, ist seit drei Jahren Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Kindernothilfe, unter anderem zuständig für die Förderung des ehrenamtlichen Engagements in Deutschland

 

Was hat Sie an der Gruppenreise besonders beeindruckt?

Allen voran, mit wie viel Engagement und Neugier unsere Ehrenamtlichen an die Reise herangegangen sind, sowohl im Vorfeld als auch in Südafrika selbst. Trotz der langen Tage und der Reisestrapazen waren sie im wahrsten Sinne des Wortes unermüdlich. Zudem haben sie die Reise auch selbst bezahlt und ihren Jahresurlaub dafür genutzt – ich kenne manch anderen, der in seinem Urlaub lieber am Strand liegt.

 

Was war Ihr persönliches Highlight der Reise?

Mich hat persönlich die Kreativität der Kinder in den Projekten besonders beeindruckt. Es war erstaunlich, mit wie viel Selbstbewusstsein sie zum Beispiel Gedichte vorgetragen oder vor all den fremden Leuten über ihre Lebensgeschichten gesprochen haben. Es war deutlich zu spüren, wie positiv sich die Kinder und Jugendlichen in den Projekten entwickeln und entfalten können.