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Ein Weg aus dem Teufelskreis für Akkila

Statt in ihrem Lieblingsfach weiter zu lernen, das war Englisch, braucht Akkila* jetzt ihre ganze Kraft für ihren zehn Monate alten Sohn. Und ihr liebstes Spiel aus Kindertagen, Seilchen Springen, hat die 16-Jährige nun auch verlernt: mit der zweiten Schwangerschaft.

Akkila war eigentlich dabei, über die Vorschule und die Schule hinauszuwachsen: hinaus aus dem Slum, hinaus aus dem Milieu, in dem ihre Mutter anschaffte. Acht Jahre war sie auf diesem guten Weg. Dann, die Mutter war arbeiten, Akkila im Slum allein zu Haus, lernte sie einen jungen Mann kennen, einen Handwerker.

Der Überflug ist abgesagt, der Teufelskreis betreten

Irgendwann war sie schwanger. Mit 14. Nun ist sie auf illegale Weise verheiratet, und die Aussichten sind schlecht. „Es war falsch“, sagt Akkila. Es war: Tempelhochzeit – von Staats wegen müssen Bräute auch in Indien 18 sein.

Nun ist Akkilas Kindheit zuende. Die Schulzeit ist wahrscheinlich zuende, der Überflug ist abgesagt, der Teufelskreis betreten. Wenn kein Wunder geschieht.

Immerhin haben die Eltern ihres, nun ja, Mannes sie akzeptiert. Aber nur, weil das Kind ein Sohn ist. Sexuelle Ausbeutung und Gewalt gegen Frauen werde in Indien gesellschaftlich „weitestgehend toleriert“, so die „Kindernothilfe (KNH)“.

Mitarbeiter besuchen das Mädchen regelmäßig

Indien WAZ Weihnachtsspendenaktion  (Quelle: Jakob Studnar)
Akkila spricht mit Renu Appachu, der Direktorin der Hilfsorganisation Jagruthi,, über ihr Leben als junge Mutter. 

Renu Appachu kann vieles bewegen, sehr vieles, aber Wunder überfordern selbst sie. Die Frau ist die Direktorin von „Jagruthi“, einer Hilfsorganisation in Bangalore im Süden Indiens, für die die WAZ und die Kindernothilfe Sie, liebe Leser, in dieser Adventszeit um Spenden bittet.

Appachu hat Akkila noch nicht aufgegeben, und sie sorgt weiter dafür, dass Mitarbeiter das Mädchen regelmäßig im Slum besuchen: „Sie soll eine Ausbildung bekommen.“ Man soll nie nie sagen.

Eine Schule, zwei Schutzhäuser und zwei Tagesstätten

Jagruthi kümmert sich um Kinder aus dem Sexmilieu und aus anderen schwierigen Verhältnissen, um missbrauchte und vergewaltigte Kinder, um HIV-infizierte Kinder, traurige, depressive, verzweifelte Kinder. Unter anderem hat Jagruthi ihnen eine Schule gebaut, zwei Tagesstätten und zwei Schutzhäuser und betreibt sie auch.

Erfolge gibt es viele, aber diese eine Bruchstelle tut sich regelmäßig auf: Das ist die weit verbreitete Frühverheiratung junger Mädchen. Jemand anderes als die Eltern ist dann dafür verantwortlich, das Mädchen zu ernähren.

Ein Mädchen mit Kind und ohne Mann wird verachtet

Oder es geht – wie hier im Süden – eher um den Ehrbegriff: Ein Mädchen mit Kind und ohne Mann wird verachtet, es hat wegen seiner sexuellen Erfahrung kaum eine Chance, einen anderen zu finden. Sie habe „Hunderte solcher Geschichten“ mitgekriegt oder gehört, sagt Renu Appachu und, etwas bitter: „Die Kinder werden nicht alle Arzt oder Lehrer.“

Doddigunta ist einer der großen Slums von Bangalore, 34 000 Menschen leben hier, Kinder über Kinder. Die vierstöckige Schule ragt heraus, die Jagruthi hier betreibt, die meisten ihrer 350 Schüler kommen aus diesem Umfeld; doch in den Einraumbleiben drumherum aus Wellblech, Steinen, Brettern, Spucke und geplatzten Träumen, dort sitzen bei ihren Müttern oder Großmüttern die verheirateten Mädchen.

Arzt oder Lehrer werden, Lehrer oder Arzt

Ihre Geschichten sind immer gleich: 14 Jahre alt sind sie oder 15, der eigene Vater ist verschwunden, die Mutter schlägt sich durch irgendwie, man möchte es nicht zu genau wissen, ein Kind ist unterwegs...

Aber danach wollen sie wieder lernen gehen. Bestimmt. Akkila, die bald mit 16 Jahren zwei Kinder haben wird, möchte gern in einem Schönheitssalon arbeiten. Andere? Arzt oder Lehrer werden, immer wieder diese beiden Wünsche, Lehrer oder Arzt. Slumkinderträume. Es ist zum Heulen. Tatsächlich kommen sie selten zurück zur Schule, wenn ein Kind da ist.

Sie wird Polizistin, damit Männer sich vor ihr fürchten

Indien WAZ Weihnachtsspendenaktion  (Quelle: Jakob Studnar)
Die 18-jährige Kutani will Polizistin werden.

Kutani* hatte Glück, auch sie stand knapp vor der Frühverheiratung. Kutani fand zu Jagruthi, als ihre Mutter fortgegangen war wegen eines anderen Mannes. Verwandte, bei denen sie unterkam, wollten eine Ehe für sie arrangieren, schließlich war sie da auch schon 16, aber Kutani ist . . . nun ja, sie hat einen starken eigenen Kopf.

Und „Jagruthi überzeugte meine Verwandten, das nicht zu tun“. Kutani ist offenherzig, sie lacht gern, ist beredt. Heute studiert die 18-Jährige, und es ist ihr Ziel, Polizeioffizier zu werden: „Damit Männer sich vor mir fürchten.“ Wenigstens lacht sie dabei.

So können Sie den Kindern in Bangalore helfen

Mit Ihrer Spende können Sie Kindern in Bangalore helfen, sich auf Dauer aus dem Umfeld von Missbrauch, Vergewaltigung und Prostitution zu befreien. Die Kontodaten sind: Kindernothilfe, BIC GENODED1DKD. Die Iban lautet: DE4335 0601 9000 0031 0310. Bank für Kirche und Diakonie. Stichwort: „Indien.“

Die Spenden helfen, dass die Arbeit ausgebaut werden kann. Die Kinder werden untersucht und behandelt, betreut und unterrichtet. Etliche wohnen dort.

Die Schule hilft ihnen, einen anderen Weg einzuschlagen. „Für einige Kinder ist es eine Überraschung, wenn sie hören, dass sie nicht tun müssen, was auf der Straße von ihnen verlangt wird“, so die Kindernothilfe.

 

 

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