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Eine Schule für die misshandelten Kinder von Bangalore

Missbraucht und vernachlässigt: Die Kinder von Bangalore finden Hilfe in einem besonderen Haus. Für sie sammeln WAZ und Kindernothilfe.

Text: Hubert Wolf (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), Fotos: Jakob Studnar

Alle Kinder rein! Schnell, schnell! Unter dem Vordach zum Schulhof haben sich Riesenhonigbienen gesammelt, ihr Nest misst über einen Meter, und wie Sturzkampfbomber kommen sie auf die Kinder nieder. Schnell! Ein Mädchen ist schon unter dem Auge gestochen worden, es steht da und weint. Die Kinder flitzen in die Räume, rennen Treppenhäuser hoch, Türen schlagen. Blöde Bienen! Zehn Minuten später ist im Auditorium alles vergessen: Die Jungs kicken wie immer; die Mädchen spielen so etwas wie die indische Version von „Himmel und Hölle“. Das ist ihr Leben.

Indien WAZ Weihnachtsspendenaktion  (Quelle: Jakob Studnar)
Der Slum Doddignuta. 

Nur 350 Kinder können die Schule besuchen

Dies ist die „M-E-G High School“ in Bangalore in Indien, ihr Gebäude überragt die Nachbarschaft, ein Leuchtturm in jeder Hinsicht, den die Hilfsorganisation „Jagruthi“ da betreibt. Man sieht herunter auf den Golfplatz der Armee, der geradezu britisch gepflegt ist; doch dann beginnt der Slum. Doddigunta: 34.000 Einwohner, Kinder über Kinder. 350 von ihnen sind die glücklichen, die diese Schule besuchen können, die eventuell im angeschlossenen Schutzhaus wohnen. Was sie vorher erlebt haben: Man möchte es kaum wissen.

Beena* war ein schwieriges Kind, selbst in Heimen fügte sie sich nicht. Als sie dann wieder bei ihrem Vater lebte, einem Trinker und Tagelöhner, wie sie erzählt, da war es der eigene Onkel, der sie vergewaltigte. Jahrelang. „Ich habe es meinem Vater erzählt, aber es interessierte ihn nicht“, sagt Beena. Bei einem Cousin hat sie gelebt. Bei den Großeltern. Doch erst, seit sie hier ist, fühlt sie sich sicher. Und will Englisch-Lehrerin werden. „I like her the most“, sagt Renu Appachu: „Ich mag sie besonders.“

 

Indien WAZ Weihnachtsspendenaktion  (Quelle: Jakob Studnar)

„Man kann sagen, dass eher die Kinder das Projekt finden“

Die Wahrheit ist: Sie mag jedes ihrer Kinder besonders. Appachu leitet Jagruthi, die Hilfsorganisation, die sich um die Kinder von ganz unten kümmert. Zerbrochene Familien, Prostitution, Alleinsein, Missbrauch, Vergewaltigung, Hunger.

Bei Jagruthi finden sie Tagesstätten, Schutzhäuser, die Schule, und wir wollen mit Ihren Spenden an die Kindernothilfe, liebe Leser, diese Hilfen ausbauen. „Man kann sagen, dass eher die Prostituierten oder die Kinder das Projekt finden als umgekehrt“, sagt Appachu. Und heute wird auch noch „Happy children’s day“ gefeiert, der „Tag der glücklichen Kinder“: Spiele, besonderes Essen, Wettkämpfe. Beena hüpft. Himmel und Hölle.

Shuba* (12) wurde von einem Fremden vergewaltigt, und als ihre Mutter mit ihr nach Bangalore zog, war nichts gewonnen: Dort vergewaltigte der Großvater sie. Die Mutter habe ihn fortgeschickt, erzählt Shuba, ein ruhiges Kind; aber sie wisse, er suche sie. Irgendwann brachte die Mutter Shuba ins Schutzhaus, aber jetzt will sie sie wieder heimholen. „Wir wirken auf die Mütter ein“, sagt Appachu: „Ihr Instinkt will die Kinder nach Hause holen, aber dann gehen die Mütter arbeiten und vergessen die Gefahr.“ Shuba nicht. Sie hat Angst.

Das ist ein Schmetterling, das ist eine Fliege

Im Schutzhaus kann ihr nichts passieren. 41 Kinder wohnen in diesem, 18 von ihnen sind HIV-infiziert. „Wir spielen, lernen und schlafen hier“, sagt Dhanalakshmi* (16). Von den älteren Kindern wird erwartet, dass sie den Erzieherinnen helfen, den Kleineren ein bisschen Englisch beibringen oder mit Bildern und Basteleien: Das ist ein Schmetterling. Das ist eine Fliege. Zuhause machte das niemand.

Zwei Schwestern leben hier, neun und zehn Jahre alt, sie sind so ein Fall von „eher finden die Prostituierten zu uns“. Ihre Mutter gab sie ab, sie hatte nichts mehr, nachdem ihr Mann sie sitzengelassen hatte, und was sie seitdem tut, das wollte sie nicht vor den Kindern tun. Die 26-Jährige kommt oft vorbei, aber eine Angst geht ihr nicht aus dem Kopf: „Dass meine Töchter später auch Sex-Arbeit machen.“ Himmel und Hölle.

So können Sie den Kindern von Bangalore helfen

Mit Ihrer Spende können Sie Kindern in Bangalore helfen, sich auf Dauer aus dem Umfeld von Missbrauch, Vergewaltigung und Prostitution zu befreien. Die Kontodaten sind: Kindernothilfe, BIC GENODED1DKD. Die Iban lautet DE4335 0601 9000 0031 0310. Bank für Kirche und Diakonie. Stichwort: „Indien“.

Die Spenden tragen dazu bei, dass die Arbeit ausgebaut werden kann. Die Kinder werden untersucht und behandelt, betreut und unterrichtet. Etliche wohnen dort.

Die Kindernothilfe hat jüngst im Ranking des Analyse-Hauses Phineo im Auftrag von „Spiegel Online“ den ersten Platz unter 50 Hilfsorganisationen belegt. Bewertet wurde die Transparenz.

 

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