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Zwei Kinder aus dem Projekt Jagruthi. (Quelle: Ralf Krämer)

In der Tagesstätte sind sie frei,
ein Kind zu sein

(Bangalore) Die Weihnachts-Spendenaktion von WAZ und Kindernothilfe dient Mädchen und Jungen in Bangalore. Sie sollen keine Slumkinder bleiben.

Auf dem Stundenplan steht „Activities“, und sie machen daraus: toben. Springen, hüpfen, rennen umher, sind laut, das muss jetzt einfach sein. Denn vier Stunden sind die 35 Kinder jetzt schon in diesen beiden Räumen, haben hier gebetet, gefrühstückt und zu Mittag gegessen, haben brav Früchte und Körperteile benannt, haben ein bisschen Englisch gelernt bei Divya, der Erzieherin, und etwas von der lokalen Sprache: Kannada heißt sie. „Svagata“ also, liebe Leser, willkommen!

Die Umgebung gilt als gefährlich

Nach draußen können die Mädchen und Jungen nicht, denn „Shivajinagar“, der Slum, der die Tagesstätte im Norden der indischen Millionenstadt Bangalore umgibt, gilt als gefährlich, als hochgradig kriminalisiert. Schlimm genug, dass sie darin wohnen, doch wenigstens tagsüber hält ein Vorhängeschloss die Tür nach draußen für die Kleinen fest zu. Freiheit ist der Zweck des Zwanges: die Freiheit, Kind sein zu dürfen.

Viele der Kinder wären sich selbst überlassen

Dies ist eine „Playschool“ der Hilfsorganisation Jagruthi („Erwachen“), eben eine Art Tagesstätte für drei- bis sechsjährige Kinder aus sehr schwierigen Verhältnissen. Manche Eltern sind alleinerziehend, manche süchtig, manche prostituieren sich, oder sie sind Tagelöhner. Jedenfalls sind sie tagsüber oft nicht da. Die Gefahr: Viele der Kinder wären im Slum allein und sich selbst überlassen und von sexuellem Missbrauch bedroht oder davon, mitzubekommen, wie die Mama Männer empfängt.

An den Level der Schule heranführen

Mit Zustimmung der Eltern können die Kinder stattdessen hierher kommen, kriegen Frühstück, was zu Hause nicht gewiss wäre, kriegen Vorschule und Zuwendung. An der Tafel steht das jedenfalls heute so: „No. of Boys 24.“ „No. of Girls 11.“ No. of total 35.“ Vernachlässigte Kinder armer Leute, sollen hier „an den Level des Übertritts zur Schule herangeführt werden“, sagt Noel Dawson (27), ein Mitarbeiter von Jagruthi.

„Sie brauchen Eltern, Familie, einen Ort“

Deshalb auch Kannada, die Sprache von Bangalore: Die meisten Eltern zogen mit großen Hoffnungen aus der Fremde in diese Stadt, die sich „das indische Silicon Valley“ nennen lässt – freilich mit der Betonung auf „indisch“. Nun aber sind sie im Slum gelandet, 1.500 Familien allein in Shivajinagar, 1.500 Einraumfamilien, wo jeder alles von jedem mitbekommt.

„Diese Kinder müssen wir schützen. Sie können nicht allein existieren. Sie brauchen Eltern, Familie, einen Ort“, sagt Renu Appachu, die Direktorin von Jagruthi. Die Organisation hilft missbrauchten und vergewaltigten oder davon bedrohten Kindern und HIV-infizierten Kindern, und sie kennt die Risiken der Straße genau: „Armut ist das größte Risiko, in die Prostitution zu geraten. Einfach der Hunger.“

Suthi schaffte den langen Weg

Eine Schule betreibt Jagruthi, zwei dieser Tagesstätten, zwei medizinische Stationen und zwei Schutzhäuser, Heime eigentlich. Damit erreicht sie 500 Kinder zugleich und Tausende über die Jahre. Diese Häuser stehen im Mittelpunkt der aktuellen Spendenaktion von WAZ und Kindernothilfe, bei der wir Sie, liebe Leser, um Hilfe bitten.

Suthi* etwa ist von einer solchen Tagesstätte aufgefangen worden, als sie ganz unten war; vielleicht war ihr Weg vom Waisenkind zur Wäscherei-Angestellten sogar weiter als der vom Tellerwäscher zum Millionär. Die junge Frau kam als Dreijährige zu Jagruthi: „Mein ganzes Leben fand dort statt.“

Suthi kehrt zum Helfen in die Tagesstätte zurück

Sozialarbeiter hatten das ausgesetzte Kind gefunden und hergebracht, wahrscheinlich haben sie so sein Leben gerettet. Heute hat Suthi eine auskömmliche Arbeit in der Wäscherei, regelmäßig kehrt sie in die Tagesstätte zurück: um die Kinder aushilfsweise zu unterrichten, um ihnen zu zeigen, wie sie tanzen können. „Ich hatte großes Glück“, sagt die 20-Jährige.

Vielleicht kann Aliyana (3) ihr ja nacheifern, die heute die Tagesstätte besucht. Und Dickson (4) und Pooja (4) und Syed (7) und Mahek (4) und ... Aber jetzt ist Austoben. Dann Mittagsschlaf. Dann nochmals Kannada. Sie, liebe Leser, könnten ihnen helfen beim Nacheifern. „Dhan’yavadagalu“ also. Danke!

So können Sie den Kindern helfen

Mit Ihrer Spende können Sie Kindern in Bangalore helfen, sich auf Dauer aus dem Umfeld von Missbrauch, Vergewaltigung und Prostitution zu befreien. Die Kontodaten sind: Kindernothilfe, BIC GENODED1DKD. Die Iban lautet DE4335 0601 9000 0031 0310. Bank für Kirche und Diakonie. Stichwort: „Indien.“

Die Spenden tragen dazu bei, dass in den Schutzhäusern und Tagesstätten die Arbeit ausgebaut werden kann. Die Kinder werden medizinisch und psychologisch untersucht, behandelt und betreut. Etliche wohnen dort.

Die Kindernothilfe hat in dieser Woche in einem Ranking des Analyse-Hauses Phineo im Auftrag von „Spiegel Online“ den ersten Platz von 50 Hilfs-Organisationen belegt. Untersucht wurde die Transparenz. KNH bekam mit fünf Punkten die höchste Bewertung.

*Name geändert

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