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Die neue globale Entwicklungsagenda

2015 lief die Frist für die Millennium-Entwicklungsziele aus. Was wurde erreicht, was nicht und vor allem: Wie geht es jetzt weiter? Darüber haben sich in den vergangenen Jahren viele Menschen weltweit den Kopf zerbrochen.

Bislang waren es vor allem die sogenannten Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) und ein entsprechender Maßnahmenkatalog, mit denen 189 Mitgliedstaaten der UN gemeinsam Armut, Krankheit, Krieg und weitere Übel der Erde konsequent reduzieren wollten. Gesteckt wurden diese Ziele im Jahr 2000, bis 2015 sollen sie erreicht sein. Insgesamt haben die Ziele viel bewirkt, ohne sie hätte es zahlreiche Verbesserungen, etwa für die globale Bildungssituation, nicht gegeben. Einige Teilziele wie etwa die Halbierung der extremen Armut auf der Welt wurden erreicht, viele weitere Ziele wie die zur Reduzierung der Kindersterblichkeit und Verbesserung der Müttergesundheit, werden aber nicht fristgerecht erfüllt.

Ausstellung  (Quelle: Kindernothilfe)
Eine neue globale Partnerschaft soll helfen, die größten Weltprobleme zu beseitigen.

Deshalb hat die Staatengemeinschaft eine neue globale Entwicklungsagenda beschlossen. Auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs bei den Vereinten Nationen in New York wurde am 25. September die "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" -nach zähen Verhandlungen- verabschiedet. 

 

  • Die Millenniums-Entwicklungsziele 2015

    Ziel 1: Beseitigung der extremen Armut und des Hungers

    1990 lebten 47 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern in extremer Armut und damit von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. Dieser Anteil ist bis 2015 auf 14 Prozent gesunken. Weltweit fiel die Zahl  der in Armut lebenden Menschen zwischen 1990 und 2015 um mehr als die Hälfte, von 1,9 Milliarden auf 836 Millionen. Das Ziel, den Anteil der in Armut lebenden Menschen zu halbieren, wurde erreicht.

    Ziel 2: Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung

    Zwischen 2000 und 2015 sank die Zahl der Kinder im Grundschulalter, die keine Schule besuchen, weltweit fast um die Hälfte, von 100 Millionen auf schätzungsweise 57 Millionen. Das Ziel, die allgemeine Grundschulbildung weltweit zu verwirklichen, wurde also verfehlt.

     Ziel 3: Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frauen

    Die Mehrheit der Regionen hat die Gleichstellung Geschlechter in der Grundschulbildung erreicht, doch auf den höheren Ebenen bestehen noch Unterschiede.

     Ziel 4: Senkung der Kindersterblichkeit

    Zwischen 1990 und 2015 sank die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um mehr als die Hälfte. Trotz des Bevölkerungswachstums in den Entwicklungsregionen ging die Sterberate von Kindern weltweit von 12,7 Millionen (1990) auf knapp 6 Millionen im Jahr 2015 zurück. Dennoch streben immer noch täglich 16.000 Kinder unter fünf Jahren an zumeist vermeidbaren Krankheiten.

     Ziel 5: Verbesserung der Gesundheit von Müttern

    Die Müttersterblichkeitsrate sank seit 1990 weltweit um 45 Prozent. 2014 wurden über 71 Prozent der Geburten von medizinischem Fachpersonal betreut, 1990 waren es lediglich 59 Prozent. Dennoch ist die Müttersterblichkeitsrate in den Entwicklungsregionen 14-mal so hoch wie in den entwickelten Regionen. Die Ziele zu Müttergesundheit und Kindersterblichkeit sind diejenigen Ziele, die am weitesten hinter den Zielvorgaben zurück bleiben.

     Ziel 6: Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten

    Die Zahl der HIV-Neuinfektionen fiel zwischen 2000 und 2013 um rund 40 Prozent, von schätzungsweise 3,5 Millionen auf 2,1 Millionen Fälle. Im Jahr 2014 befanden sich 13,6 Millionen HIV-Infizierte in antiretroviraler Behandlung (ART), wohingegen es 2003 bei lediglich 800.000 der Fall war.

     Ziel 7: Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit

    Seit 1990 erhielten 1,9 Milliarden Menschen einen Trinkwasseranschluss. 2015 haben somit 91 Prozent der Weltbevölkerung einen Zugang zu verbesserter Trinkwasserversorgung, 1990 waren es lediglich 76 Prozent. Weltweit erhielten 2,1 Milliarden Menschen seit 1990  Zugang zu verbesserter Sanitärversorgung.

     Ziel 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

    Die Entwicklungshilfe der entwickelten Länder stieg zwischen 2000 und 2014 real um 66 Prozent auf 135,2 Milliarden Dollar.  Die gesamte öffentliche Entwicklungshilfe der DAC-Länder (Länder, die dem Ausschuss für Entwicklungshilfe der OECD angehören) belief sich 2014 auf 0,29 % ihres Bruttonationaleinkommens – und damit deutlich unter der Zielmarke von 0,7 %.

     Quelle: Vereinte Nationen: Millenniums-Entwicklungsziele Bericht 2015

  • Der lange Weg zur neuen globalen Agenda

    Zur Erarbeitung dieser Agenda setzten die Vereinten Nationen einen umfassenden Prozess in Gang. So fanden in über 50 Ländern Konsultationen mit der Zivilgesellschaft statt und es wurden Expertengremien, wie das High Level Panel, eingerichtet, die erste Vorschläge für eine Entwicklungsagenda erarbeiteten. Parallel dazu wurde auf der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung 2012 (Rio+20) beschlossen, globale Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) zu entwickeln. Die zu diesem Zweck ins Leben gerufene Open Working Group der UN-Generalversammlung legte im Juli 2014 ihren Bericht vor. Sie schlägt darin 17 Ziele vor.

    Das Sekretariat der Vereinten Nationen hat im Dezember 2014 im Synthese-Bericht "The Road to Dignity by 2030: Ending Poverty, Transforming all Lives, and Protecting the Planet" die bisherigen Arbeits-Ergebnisse der verschiedenen Arbeitsgruppen und Panel gebündelt und analysiert - und die beiden bis dahin parallel laufenden Prozesse zusammengeführt. Der Bericht bildete die Grundlage der zwischenstaatlichen Verhandlungen. Er räumt an vielen Stellen Kindern und Jugendlichen eine zentrale Rolle für eine nachhaltige Entwicklung  ein. Diese wichtige und richtige Botschaft muss Eingang in die Post 2015 Agenda finden  - und sich auch in den Zielen widerspiegeln. Dies forderte die Kindernothilfe unter anderem in ihrer Kommentierung zum Synthese-Bericht des UN-Generalsekretärs ein.

  • Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs)

    Die Weltgemeinschaft hat mit der Agenda 2030 einen umfassenden Umsetzungsplan für nachhaltige Entwicklung vorgelegt. Darin einigten sich die Mitglieder der Vereinten Nationen auf 17 konkrete Ziele mit insgesamt 169 Unterzielen für nachhaltige Entwicklung, Armutsbekämpfung und Umweltschutz. Erstmals nehmen diese "Sustainable Development Goals" (SDGs) alle Länder in die Pflicht - und nicht nur die Länder des globalen Südens.

    Die 17 Ziele im Überblick:

     Keine Armut Kein Hunger Gesundheit und Wohlergehen Hochwertige Bildung Geschlechtergleichheit Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen Bezahlbare und saubere Energie Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum Industrie, Innovation und Infrastruktur Weniger Ungleichheiten Nachhaltige Städte und Gemeinden Verantwortungsvoller Konsum und Produktion Maßnahmen zum Klimaschutz Leben unter Wasser Leben an Land Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen Partnerschaften zur Erreichung der Ziele (Quelle: Vereinte Nationen)

    Da die Staatengemeinschaft die Agenda 2030 im September 2015 verabschiedet hat, muss sich nun jedes Land der Herausforderung stellen, sie mit Leben zu füllen und im eigenen Land umzusetzen.

     

  • Eine große Chance auch für Kinderrechte

    Die nachhaltigen Entwicklungsziele bieten eine große Chance, weil sie die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung, soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung gemeinsam betrachten und auch die Länder des Nordens in die Pflicht nehmen.

    Die Hälfte der Ziele nehmen Kinder und Jugendliche in den Blick. Die für die Lebenssituation von Kindern zentralen Themen Armutsbekämpfung, Ernährungssicherung, Gesundheit und Bildung haben weiterhin einen hohen Stellenwert auf der internationalen Entwicklungsagenda. Zielvorgaben zu Kindesschutz, Kinderarbeit und Kindersoldaten wurden in eigenen Unterzielen verankert. Damit bietet die Post-2015-Agenda zentrale Anknüpfungspunkte, die Rechte von Kindern umzusetzen.

  • Wie geht es voran mit der "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung"?

    • In New York tagte dazu im Juli 2016 das "Hochrangige Politische Forum für Nachhaltige Entwicklung". Die Bundesregierung berichtete dort, was Deutschland bereits zur Umsetzung der Agenda 2030 in die Wege geleitet hat.
    • In dem Bericht "Deutschland und die UN-Nachhaltigkeitsagenda – noch lange nicht nachhaltig" legt ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis dar, wie es aus zivilgesellschaftlicher Perspektive nach Verabschiedung der 2030-Agenda um deren Umsetzung in, mit und durch Deutschland steht.
    • Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie soll zukünftig einen wesentlichen Rahmen für die nationale Umsetzung der Agenda 2030 bilden. In der Neuauflage 2016 ist die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie somit ein erster wichtiger Schritt, um die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Derzeit liegt ein erster Entwurf zur zivilgesellschaftlichen Kommentierung vor. Auch die Kindernothilfe hat sich daran beteiligt.
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