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Standpunkt

Wir reden von Menschen!

von: Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe

Porträt Katrin Weidemann

Grenzüberschreitend denken und menschlich handeln – nach diesem Prinzip setzen wir uns für das Recht jedes Kindes auf Leben und Entwicklung ein.

Wie sehr dieses Recht bedroht ist, zeigt sich aktuell besonders für die Kinder, die auf der Flucht sind. Die politischen Debatten um Flucht, Migration und Asyl vermitteln den Eindruck: Kinderrechte haben Grenzen, und wer auf der Flucht ist, verliert sein Recht.  Dem widersprechen wir mit Nachdruck.

Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, ihre oft todbringende Flucht mit einer Urlaubsreise zu vergleichen und Flüchtlingslager nicht mehr als humanitäre Notbehelfe, sondern als dauerhafte Einrichtungen, Orte der Verwahrung, Verwaltung und Abwehr aufzubauen, widerspricht jeglicher Humanität.

Fast scheint es, als seien ein paar Jahrhunderte zivilisatorische Fortschritte ausgelöscht: in Lager gesperrte Kinder, schiffbrüchige Flüchtlinge, Staaten, die sich abschotten wollen und agieren, als gäbe es keine Genfer Flüchtlingskonvention und keine Europäische Menschenrechtskonvention.

Es erinnert erschreckend an die Zeit vor 80 Jahren. Im Juli 1938 verhandelten die Vertreter von 32 Staaten über die Zukunft von 540.000 Juden aus dem Deutschen Reich und Österreich. Das NS-Regime hatte ihnen Geld und Vermögen abgenommen, jetzt suchten sie Zuflucht und Schutz. Furchtbar gern, erklärten die einzelnen Staatsrepräsentanten, würden sie eine größere Zahl Flüchtlinge aufnehmen. Schrecklich leid tue es ihnen aber, dass sie das leider nicht tun könnten. Tausende Männer, Frauen und Kinder versuchten, als Schiffspassagiere auszuwandern, um dem NS-Regime zu entkommen. Für sie begann eine Odyssee über die Weltmeere, nirgends erhielten sie eine Landeerlaubnis.  

Das erbärmliche Feilschen um Quoten und Aufnahmekontingente in Evian endete erfolglos. „Wisst ihr denn nicht,“ echauffierte sich eine Konferenzbeobachterin, „dass diese verdammten Zahlen Menschen sind?“

Es sind auch heute Menschen, um deren Schicksal es geht. Der Schutz von Mädchen und Jungen gerade in schwierigen Lebenssituationen ist eine der wichtigsten Aufgaben, die wir haben. Als Kindernothilfe. Und als Mitmenschen. Das Recht auf Schutz, auf Fürsorge, Gesundheit und Bildung - jedes Kind weltweit soll es wahrnehmen können. Dass die Weltgemeinschaft sich darin theoretisch einig ist, haben alle Unterzeichner der UN-Kinderrechtskonvention und der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen deutlich gemacht.

Es ist höchste Zeit, jetzt praktisch tätig zu werden. Damit Kinder - gerade Kinder, die ihre Heimat verlassen mussten -  ihre Rechte wahrnehmen können, braucht es das solidarische Handeln der internationalen Gemeinschaft. Es braucht den starken Einsatz für Kinder- und Menschenrechte für Flüchtende.  Es braucht den starken politischen Einsatz für Demokratie in den Herkunftsländern. Und es braucht eine Entwicklungspolitik, die der Armutsbekämpfung dient und nicht innenpolitischen Interessen.

Wer wir sind

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Seit fast 60 Jahren unterstützen wir als Entwicklungshilfeorganisation weltweit Kinder in Not und setzen uns für ihre Rechte ein.

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Unsere Projekte und Länder im Überblick

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Derzeit fördern wir rund 1,9 Millionen Kinder in 767 Projekten in 33 Ländern. Hier finden Sie eine Auswahl unserer Projekte.

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Kinderrechte: schützen, stärken und beteiligen!

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Kinder haben ganz besondere Rechte. Etwa das Recht auf Bildung, auf gewaltfreie Erziehung, auf sofortige Hilfe in Katastrophenfällen – und auf Freizeit und Erholung.

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