Kindernothilfe. Gemeinsam wirken.

Du bist ein Kind –
aber nicht allein!

Du fühlst dich bedroht, wurdest verletzt oder sorgst dich um einen Freund oder eine Freundin? Egal was es ist: Hier findest du Hilfe und Menschen, denen du jedes Problem anvertrauen kannst.

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So schützen Sie als
Erwachsener Kinder!

Wir helfen Ihnen dabei, richtig auf Formen von Gewalt gegen Kinder zu reagieren. Hier finden Privatpersonen und Institutionen Tipps und Beratungsangebote.

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Grundschullehrer Joscha Budda (Quelle: Markus Feger)

„Als Lehrer einer Brennpunktschule achte ich auf jede Form der Vernachlässigung oder Gefährdung. Die Entwicklung der Kinder erlebe ich ja jeden Tag und so erkenne ich Signale schnell. Kinder schützt man am besten im Team. Wir verfügen über ein starkes Netzwerk aus Lehrern, Pädagogen und Sozialarbeitenden. So können wir auf jedes Problem schnell reagieren.“

– Joscha Budda, Grundschullehrer in Dortmund

Gewalt gegen Kinder hat viele Facetten

Gefahrensituationen richtig wahrzunehmen kann herausfordernd sein. Aber man kann es lernen. Hier finden Sie einen Überblick über die verschiedenen Formen von Gewalt. Damit helfen wir Ihnen, ein Gespür für Risiken zu entwickeln und selbstbewusst zu reagieren, wenn Sie etwas bemerken.
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Körperliche Gewalt

Das ist physische Gewalt an Kindern durch Schlagen, Treten, Schütteln, Beißen, Verbrühen oder Vergiften. Dazu zählen gesundheitsgefährdende Verletzungen wie z. B. Verstümmelung weiblicher Genitalien im Rahmen kultureller oder religiöser Traditionen genauso wie unterlassene Hilfe bei Verletzungen.

Sexualisierte Gewalt im Internet

Diese neue Form der Gewalt tritt immer häufiger auf. In den meisten Fällen werden Kinder und Jugendliche ungewollt mit Pornografie im Internet konfrontiert. Weitere Gefahren sind das sexualisierte Anmachen. Kinder werden animiert, intime Fotos zu senden, oder zu realen Treffen eingeladen.

Psychische Gewalt

Darunter fallen verletzende Verhaltensmuster wie Anschreien, Liebesentzug, Diskriminierung, Abwertung oder Erniedrigung durch Worte. Kinder, die in ihrer Familie psychischer Gewalt ausgesetzt sind, fühlen sich oft wertlos oder glauben sie sind schuld daran, dass es den Eltern schlecht geht.

Vernachlässigung

Eltern oder Erziehungsberechtigte sind nicht in der Lage, körperliche und emotionale Grundbedürfnisse in den Bereichen Gesundheit, Bildung, emotionale Entwicklung, Ernährung, Kleidung und Unterbringung zu erfüllen.

Ausbeutung

Dazu zählen die Ausnutzung von Kindern für Kinderarbeit, Kinderhandel, die Vermittlung und das Anbieten zur Prostitution oder Pornografie und alle sonstigen Formen von Ausbeutung, die der physischen und mentalen Gesundheit von Kindern schaden.
Lehrertrainerin im Fechten Paria Mahrokh (Quelle: Markus Feger)

„Nach dem Training darf das Selbstbewusstsein der Kinder nicht kleiner sein als davor. Für mich gibt es keine Athleten zweiter Klasse. Ich stärke das Gruppengefühl,
schätze jedes Kind gleichermaßen und erkenne jede Leistung an.“

– Paria Mahrokh, Lehrertrainerin im Fechten, Bonn


Achten Sie auf Signale. So schützen Sie Kinder.

Jüngere Kinder können durch frühe Gewalt stark geprägt werden und posttraumatische Störungen, Depression, Suchterkrankungen oder Angststörungen entwickeln. Wir wollen jedes Kind vor Gewalt bewahren – mit Ihrer Unterstützung. Sie können auf verschiedene Dinge achten, um Gefahren besser einschätzen und frühzeitig reagieren zu können.

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Wie sieht das Kind aus?

Ein verwahrlostes Aussehen (verfilzte Haare, schlechte Zähne, schmutzige oder nicht passende Kleidung) ist häufig ein Zeichen dafür, dass in der Familie etwas schiefläuft. Emotionale und körperliche Verwahrlosung entstehen oft, wenn Kinder Hass, Streit und Gewalt zwischen ihren Eltern erleben. Andere Anzeichen sind:

  • Unterernährung oder extremes Übergewicht
  • intensiver Körpergeruch
  • körperliche Schädigungen wie blaue Flecken, Blutergüsse, Schnittverletzungen, Knochenbrüche, Verbrennungen oder Verbrühungen

Wie verhält sich das Kind?

Es ist nicht normal, wenn ein Kind sich auf einmal stark zurückzieht, sehr aufdringlich ist oder wiederholt lügt. Auffällige Verhaltensänderungen können sein:
schwere gewalttätige und/oder sexuelle Übergriffe gegen andere Personen

  • Ein Kind wirkt berauscht oder benommen und handelt unkoordiniert
  • verdächtige Äußerungen des Kindes, die auf (sexuelle) Misshandlung oder Vernachlässigung hindeuten
  • Ein Kind ist sehr spät oder nachts allein in der Öffentlichkeit unterwegs
  • Ein Kind begeht häufig Straftaten
  • Schulpflichtige Kinder kommen wiederholt nicht zur Schule

Wie verhält sich die Erziehungsperson?

Das Kindeswohl ist gefährdet, wenn Erwachsene oder Erziehungspersonen kein stabiles und sicheres Umfeld schaffen können. Das kann sich äußern durch:

  • wiederholte oder schwere Gewalt zwischen Erziehungspersonen
  • mangelnde Bereitstellung von Nahrung
  • massive oder häufige Gewalt gegenüber Kindern
  • starkes verbales Beschimpfen, Angstmachen oder Erniedrigen
  • Zugang zu pornografischen Medien
  • Isolierung des Kindes durch Kontaktverbote

Wie ist die familiäre Situation?

Die sozialen Strukturen, in denen ein Kind aufwächst, können zum Risikofaktor werden, wenn die Eltern oder Erziehungspersonen:

  • arbeitslos sind
  • noch sehr jung oder alleinerziehend sind
  • unter psychosozialem Stress leiden
  • in einer verarmten Nachbarschaft leben oder obdachlos sind
  • Kinder zu Straftaten oder anderen verwerflichen Taten zwingen

Wie ist die persönliche Situation der Eltern oder Erziehungspersonen? 

Kinder sind auf die Hilfe und Fürsorge von Erziehungspersonen angewiesen. Haben Eltern Probleme wie Suchtverhalten (Alkohol, Drogen oder Betäubungsmittel), ist das Kindeswohl stark gefährdet. Andere Risiken sind:

  • psychische oder intellektuelle Beeinträchtigung von Erziehungspersonen
  • Gewalt zwischen den Eltern
  • unangemessener Umgang der Eltern mit Stress
  • negative Prophezeiung zur Entwicklung des Kindes wie z. B. „Mein Kind wird in der Schule ein Versager sein, genau wie ich“
  • ein stark verwirrtes Erscheinungsbild mit Selbstgesprächen, Rauschzuständen oder Benommenheit

Wie wohnt das Kind zu Hause?

Kinder sollten in einer gewaltfreien, sicheren Umgebung aufwachsen. Folgende Risiken können das Kind gefährden:

  • stark vermüllte oder verdreckte Wohnung
  • Spuren von Gewalt in der Wohnung wie stark beschädigte Türen
  • defekte Stromkabel oder Steckdosen, volle Aschenbecher, verschimmelte Lebensmittel und Essensreste
  • kein eigener Schlafplatz, kein eigenes Spielzeug für das Kind
Schwarzweiß-Portrait von Susanne Hebing (Quelle: Markus Feger)

„Wir wollen, dass die Kinder uns vertrauen. Deshalb verhalten wir uns authentisch und konstant. So geben wir Sicherheit, nehmen jedes Kind so, wie es ist, und fördern es in seiner Individualität. Kinderschutz geht uns alle an. Wir sollten alle sensibel und achtsam sein.“

– Susanne Hebing, Erzieherin bei der Diakonie Düsseldorf

Hinschauen. Hinhören. Nachfragen.

Das können Sie tun.

Es gibt viele Arten zu helfen. Ein offenes Ohr, liebe Worte, Feingefühl oder Geduld können helfen, den Kummer zu lindern. Kinder nehmen die Welt mit anderen Augen wahr. Sie verstehen oft nicht, was mit ihnen passiert, und brauchen Menschen, die ihnen Sicherheit und Klarheit geben. Reagieren ist wichtig, aber Sie sollten mit Ruhe und bedacht handeln. Holen Sie sich Hilfe und lassen Sie sich beraten, wenn Ihnen die Situation zu viel wird. Der Schutz des Kindes steht an erster Stelle.

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Begleiten Sie Kinder achtsam durch ihren Alltag.

Kindeswohlgefährdung fängt schon im Kleinen an, beispielsweise mit Mobbing. Verletzende verbale Äußerungen, Ausgrenzung beim Spielen oder persönliche Kommentare über den Körperbau beim Sport sollten nicht überhört und übersehen werden. Je früher Sie diese Themen ansprechen, desto größer ist die Chance, Kinder vor Situationen zu bewahren, aus denen sie allein nicht mehr herauskommen.

Bleiben Sie ruhig und hören Sie zu!

Wenn ein Kind sich Ihnen öffnet, ist es einen großen Schritt auf Sie zugegangen. Hören Sie aktiv zu und lassen Sie sich nicht von Ihren Gefühlen vereinnahmen. Voreilige Reaktionen können den Schutz des Kindes gefährden. Tauschen Sie sich erst mit Freundinnen und Freunden, Verwandten oder Kolleginnen und Kollegen aus, bevor Sie das Jugendamt kontaktieren oder den Verdächtigen bzw. die Verdächtige ansprechen.

Sprechen Sie empathisch und ehrlich mit dem Kind.

Da (sexualisierte) Gewalt häufig im bekannten Umfeld passiert, besteht oft ein Vertrauensverhältnis zwischen Täter oder Täterin und Opfer. Da braucht es viel Feingefühl und Empathie, um sich behutsam einem Kind anzunähern. Machen Sie dem Kind klar, dass Sie besorgt sind und Sie wollen, dass es ihm gut geht. Kommunizieren Sie immer transparent und ehrlich. Das Kind soll wissen, dass es Ihnen alles sagen kann, Sie aber im Notfall Informationen weiterleiten werden. Machen Sie keine unhaltbaren Versprechungen und respektieren Sie die Grenzen des Kindes. Sie müssen nicht alles auf einmal wissen. Mit Geduld erreichen Sie meist mehr.

Akzeptieren Sie jedes Kind so, wie es ist.

Mit allen Gefühlen, Ängsten und Sorgen. Sehr junge Kinder können ihre Grenzen oft nicht mitteilen, fühlen Scham und (Mit-)Schuld. Lassen Sie das Kind spüren, dass jedes Gefühl erlaubt ist. Hören Sie geduldig zu und schenken Sie Vertrauen. Nehmen Sie sich Zeit für das Kind und für sich selbst, um die Situation besser zu verstehen. Bei akuten körperlichen Signalen von Kindeswohlgefährdung oder verbalen Andeutungen von sexueller Gewalt holen Sie sich professionelle Hilfe.

Suchen Sie sich Hilfe! Sie sind nicht allein!

Sie kommen bei Gesprächen nicht weiter? Ein Kind erzählt Ihnen von Übergriffen in der Familie? Sie hören Geschrei aus der Nachbarwohnung oder nehmen akute Signale der Kindeswohlgefährdung wahr? Dann melden Sie sich bei einer lokalen Beratungsstelle, dem Jugendamt oder der Polizei. Weitere Unterstützung und Rat finden Sie auch auf dem Hilfeportal des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Machen Sie sich stark für Kinder!

Kinder brauchen Menschen, denen sie vertrauen, und Orte, an denen sie Hilfe bekommen. Schulen und Kitas verfügen oft über ein gutes Netzwerk aus Fachpersonal, Sozialpädagoginnen und -pädagogen, dem Jugendamt oder anderen Hilfseinrichtungen. Aber auch außerhalb dieser Netzwerke können Sie etwas tun. Sprechen Sie über das Thema. Mit Trainerinnen und Trainern im Sportverein, mit Eltern auf Elternabenden, mit Nachbarinnen und Nachbarn oder im Freundeskreis. Je nachdem, in welchem Bereich Sie arbeiten oder mit Kindern zu tun haben, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, sich unabhängig von konkreten Fällen zu engagieren.

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Wie Sie helfen können

Sie machen sich Sorgen um ein Kind aus Ihrer Umgebung und möchten sich über Hilfsmöglichkeiten informieren? Hier finden Sie Anlaufstellen.
Wie Sie helfen können

Entwickeln Sie ein Kinderschutzkonzept

Sie arbeiten mit Kindern? Erstellen Sie gemeinsam mit der Kindernothilfe ein individuelles Kinderschutzkonzept für Ihre Kita, Ihre Schule oder Ihren Verein. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Webseite.
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Erhalten Sie Beratung zum Thema medizinischer Kinderschutz

Sie sind im Gesundheitswesen tätig? Das Kompetenzzentrum Kinderschutz im Gesundheitswesen NRW berät Sie gerne. www.kkg-nrw.de
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Influencerin Julia Beautx macht sich für Kinderschutz stark (Quelle: Markus Feger)

„Niemand darf dich schlagen, anschreien oder vernachlässigen, niemand darf dich anfassen, ohne dass du es willst. Hier bekommst du Hilfe.“

– Julia Beautx, Influencerin

Du bist nicht allein!

Sprich mit einem Freund oder einer Freundin, einer erwachsenen Person, der du vertraust, oder wende dich an diese Adressen. Es ist nicht deine Schuld, wenn dir etwas passiert ist.

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Hier erreichst du Menschen, die zuhören und helfen!

Wenn du über deine Sorgen sprechen möchtest, kannst du das hier kostenlos und anonym tun: Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch - 0800-22 55 530. Hier findest du mehr Informationen: www.anrufen-hilft.de.
Zum Hilfe-Telefon

Du möchtest nicht darüber sprechen? Dann schreib es.

Das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch ist auch online für dich da – im Chat oder per Mail. Egal was es ist, hier bekommst du Hilfe. Vertraulich und anonym. Deine Informationen sind hier sicher. www.hilfe-telefon-missbrauch.online
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Finde Hilfe in deiner Nähe

Du brauchst akut Hilfe und suchst eine Beratungsstelle in deiner Nähe? Hier kannst du deine Suche starten: www.hilfe-portal-missbrauch.de/hilfe-finden
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Warum gibt es diese Kampagne?

Im Corona-Jahr 2020 meldeten die Jugendämter in Deutschland 60.600 Fälle von Kindeswohlgefährdung. Das waren 5.000 Fälle mehr als im Jahr davor. Die Politik reagierte im Juni 2021 mit einem modernisierten Kinder- und Jugendstärkungsgesetz. Dennoch: Ein Gesetz ist nicht genug. Kinderschutz betrifft uns alle. Mit der Kinderschutzkampagne der Kindernothilfe und dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen informieren wir über die Formen und Folgen von Gewalt gegenüber Kindern und geben Tipps, wie man in Gefahrensituationen richtig handelt. Wir wollen, dass jeder Mensch sich darin bestärkt fühlt, hinzuschauen, hinzuhören, nachzufragen und zu handeln.

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Unterstützt durch:

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