Kindernothilfe. Gemeinsam wirken.

Kinder brauchen Stifter

Ruprecht Eser moderierte von 1985 bis 1992 die Nachrichtensendung „heute-journal“. Darüber hinaus war er von 1995 bis 1997 Chefreporter des ZDF. Von 2004 bis August 2008 leitete er das ZDF-Studio in London und wurde er in den Stiftungsrat der Kindernothilfe-Stiftung berufen.
Stifter Ruprecht Eser
Der ehemalige ZDF-Korrespondent Ruprecht Eser ist seit 2008 Stiftungsratmitglied. (Quelle: Ralf Krämer)
Stifter Ruprecht Eser
Der ehemalige ZDF-Korrespondent Ruprecht Eser ist seit 2008 Stiftungsratmitglied. (Quelle: Ralf Krämer)

Herr Eser, Sie sind seit Juni 2008 Mitglied des Stiftungsrates der Kindernothilfe-Stiftung. Warum haben Sie sich für die Kindernothilfe entschieden?

Ganz ehrlich, es war auch eine Idee von Christina Rau, die bei Ihnen schon seit vielen Jahren im Stiftungsrat aktiv ist. Ich habe mit meiner Frau oft darüber geredet, bevor ich mit meinem Job in London aufgehört habe, dass ich mit meiner Zeit in Zukunft anders umgehen möchte. Dass ich mehr Zeit für die Mitarbeit in sozialen Projekten haben möchte. Da ich selbst Kinder habe – zwei erwachsene und zwei Teenager – habe ich mich für die Kindernothilfe entschieden.

Bei Stiftungen denken viele unwillkürlich an reiche Leute. Was verbinden Sie mit dem Wort?

Ich denke zunächst einmal an nachbarschaftliches, bürgerschaftliches Engagement. Wir machen es uns in Deutschland manchmal ein bisschen schwer. Ich habe viele Jahre meines Lebens in einer angelsächsischen Kultur gelebt, dort hat das Engagement für das Gemeinwohl eine lange Tradition. Natürlich sind Stifter oft vermögende Leute. Aber deshalb muss man ihnen nicht absprechen, dass sie mit dem ererbten oder erarbeiteten Geld Gutes tun wollen. Ich wünschte, es gäbe mehr vermögende Menschen, die so dächten. Also ich finde es schön, dass der Stiftungsgedanke in Deutschland jetzt auch stärker Fuß fasst und dass immer mehr Stiftungen gegründet werden.

Sind die Amerikaner und Briten Ihrer Meinung nach engagierter als die Deutschen?

Ruprecht Eser: Ja. Tut mir Leid, dass ich das sagen muss. Ich denke immer an den Satz von John F. Kennedy: „Frag nicht, was dein Land für dich tut, frag, was du für dein Land tun kannst.“ Damit sind ja ganz praktische, konkrete Dinge gemeint. Natürlich weiß ich, wie viele Menschen Patenschaften übernehmen, wie viel in den Kirchen getan wird, weil der Staat sich aus vielen Bereichen der sozialen Arbeit zurückgezogen hat. Aber ich denke, wenn man offen und objektiv nach draußen guckt und guckt, wie das in England ist, guckt, wie das in Amerika ist, dass wir noch viel lernen können.

Sie setzen sich dafür ein, die Kindernothilfe-Stiftung bekannter zu machen. Wie nützlich ist Ihre Prominenz als Journalist für dieses Amt?

„Prominenz“ – das klingt ein bisschen kokett. Ich habe immer versucht, mich als Journalist zu engagieren – für das Thema, mit dem ich mich beschäftigt habe, für den Menschen, dem ich gegenüber saß, und so möchte ich mich jetzt auch für die Kindernothilfe engagieren. Wenn dieses Engagement ein Stück befördert wird, weil ein paar Leute meinen Namen kennen, dann soll mir das sehr recht sein.

Was gefällt Ihnen an der Kindernothilfe besonders gut? 

Die konkrete Hilfe für ein bestimmtes Kind. Denn Hilfe, die anonym ist, hat es schwer. Man muss den Menschen sagen: An diesem Ort braucht dieser Mensch deine Hilfe. Und an diesem Menschen hängen viele andere – an diesem Ort, in diesem Dorf, in diesem Land. Man muss dem Hilfsbedürftigen, dem Menschen, dem Kind in Not, ein Gesicht, einen Namen geben.

Ein Schwerpunkt der Kindernothilfe sind Bildung und Ausbildung. Warum ist das so wichtig?

Bildung und Ausbildung bedeuten Lebenschancen – gerade in unserer globalisierten Welt. Die Globalisierung ist für uns alle eine Chance, aber sie birgt auch Risiken – und sie trifft die Menschen in der Dritten Welt besonders hart. Wir erleben oft in unserer unmittelbaren Umgebung, wie Lebenschancen verloren gehen, wenn man keinen Schulabschluss, keine Ausbildung hat. Das eine ist Essen und Trinken, das andere ist Bildung als Lebenschance.

Was sagen Ihre Kinder zu Ihrem Engagement? 

Natürlich habe ich meinen Kindern erzählt, dass ich mich für die Kindernothilfe engagiere. Aber vor allem bei den Zwillingen, die sind jetzt 16, will ich das gar nicht besonders betonen. Ich glaube, meine Kinder erwarten fast von mir, dass ich mich engagiere. Im Sommer war ich mit meiner Familie in Marokko. Mein Sohn hat dort einen Jungen kennengelernt, der auf der Straße lebte. Mein Sohn sagte zu mir: „Ich glaube, der Junge mag mich, und ich mag ihn.“ Sie begrüßten sich jeden Tag. Ich sah, dass der Junge arm war, und habe zu meinen Kindern gesagt: „Meint ihr, ich sollte dem Jungen etwas geben, aber ich will ihm nicht einfach ein Almosen zuwerfen.“ Ich habe dann Leute gefragt, die in Marokko lebten: „Kann ich ihm etwas geben oder beleidige ich ihn?“ Sie haben gesagt: „Du kannst das machen.“ Ich hatte natürlich Sorge, ich behandle ihn von oben herab, mit einem Almosen. Ich erzähle das deshalb, weil es fast wichtiger ist, wie man mit der Armut und dem Geben umgeht, damit die eigenen Kinder, die erwachsen werden, für sich einen Maßstab finden, wie sie sich konkret verhalten in einer solchen Situation. Und dass sie mit offenen Augen durch die Welt gehen, ohne dass sie immer ein schlechtes Gewissen haben, weil sie privilegiert sind. Aber doch auch immer in Kenntnis und in Erkenntnis der Situation anderer Menschen.

Sie sind in Leipzig geboren und mit Ihrer Familie noch vor dem Mauerbau nach West-Berlin geflohen. Wie hat diese Flucht Ihr Leben verändert?

Dazu möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen: Ich war 13, und in meiner Schule gab es eine FDJ-Wandzeitung. Die hatte ich mit einem Kumpel zusammen „verunstaltet“, so hieß es damals, das heißt, wir haben einen Text draufgeklebt, der politisch nicht ganz opportun war. Deshalb sollte ich in der Aula vor der Schulversammlung Selbstkritik üben. Ich musste hoch auf die Bühne und mich entscheiden, ob ich Selbstkritik übe oder ob ich es lasse, und ich habe es nicht getan. Nicht, dass ich ein besonderer Held gewesen wäre, aber ich habe mich dagegen entschieden. Dieses Erlebnis hat später dazu geführt, dass ich immer ein Problem hatte, „mainstream“ zu sein, auch da, wo es vielleicht gute Argumente dafür gab, dass ich vielleicht manchmal etwas starrköpfiger war, als es hätte sein müssen. Ich hoffe, dass meine Starrköpfigkeit auch ein bisschen zu dem berühmten „aufrechten Gang“ beigetragen hat und ich mit beiden Beinen am Boden geblieben bin.

Das Gespräch führte Christine Taylor.

Kontakt

Marco Hofmann, Manager Testamente und Erbschaft (Quelle: Ralf Krämer)

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