Kindernothilfe. Gemeinsam wirken.

Die Sonne im Flüchtlingscamp

Rund 1,2 Millionen Menschen suchen in Folge des Syrienkrieges Schutz im Libanon. Bereits seit 1949 besteht das palästinensische Flüchtlingslager Shatila, im Süden Beiruts, das ursprünglich für Hunderte aus Palästina Geflüchtete eingerichtet wurde. Aktuell leben dort rund 30.000 Einwohner auf einer Fläche von einem Quadratkilometer. Der Zustrom von Menschen aus Syrien hat die bereits bestehenden problematischen Lebensbedingungen zunehmend verschlechtert. Immense Ver-sorgungslücken in Bezug auf Sicherheit, Bildung und Schutz, gefährden aktuell die Zukunft von Kindern. Immer wieder kommt es zu Gewalt und Kinderrechtsverletzungen, da Arbeitslosigkeit, fehlendes Einkommen, Platzmangel und kaum vorhandene Privatsphäre die Aggressionen in dem Camp wachsen lassen. Für eine gute Förderung der Kinder, von denen ohnehin viele bereits durch ihre Flucht traumatisierende Erfahrungen gemacht haben, ist in Shatila selten Raum. Dies führt dazu, dass viele Kinder durch die fehlende frühkindliche Förderung die Schule nicht schaffen und abbrechen. Schnell geraten sie in den Teufelskreis aus mangelnder Bildung und Armut.

Gemeinsam mit unserem Projektpartner just.childhood unterstützen wir die professionelle Betreuung und Förderung von Kindern im Kindergartenalter zusammen mit ihren Familien. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Bereitstellung eines geschützten Raums mit altersgerechten Lebens- und Entwicklungsbedingungen für die Kinder von zentraler Bedeutung ist, um ihnen einen Weg in eine Zukunft voller Möglichkeiten zu bereiten.

 

Ruhe im Chaos

Das „Haus der Sonne“ so die deutsche Übersetzung für „Bait al-Shams“ arbeitet mit dem Waldorf-Ansatz, um Kinder bei der Weiterentwicklung ihrer physischen, emotionalen, mentalen und sozialen Stärken beiseite zu stehen. Auch wenn das Konzept lokal kaum bekannt war, sind immer mehr Eltern von der Ausrichtung des Kindergartens begeistert. Der Kindergarten ist für rund 70 Kinder bis sechs Jahren eingerichtet worden, die nun eine intensive Betreuung durch geschulte Pädagoginnen und Pädagogen erhalten. Die geschützte Umgebung gewährleistet, dass die Kinder nicht nur wichtige Fähigkeiten für einen zukünftigen Schulbesuch erlernen, sondern auch, dass sie sich von ihren oftmals traumatisierten Erfahrungen aus der Heimat und auf der Flucht erholen können. Der verfolgte integrative Ansatz trägt dazu bei, dass die Sprachkompetenz (Bait al-Shams ist ein bilingualer Kindergarten mit Arabisch und Englisch), sowie eine ausreichende Bewegung, das Spielen, Lernen und die soziale Fähigkeiten, die für den Schulbeginn essentiell sind, kontinuierlich gefördert werden.
Es hat sich bereits gezeigt, dass sich unser Ansatz extrem positiv auf die Kinder in „Bait al-Shams“ auswirkt und einen therapeutischen Effekt auf die traumatisierten Mädchen und Jungen hat. Die Erzieherinnen werden in zweijährigen Intensivkursen von erfahrenen Waldorfpädagoginnen und -pädagogen weitergebildet. In enger Zusammenarbeit mit den Eltern der Kinder und weiteren im Flüchtlingslager tätigen Hilfsorganisationen wird das Bewusstsein für einen gewaltfreien, humanistischen Bildungsansatz gestärkt und damit auch über den Kindergarten hinaus verbreitet. Dazu trägt auch der von unserer Partnerorganisation gezielt verfolgte Aufbau eines Netzwerks, bestehend aus weiteren Kindergärten und Schulen in Shatila, bei. Diese neuen Vernetzungsstrukturen helfen nun verstärkt das bewährte pädagogische Konzept von Bait al-Shams weiter zu verbreiten und damit auch weitere sichere Orte für Kinder innerhalb des Flüchtlingslagers zu schaffen.

 

Perspektiven schaffen - Vorbereitet auf den ersten Schulbesuch

Seit 2016 gibt es in Bait al-Shams ein Vorschulprogramm, das die älteren Kinder gezielt auf den anstehenden Schulbesuch vorbereitet. Speziell auf frühkindliche Bildung spezialisierte Lehrkräfte vor Ort kooperieren für die erfolgreiche Umsetzung des Programms mit Lehrkräften aus Deutschland. Sie haben ein speziell auf die Bedürfnisse der Kinder im Vorschulalter in Shatila zugeschnittenen Lehrplan erarbeitet. Mithilfe eines kreativen Ansatzes lernen die Kinder das englische und arabische Alphabet, erste mathematische Grundlagen und einfache Leseübungen zu meistern.

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Ein Mädchen sitzt auf einer Schaukel und blickt über ihre Schulter. (Quelle: Ulrich Gernhardt)

Ranas neues Leben

Als die fünfjährige Rana (Name geändert) in den Kindergarten Bait al-Shams kam, brauchte sie eine besonders intensive Betreuung. Ihre schwach ausgebildeten Muskeln, ihr Übergewicht sowie ihre sehr traurige und zum Teil aggressive emotionale Verfassung führten anfangs zu erheblichen Schwierigkeiten vor allem im Umgang mit den anderen Kindern in ihrer Gruppe. Mit der Zeit und durch die vielen Aktivitäten, das freie Spielen und die betreute Interaktion mit den anderen Kindern, konnten Ranas Wohlbefinden und ihre Gesundheit deutlich gesteigert werden. Das Malen, Geschichten erzählen und Spielen im Freien helfen Rana grundsätzlich ruhiger und geduldiger zu sein. Rana hat mit der Zeit eine deutlich engere Bindung zu den anderen Kindern aufbauen können und fühlt sich nun sogar für die jüngeren Kinder mitverantwortlich und hilft diesen bei unterschiedlichen Aktivitäten. Durch die verstärkte Bewegung und einen mit den Pädagogen und Ranas Eltern zusammen entwickelten Ernährungsplan, konnte Rana auch ihre physische Gesundheit stärken.

Fürbitte

Gott,
wir bitten dich für die Menschen
im palästinensischen Flüchtlingslager Shatila,
im Süden von Beirut.
Viele Menschen sind von ihren Fluchterfahrungen traumatisiert.
Sei du bei ihnen
und schenke Ihnen die Zuversicht
auf ein sicheres Morgen.

Guter Gott,
für die Kinder bitten wir dich,
die Gewalterfahrungen machen
und Kinderrechtsverletzungen ausgesetzt sind.
Sei du mit deinem Segen bei ihnen,
damit sie Sicherheit und Schutz erfahren.
Gib ihnen den Zugang zur frühkindlichen Förderung,
damit der Schulstart gelingt.
Schenke du ihnen einen Weg
in eine Zukunft voller Möglichkeiten.
Amen.

Kollektenabkündigung

Im Süden Beiruts befindet sich das Flüchtlingscamp Shatila, in dem rund 30.000 Menschen auf nur einem Quadratkilometer leben. Viele der Mädchen und Jungen, die jetzt hier wohnen, kommen aus Syrien, flüchteten mit Ihren Familien in den Libanon. Ihre Heimat mussten sie hinter sich lassen. Für eine gute Betreuung der Jüngsten gibt es im Camp kaum Raum. Die Kindernothilfe unterstützt die professionelle Betreuung und Förderung von Kindern im Kindergartenalter. In der Kita erfahren sie Stabilität und feste Strukturen. Dies hilft den Mädchen und Jungen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Auf den meisten Familien lastet enormer Druck – die schrecklichen Erinnerungen, die angespannte Wohnsituation, das schwer verdiente Geld. Das spüren auch die Jüngsten. Im Kindergarten dürfen sie Kind sein, spielen, lachen und lernen. Dort werden die Mädchen und Jungen auf den Schulbesuch vorbereitet. Sie werden auf Arabisch und Englisch betreut und unterrichtet. Dies sind die Unterrichtssprachen an libanesischen Schulen. Ohne diese Vorbereitung hätten zahlreiche Kinder kaum eine Chance, die Schule zu besuchen.

Herzlichen Dank, dass Sie uns bei dieser wichtigen Arbeit unterstützen. Alle Mädchen und Jungen haben das Recht auf Bildung, Gesundheit und darauf, Kind zu sein! Das Morgen dieser Kinder entscheidet sich heute!

Infos rund um das Projekt

Beginn: 04.01.2017

Projektregion: Flüchtlingslager Shatila, am Stadtrand von Beirut

Ziele: frühkindliche Bildung, Traumaverarbeitung

Maßnahmen: frühkindliche Bildung nach dem Waldorf-Prinzip, spielen, singen, basteln, Vorbereitung auf den Schulbesuch, Traumtherapie

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Eindrücke aus dem Projekt

Eine Kindergartengruppe mit Erzieherinnen steht Hand in Hand im Kreis. (Quelle: Ulrich Gernhardt)
Kinderhände beim Basteln (Quelle: Kindernothilfe-Partner)
Ein Junge stemmt stolz ein Holzbrett in die Luft. (Quelle: Ulrich Gernahrdt)
Ein Mädchen auf einer Schaukel. (Quelle: Ulrich Gernhardt)
Eine Kindergartengruppe mit Erzieherinnen steht Hand in Hand im Kreis. (Quelle: Ulrich Gernhardt)
Kinderhände beim Basteln (Quelle: Kindernothilfe-Partner)
Ein Junge stemmt stolz ein Holzbrett in die Luft. (Quelle: Ulrich Gernahrdt)
Ein Mädchen auf einer Schaukel. (Quelle: Ulrich Gernhardt)
Landkarte von Libanon (Quelle: Ralf Krämer)

Libanon - so helfen wir 

Der Libanon ist seit Jahren Zufluchtsort für Menschen aus den umliegenden Krisenregionen. Neben Geflüchteten aus Syrien leben auch hunderttausende Palästinenser im Land - der Staat war und ist mit der Ankunft so vieler Menschen überfordert. Das Recht eines jeden Kindes auf Bildung konnte der Libanon bei den Menschenmassen, die in den überfüllten Städten und Camps stranden, bisher nicht sicherstellen. Mädchen und Jungen leben in ständiger Unsicherheit und Angst. Lärm, schlechte Hygienestandards, Gewalt und gesellschaftliche Isolation sind bitterer Alltag. In Projektzentren betreuen unsere Partner von der Flucht schwer traumatisierte Kinder aus Syrien sowie arme libanesische und palästinensische Kinder und machen sie fit für die Regelschule. Die Kindernothilfe und ihre Partner werden nach der neuerlichen Katastrophe ihren Einsatz für die Kinder verstärken und alles daran setzen, dass sie eine lebenswerte Zukunft haben.
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Ich bin gerne für Sie da!

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