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Zwei Kinder, Hand in Hand. (Quelle: Frank Rothe)

Helfen statt wegzusehen - Grundlage der Entwicklungszusammenarbeit

Der globale Wandel stellt die Welt vor neue Herausforderungen: der Klimawandel und seine Folgen, Wirtschafts- und Finanzkrisen, Bürgerkriege und bewaffnete Konflikte sowie der Wunsch nach mehr Frieden und Sicherheit, Armut und Hunger und gesundheitliche Probleme – die veränderten Rahmenbedingungen haben auch Folgen für die Entwicklungszusammenarbeit. Sie hat eine Verbesserung der Lebensbedingungen in Entwicklungsländern zum Ziel und muss sich den neuen Herausforderungen stellen.

Knapp eine Milliarde Menschen leben weltweit in absoluter Armut – die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Weltweit arbeiten rund 168 Millionen Kinder zwischen fünf und siebzehn Jahren. Mehr als 2,4 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu verbesserten Sanitäreinrichtungen und täglich sterben etwa 16.000 Kinder unter fünf Jahren zumeist an vermeidbaren Ursachen. Hinzu kommen all die Schicksale, die durch Kriege, Ausbeutung und Naturkatastrophen getroffen werden.

Fortschreitende Globalisierung

Diese neuen Entwicklungen beschränken sich nicht nur auf die innerstaatlichen Grenzen, sondern haben grenzüberschreitenden Charakter. Die vormals klassische Einteilung der Welt in eine ökonomisch entwickelte Nordhalbkugel und eine unterentwickelte Südhalbkugel entspricht längst nicht mehr der Realität. Neu aufsteigende Länder z.B. wie China oder Indien, in denen der Großteil der Menschen in extremer Armut lebt, haben zum Beispiel große wirtschaftliche oder ökologische Bedeutung für die Welt.

Durch die fortschreitende Globalisierung und die damit einhergehende weltweite Vernetzung spricht man heute vielmehr von der „Einen Welt“. Waren werden global produziert und gehandelt, politische Entscheidungen werden auf internationaler Ebene getroffen und die Auswirkungen des Klimawandels sind weltweit spürbar. Die Weltbevölkerung trägt immer größere Verantwortung füreinander und es erfordert daher globale Lösungen und differenzierte Ansätze auch auf dem Feld der Entwicklungspolitik, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Den unterschiedlichen Realitäten in den Entwicklungsländern Rechnung zu tragen und die Entwicklungszusammenarbeit entsprechend anzupassen, ist dabei die größte Aufgabe.

  • Ziele der Entwicklungszusammenarbeit

    Das Ziel der Entwicklungszusammenarbeit besteht darin, Armut nachhaltig zu bekämpfen, Strukturdefizite abzubauen und allen Menschen eine nachhaltige und langfristige Zukunftsperspektive zu schaffen. Als Rahmen dienen dabei sowohl auf nationaler als auch auf der internationalen Ebene die im Jahr 2000 verabschiedeten Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG), die bis 2015 erreicht werden sollten.

    Bemerkenswerte Fortschritte

    Seither wurden dank der MDGs bemerkenswerte Fortschritte erzielt, die auch die Lebensperspektiven vieler Kinder und Jugendliche in allen Regionen der Welt verbessert haben. So ist die extreme Armut in den vergangenen 20 Jahren deutlich zurückgegangen, die Zahl der Kinder im Grundschulalter, die keine Schule besuchen sank weltweit fast um die Hälfte.

    Trotz dieser Erfolge bleibt noch Vieles zu tun: Gerade die Umsetzung der MDGs zu Müttergesundheit und Kindersterblichkeit bleibt deutlich hinter den gesteckten Zielen zurück. Mehr als 160 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind für ihr Alter zu klein, weil sie nicht genug zu essen haben und 57 Millionen Kinder im Grundschulalter besuchen immer noch keine Schule. Erfahren Sie mehr zum Stand der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele 2015

    Zur Erarbeitung einer neuen Entwicklungsagenda nach 2015 setzten die Vereinten Nationen bereits 2012 einen umfassenden Prozess in Gang. Auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen in New York vom 25. bis 27. September 2015 soll die nun vorliegende Nachhaltigkeitsagenda "Transforming our World: The 2030 Agenda for Sustainable Development" verabschiedet werden.

    Stabile Rahmenbedingungen sind notwendig

    Stabile politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen in jedem Land sind eine Grundvoraussetzung, um diese Ziele zu erreichen. Da eine besondere Herausforderung in der Messung der Zielerreichung und Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit besteht, wurde auf den internationalen Konferenzen von Paris (2005) und Accra (2008) der Fokus auf die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit gelegt und fünf Prinzipien einer besseren Erreichung der vorgegebenen Ziele abgeleitet:

    • Die Eigenverantwortung der Partnerländer soll gestärkt werden ("Ownership").
    • Die Geber sollen Institutionen der Partnerländer nutzen und ihre Programme an den Strategien und Verfahren der Partnerländer ausrichten ("Alignment").
    • Die Geber sollen ihre Programme und Verfahren untereinander abstimmen und harmonisieren ("Harmonisation").
    • Die Maßnahmen sollen auf Ergebnisse (d.h. in erster Linie Wirkungen) ausgerichtet sein ("Managing for Results").
    • Geber- und Partnerländer sollen gemeinsam über ihr entwicklungspolitisches Handeln gegenüber der Öffentlichkeit und den Parlamenten Rechenschaft ablegen ("Accountability").

    Im Jahr 2011 wurde beim Forum zur Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit im koreanischen Busan eine neue Partnerschaft für Entwicklung ins Leben gerufen. Sie sieht vor, dass Industrie-, Schwellen und Entwicklungsländer künftig mit internationalen Organisationen, der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft kooperieren, um messbare Ergebnisse bei der Armutsbekämpfung und der nachhaltigen Entwicklung zu erzielen.

    Umsetzungsstand der MDGs

  • Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit

    Die Anfänge der Entwicklungszusammenarbeit werden meist mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Zusammenhang gesetzt – einem Zeitpunkt des weltweiten Wiederaufbaus, der fortschreitenden Unabhängigkeit der vormals kolonialisierten Entwicklungsländer sowie den Hoffnungen auf eine freiheitliche Zukunft. Harry S. Truman, der damalige US Präsident legte mit seiner Amtsantrittsrede im Jahr 1949 die Grundlage und erklärte in seinem berühmten Point-Four Programm, dass die entwickelten Industrienationen den unterentwickelten Ländern in Zukunft helfen müssten, sich selbst zu helfen.

    Ein wichtiger Meilenstein in dieser Entwicklung ist die Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945. Durch die Eindrücke des zweiten Weltkriegs sollte eine Institution geschaffen werden, die den Weltfrieden, die internationale Sicherheit, bessere Lebensbedingungen und Menschenrechte fördert. Als Grundsatz für die 193 Mitgliedstaaten (Deutschland seit 1973 – damals noch getrennt als DDR und BRD) dient dabei die UN Charter.

    In den 60er Jahren wurden sowohl auf internationaler als auch nationaler Seite die Unterschiede zwischen Entwicklungs- und Industrieländern immer deutlicher. So führte die Ausweitung der Entwicklungshilfe Anfang der 60er Jahre zur Gründung der US-Agency for International Development (USAID) in den USA und in Deutschland zur Gründung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Im Laufe des Jahrzehnts wurde eine steigende Zahl von Entwicklungsländern Mitglied der UN. Jedoch gab es in den Folgejahren immer mehr Stimmen, die forderten, die Entwicklungspolitik umzustrukturieren. Zu gravierend waren die sozialen und ökonomischen Folgen beispielsweise der Strukturanpassungsprogramme in den 1980er Jahren, zu folgenreich die Wirtschafts- und Ölkrisen sowie der daraus resultierende Anstieg der Verschuldung der Entwicklungsländer. Die 1980er Jahre werden daher als das verlorene Jahrzehnt der Entwicklungspolitik bezeichnet. Nachhaltigkeit stand fortan im Zentrum der Entwicklungspolitik und die internationale Staatengemeinschaft bekannte sich beispielsweise auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio und der abschließenden Rio-Deklaration zu diesem Leitbild.

    Mit der Jahrtausendwende hat die Entwicklungspolitik einen neuen Ansatz erhalten. So besteht mit den 8 Millenniumsentwicklungszielen erstmals ein globaler Katalog an entwicklungspolitischen Zielen zur Bekämpfung von Armut und Hunger in der Welt, der bis 2015 verwirklicht werden soll. War der Optimismus im Jahr 2000 noch ungebremst, so lässt sich heute die Realität nicht mehr beschönigen. Während einige Länder erhebliche Fortschritte erzielt haben, ist es anderen nicht gelungen eine positive Entwicklung zu erreichen. In der Debatte um die Zeit nach 2015 (Post 2015 Entwicklungsagenda) geht es daher vorrangig um die Festlegung neuer Ziele und Schwerpunkte für die kommenden Jahre.

  • Akteure der Entwicklungszusammenarbeit

    Man unterscheidet grundsätzlich verschiedene Akteure und Formen der Entwicklungszusammenarbeit:

    • Die bilaterale Form der Entwicklungszusammenarbeit umfasst die direkte Zusammenarbeit zweier Länder. Man unterscheidet zwischen finanzieller Zusammenarbeit (Vergabe von günstigen Krediten), technischer Zusammenarbeit (Vermittlung von Technologien sowie organisatorischen und wirtschaftlichen Kenntnissen) und personeller Zusammenarbeit (Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften).
    • Auf europäischer Ebene findet eine Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union statt und dient als Ergänzung zu der Politik der einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Die EU ist der weltweit größte Geber für die Entwicklungszusammenarbeit und hat sowohl finanziell, politisch und wirtschaftlich eine hervorzuhebende Bedeutung. Akteure auf Europaebene sind insbesondere: Der Rat der Europäischen Union, der Europäische Rat, die Europäische Kommission, Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik und das Europäische Parlament.
    • Die multilaterale Entwicklungszusammenarbeit beinhaltet die Kooperation auf der Ebene von Internationalen Organisationen. Deutschland ist Mitglied in mehreren internationalen Organisationen und unterhält dort auch ständige Vertretungen. Gemeinsam globale Probleme zu lösen und Strategien für die Konfliktbewältigung zu entwickeln sowie die Leistungen verschiedener Geber zu koordinieren, sind wichtige zu bewältigende Aufgaben. Wichtige Akteure auf multilateraler Ebene sind: Vereinte Nationen (UNO), Gruppe der Acht (G8), Gruppe der Zwanzig (G20), Internationaler Währungsfonds (IWF), Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Regionale Entwicklungsbanken, Weltbankgruppe und Welthandelsorganisation (WTO).
  • VENRO - der Dachverband für Entwicklungszusammenarbeit

    Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO)

    Die Globalisierung, der fortschreitende Klimawandel, Konflikte und Kriege, die Wirtschaftskrisen und damit verbundene Armut, Leid und Verschuldung stellen auch die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen wie der Kindernothilfe vor eine große Herausforderung. Notwendig ist eine Koordinierung und Abstimmung der Arbeit zwischen den in Deutschland aktiven Nichtregierungsorganisationen. Diese Aufgabe übernimmt der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) als Dachverband. Der Verband wurde im Jahr 1995 gegründet. Ihm gehören 120 Organisationen an (Stand August 2015). Sie kommen aus der privaten und kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit, der Humanitären Hilfe sowie der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit.

    Im Mittelpunkt der Arbeit von VENRO steht die gerechte Gestaltung der Globalisierung, insbesondere die Überwindung der weltweiten Armut. Um dies zu erreichen, setzt sich VENRO für die Verwirklichung der Menschenrechte und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen ein. Wir sind seit Bestehen von VENRO ein aktives Mitglied und stellen zum dritten Mal in Folge ein Vorstandsmitglied.

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