Kindernothilfe. Gemeinsam wirken.

Unterwegs mit Asekek

Wenn man Asekek aus Markuma (Distrikt Womberma/Äthiopien) fragt, wie sich ihr Leben durch die Selbsthilfegruppe der Kindernothilfe verändert hat, bricht es aus ihr heraus: „Vorher war das Leben schrecklich.“ Die 28-Jährige musste immer schon sehr kämpfen. Ihre Eltern verstarben früh und haben ihr ein bisschen Land und ein einfaches Haus hinterlassen, in dem die Familie mit ihren Tieren - Schafen, Hühnern und ein Ochse – in einem einzigen Raum lebte. Asekek musste nach dem Tod der Eltern nicht nur für ihre eigene vierköpfige Familie, sondern auch für ihren jüngeren Bruder sorgen. Der Ertrag aus der Landwirtschaft reichte häufig nicht, um sie und ihre kleine Familie mit zwei Kindern ausreichend zu ernähren. Besonders schlimm war es während der großen Dürre im Jahr 2016, als sie fast ihre ganze Ernte verloren und hungern mussten.

Als die junge Mutter vor acht Jahren von den anderen Frauen aus dem Dorf von der Selbsthilfegruppe erfuhr, schloss sie sich ihnen gleich an. „Ich wollte etwas ändern, denn so konnte es nicht weitergehen.“ In der Gruppe lernen die Frauen, wie sie mit einer guten Idee und etwas Geld, das sie sich gegenseitig leihen, mehr verdienen und sich aus ihrer Armut befreien können. Das Startkapital kommt von ihnen selbst, besteht aus dem wenigen, was sie sich aus ihren kleinen Einkünften ersparen können.
Asekek, eine der EmPowermoms, lacht in die Kamera. (Quelle: Christian O. Bruch)
Asekek ist froh, Teilnehmerin der Selbsthilfegruppe zu sein und ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können.
Asekek hat sich damals schnell auf die Herstellung von energiesparende Kochstellen spezialisiert. Die meisten Menschen in ihrer Gegend bereiten ihr Essen immer noch über einer einfachen Feuerstelle mit Steinen als Halterung zu. Dafür wird aber viel Brennmaterial benötigt und Holz ist knapp in der Region. Asekek gießt mithilfe einer speziellen Form nun Öfen aus Beton, die die Hitze besser speichern können und so Ressourcen sparen helfen. Das wird mittlerweile auch von den lokalen Behörden unterstützt, die Werbung für die Kochstellen machen, Bestellungen sammeln und die Abholung der fertigen Betonteile organisieren. Zuvor musste Asekek die schweren Öfen auf ihrem Rücken zwei Stunden bis zum nächsten Markt schleppen. Heute kommt sie mit der Produktion kaum hinterher und beschäftigt zweitweise nicht nur ihren Mann, sondern auch weitere Dorfbewohner, um die Bestellungen termingerecht abzuarbeiten.
Asekek, eine der EmPowermoms, bei der Produktion eines Ofens aus Beton. (Quelle: Christian O. Bruch)
Asekek stellt Ofen aus Beton her und verkauft diese erfolgreich in der ganzen Region.
Asekek hat es geschafft, sich mit eigener Kraft und dem starken Rückhalt durch die Selbsthilfegruppe aus ihrer hoffnungslos scheinenden Lage zu befreien. Mit Kleinstkrediten unterstützen die Frauen sich gegenseitig bei ihren Geschäftsideen, nutzen die Schulungen durch die örtlichen Partner der Kindernothilfe und bewegen gemeinsam auch größere Projekte zur Verbesserung ihrer Lebensumstände. So gibt es in Markuma es nun endlich auch elektrisches Licht, dank der neuen Biogasanlage, die zu 50 % durch ein staatliches Förderprogramm unterstützt wurde.

Asekek ist glücklich, dass ihre Familie jetzt in einem eigenen Haus lebt. Jeder hat sein eigenes Bett: „Vorher hatten wir nicht mal eine eigene Matratze.“ Und auch die Tiere sind nun in Ställen untergebracht. Durch ihre Arbeit konnte sie ihrem jüngeren Bruder eine Ausbildung finanzieren, der heute Health Officer in einem Krankenhaus in Bahir Dar ist. Auch für ihre beiden Kinder, 11 und 6 Jahre alt, wünscht Asekek sich, dass sie eine gute Ausbildung bekommen und später einen richtigen Beruf erlernen. Sie weiß, wie wichtig das ist. Sie selbst hat die Schule nur bis zur 5 Klasse besucht. Da sie aber lesen und schreiben kann, hat sie die Möglichkeit, sich nebenher auch noch etwas als Sekretärin bei einer CLA dazuzuverdienen.
Asekek, eine der EmPowermoms, mit ihren Kindern. (Quelle: Christian O. Bruch)
Asekek mit ihren Kindern in ihrer Werkstatt.

Durch diese Arbeit und die Gewinnen aus dem Ofenverkauf kann Asekek ihre Familie versorgen und das Schulgeld für ihre Kinder bezahlen – und darüber hinaus auch noch etwas zurücklegen. Denn das ist wichtig, weil die weiterführende Schule 12 Kilometer entfernt liegt. Heute läuft ihr älterer Sohn täglich die vier Kilometer zu seiner Grundschule. Für den anschließenden High-School-Besuch muss die Familie ihm dann künftig aber ein Zimmer in der Stadt finanzieren können. Dafür arbeitet Asekek sehr hart, teilweise sieben Tage die Woche, manchmal auch nachts. Sie hat einen schweren Weg hinter sich, aber schon so viel erreicht. Und sie ist zuversichtlich, dass ihre Kinder durch ihren Einsatz ein besseres Leben haben werden.

 

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