Gemeinsamkeit macht stark. Im Nordosten von Uganda haben Frauen ein starkes Netzwerk geknüpft, das auf lokaler und regionaler Ebene mitredet, wenn es um Frauen- und Kinderrechte geht. Selbst bei dem gerade wiedergewählten Staatspräsidenten Museveni verschaffen sich die Frauen Gehör. Denn sie wissen: Ihre Stimme hat Gewicht.
Es ist Regenzeit, und in dem Distriktstädtchen Mbale im Nordosten von Uganda erlebe ich sie besonders intensiv. Schwere Wolken hängen tief über den Häusern, alle paar Stunden schütten sie gewaltige Fluten auf die Erde. Auf den Feldern in der Region herrscht Hochbetrieb: Rindergespanne ziehen tiefe Furchen in den satten Ackerboden, auf jedem noch so kleinen Stückchen Land sind Frauen mit Spitzhacke am Jäten. Wer unterwegs vom Regen überrascht wird, sucht sich möglichst schnell einen trockenen Unterstand oder macht es wie die Schulkinder und pflückt sich von der nächsten Bananenstaude ein großes Blatt als Regenschirm.
Ein starker Verband als Sprachrohr
Einen Regenschirm der besonderen Art besuche ich heute. Drei Kindernothilfe-Partner, die im Mbale Distrikt in unterschiedlichen Regionen Projekte betreuen, haben sich 2012 zu einer "Umbrella Federation" zusammengeschlossen. In diesem Verbund arbeiten jetzt 46 delegierte Frauen aus 23 Selbsthilfegruppen-Clustern zusammen, die insgesamt 374 Selbsthilfegruppen (SHG) vertreten. "Wir sprechen für mehr als 7.000 Frauen", erklärt die Präsidentin der Federation bei unserem Treffen im Parlamentssaal des Distrikt Councils. Der Saal wurde ihnen für den heutigen Besuch vom Distriktkommissar zur Verfügung gestellt.
Die Delegierten haben zum Teil mehrere Stunden Anreise hinter sich. Dennoch folgen sie den Ausführungen ihrer Präsidentin aufmerksam, unterstützen manche Erklärung mit Applaus oder zustimmendem Gelächter. In den vier Jahren seit Gründung der Federation haben sie für Frauen und Familien in Uganda schon einiges erreicht, erfahre ich. So haben sie mittlerweile ein tragfähiges Netzwerk geknüpft, in dem die Regierungsstellen im Distrikt, in den Subdistrikten und genauso Polizei, Krankenhäuser und Schulen eingebunden sind. Ihre Schulungen, in denen sie die Teilnehmer für Frauen- und Kinderrechte sensibilisieren, bewirkten unter anderem, dass vorher nur für Jungen zugängliche Schulen auch für Mädchen geöffnet wurden. Impfkampagnen, überregionale Aktionstage wie der "Uganda Human Rights Day", Kampagnen gegen Kinderarbeit, Bewässerungsprojekte, Errichtung neuer Gesundheitszentren, eine Sekundarschulgründung - die Liste ihrer bisherigen Erfolge ist lang.