Im Eingangsbereich spielen nachmittags ein paar Jungs Tischtennis, ein weiterer spielt mit einem Hund. Sie sind erst seit zwei Monaten hier, erzählt er. Davor waren sie in einer staatlichen Einrichtung in Manila. Zu fünft haben sie sich dort eine Zahnbürste geteilt. Mehr mag er von dieser düsteren Zeit nicht sagen. Lars zeigt uns später Fotos, die er bei der Ankunft der Jungen gemacht hat: Unterernährt und ausgemergelt sehen sie darauf aus, krank und mit Hautproblemen. Von der Krätze ist jetzt nichts mehr zu sehen. Die inneren Narben, die der Missbrauch auf der Straße in ihnen hinterlassen hat, kann ich nur erahnen.
Straßenkinder spielen ihre Geschichte
Nach dem Abendessen erwartet uns ein echtes Highlight: Auf der Bühne des Zentrums, dem zentralen Begegnungs- und Aufführungsort, spielen ehemalige Straßenkinder ihre Geschichte. Vor einem zerbrochenen Spiegel ("The broken mirror" ist auch der Titel des Stücks) erzählen, singen, rappen sie, vom Missbrauch in der eigenen Familie, vom Leben als Loverboy für Touristen. Es sind beklemmende und zugleich anrührende Momente, die die jungen Erwachsenen, die mittlerweile im Projekt arbeiten, darstellen.
Am Ende der Aufführung sitzen sie am Bühnenrand den Zuschauern gegenüber und laden noch ein zum Gespräch. Ihre Botschaft, die sie uns mitgeben, ist eindringlich: Schaut nicht weg bei Gewalt und Missbrauch, schweigt nicht, sondern mischt euch ein. Ihr eindrücklicher Appell: "Break the silence!"