Kindernothilfe. Gemeinsam wirken.

Heinrich-Heine-Gymnasium in Köln: Engagement seit 45 Jahren

Text: Gunhild Aiyub, Fotos: Ralf Krämer

Das Heinrich-Heine-Gymnasium feiert in diesem Jahr ein unglaubliches Kindernothilfe-Jubiläum. Für uns ein Grund, diese engagierte Schule, ihre Kindernothilfe-AG und die beiden zuständigen Lehrerinnen, am Tag der offenen Tür persönlich kennenzulernen.

Über den Schulhof des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Köln-Ostheim trotten aus verschiedenen Richtungen lange Schlangen von Kindern und Eltern – immer im Gänsemarsch hinter Jugendlichen her, die ein Schild hochhalten. Der Tag der offenen Tür, ein Kennenlerntag für alle, die im nächsten Schuljahr hier unterrichtet werden, ist schon in vollem Gange.

Im Foyer herrschen Riesengedränge und lautes Stimmengewirr, untermalt vom Rhythmus zahlreicher Trommeln. Trommeln? „Ja, der Trommelkurs in der Aula probt seinen großen Auftritt“, ruft Lena Peschlow laut, um das Getöse zu übertönen. Ein erster Hinweis auf die vielen Angebote, die das Gymnasium neben dem Lehrplan bereithält. Der Empfang durch Lena Peschlow und Pia Hillringhaus ist herzlich. Seit zwölf Jahren betreuen die beiden Lehrerinnen die Kindernothilfe-AG.

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Kokoskekse und Himbeer-Mango-Marmelade

Ein Menschenauflauf knubbelt sich vor mehreren Basartischen. Ein gutes Zeichen, hat doch hier die Kindernothilfe-AG Stellung bezogen. Schließlich fließen die heutigen Einnahmen in die Spendenkasse für die neun Patenkinder der Schule. Und die Chancen, dass auch etwas gekauft wird, sind groß: Es gibt zum Beispiel unzählige Tüten mit mehreren Kekssorten. „Die haben wir am Dienstag in der Schulküche selbst gebacken“, erklärt AG-Mitglied Ghufran (14) stolz, „wir sind extra zwei Stunden länger geblieben!“ Es gibt Butterplätzchen, Kekse mit Schokoladen-, Vanille- oder Kokosgeschmack. Sie kosten nur 2 Euro, und die Zahl der Tüten schrumpft schnell.

Daneben, Glas an Glas, lockt ein leckeres Marmeladen-Sortiment – die Himbeer-Mango-Mischung z. B. ist wirklich ein kulinarisches Erlebnis! Hier haben die Eltern zu Hause mitgeholfen, damit die AG-Mitglieder dieses beeindruckende Angebot verkaufen können. Auf lila und rotem Samt präsentieren die Mädchen außerdem Schmuck, mit Dot-Technik verzierte Steine, Schlüsselanhänger und Postkarten, alles selbst hergestellt von AG-Mitgliedern und zwei Lehrerinnen, die die Spendenaktion gerne unterstützt haben.

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Das Ziel für 2023: ein 10. Patenkind

Ghufran und Ranina von der Kindernothilfe-AG des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Köln (Quelle: Ralf Krämer)
Ghufran und Ranina von der Kindernothilfe-AG (Quelle: Ralf Krämer)
Ghufran und Ranina von der Kindernothilfe-AG des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Köln (Quelle: Ralf Krämer)
Ghufran und Ranina von der Kindernothilfe-AG (Quelle: Ralf Krämer)
Der Trommelkurs ist inzwischen so in seinem Element, dass man kaum noch ein Wort verstehen kann, also verziehen wir uns in die Bibliothek. Ghufran, Ranina, Cidelia, Maja und Amelie setzen sich auf die modernen bunten Sitzmöbel vor unsere Kamera und erzählen aus dem Stegreif – so als würden sie das täglich machen - über ihr Engagement in der Kindernothilfe-AG. Material für unseren Instagram-Kanal.
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Cidelia, Maja und Amelie von der Kindernothilfe-AG des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Köln (Quelle: Ralf Krämer)
Auch Cidelia, Maja und Amelie haben die Kindernothilfe-AG gewählt (Quelle: Ralf Krämer)
Cidelia, Maja und Amelie von der Kindernothilfe-AG des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Köln (Quelle: Ralf Krämer)
Auch Cidelia, Maja und Amelie haben die Kindernothilfe-AG gewählt (Quelle: Ralf Krämer)
Seit 2017 sorgt die AG dafür, dass die Kindernothilfe in der Schule bekannt wird. Ihre zwei Stunden jeden Dienstag gelten als Unterricht. Probleme, den Kurs vollzubekommen gab es noch nie. In diesem Schuljahr engagieren sich 25 Mädchen aus der 8. und 9. Klasse. Was bewegt junge Leute, in einer Kindernothilfe-AG aktiv zu werden, zumal es bei den Nachmittagskursen sehr große Konkurrenz gibt – etwa Fuß- und Volleyball, Musik, Spiele und Basteln. „Meine Eltern kommen aus einem Land, in dem viele Kinder nicht zur Schule gehen können“, erklärt Ghufran. „Sie unterstützen privat Kinder aus armen Ländern, und deshalb mache ich bei der Kindernothilfe-AG mit.“ Cidelia (14) hat die AG jetzt schon zum 2. Mal gewählt, „weil mich die Projekte sehr begeistert haben. Und weil ich es mag, anderen zu helfen.“ Maja (14) möchte „Kindern Bildung ermöglichen.“ Deshalb gibt die AG folgendes Ziel für 2023 an: ein 10. Patenkind aufzunehmen. Und Ranina (13) ergänzt: „Und wir wollen im nächsten Jahr mit den ukrainischen Flüchtlingen an unserer Schule zusammenarbeiten.“
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Die Lehrerinnen Pia Hillmann und Lena Peschlow mit Ranina und Ghufran von der Kindernothilfe-AG (Quelle: Ralf Krämer)
Die Kindernothilfe-AG und ihre beiden Lehrerinnen Pia Hillringhaus und Lena Peschlow sind ein tolles Team (Quelle: Ralf Krämer)
Die Lehrerinnen Pia Hillmann und Lena Peschlow mit Ranina und Ghufran von der Kindernothilfe-AG (Quelle: Ralf Krämer)
Die Kindernothilfe-AG und ihre beiden Lehrerinnen Pia Hillringhaus und Lena Peschlow sind ein tolles Team (Quelle: Ralf Krämer)
Man spürt, der Zusammenhalt in der Gruppe ist gut, die Beziehung zwischen Lehrerinnen und Mädchen vertrauensvoll und von Wertschätzung geprägt. „Unser Vorgänger meinte, das sei eine ganz erfüllende Aufgabe, womit er ja auch recht hat“, erinnert sich Lena Peschlow. „Er behauptete auch: ‚Ach, eigentlich ist das gar keine Arbeit, so ein bisschen Geld einzusammeln …‘ Sie lacht! „Das stimmt so nicht, aber es macht trotzdem Spaß.“
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900 Schülerinnen und Schüler aus mehr als 100 Nationen

„Wir konnten die Zahl selbst gar nicht glauben“, gibt Lena Peschlow zu, „aber wenn man die Elterngeneration hinzuzieht, dann sind es tatsächlich so viele an unserem Gymnasium. Und ähnlich viele Sprachen haben wir hier, wir sind also ganz vielfältig.“
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Die Kindernothilfe-AG spendet auch die Einnahmen des Basars (Quelle: Ralf Krämer)
Neben ihren 9 Patenkindern unterstützt die Schule auch Nothilfeprojekte (Quelle: Ralf Krämer)
Die Kindernothilfe-AG spendet auch die Einnahmen des Basars (Quelle: Ralf Krämer)
Neben ihren 9 Patenkindern unterstützt die Schule auch Nothilfeprojekte (Quelle: Ralf Krämer)

Seit 45 Jahren unterstützt das Heinrich-Heine-Gymnasium Patenkinder bei der Kindernothilfe. „Wir sind stolz darauf, dass unsere Kinder so engagiert sind“, schwärmen die beiden Lehrerinnen. „Hier in Ostheim leben viele Familien, die finanziell nicht so gut gestellt sind. Aber wir erleben, dass gerade sie so großzügig sind und ein Herz für die Kindernothilfe haben. Dass wir schon so lange die vielen Patenkinder halten können und immer genug Geld für die Überweisung da ist, das sehen wir nicht als selbstverständlich an. Und da kommen wirklich Kinder, die ihr Taschengeld bringen. Auch im Kollegium wird gespendet.“ Die Schulleitung steht hinter diesem großartigen Engagement, und alle die spenden, bekommen einen positiven Eintrag ins Zeugnis!

Um die neuen fünften Klassen mit der Kindernothilfe bekannt zu machen, zeigen die Lehrerinnen zu Beginn eines Schuljahres einen Kindernothilfe-Film. „Ich habe neulich im Reliunterricht noch mal einen Ausschnitt aus einem der Filme gezeigt“, erzählt Lena Peschlow. „Eine Schülermutter sprach mich später darauf an, ihr Sohn sei ganz aufgewühlt nach Hause gekommen und hätte gesagt: ‚Mama, du glaubst gar nicht, wie gut wir es haben. Kinder in anderen Ländern, die so alt sind wie ich, müssen arbeiten.‘ Mir war das vorher gar nicht so bewusst gewesen, aber für viele Mädchen und Jungen hier bei uns ist das erst einmal ein Schock, wenn sie sehen, dass andere arbeiten müssen.“


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Die Patenkinder gehören dazu

Ein Poster mit den Fotos und Namen der 9 Patenkinder im Heinrich-Heine-Gymnasium (Quelle: Ralf Krämer)
Eine Übersicht über die Patenkinder der Schule hängt in der Schule aus (Quelle: Ralf Krämer)
Ein Poster mit den Fotos und Namen der 9 Patenkinder im Heinrich-Heine-Gymnasium (Quelle: Ralf Krämer)
Eine Übersicht über die Patenkinder der Schule hängt in der Schule aus (Quelle: Ralf Krämer)
Die neun Mädchen und Jungen, die die Schule in Indien, Pakistan, Thailand und Bolivien unterstützt, sind an vielen Orten präsent. Im Erdgeschoss hängt ein Plakat mit allen Fotos und Hinweisen, in welchem Land sie leben. Außerdem bekommt jede Klasse ein Vorstellungsplakat von ihrem jeweiligen Patenkind, gebastelt von der Kindernothilfe-AG. Und wie wird der Briefwechsel gehandhabt? „Die Klassen und auch die AG schreiben ihren Patenkindern regelmäßig und gern. Viele finden es allerdings schade, dass der Austausch nicht direkter ist“, gibt Pia Hillringhaus zu. „Wenn sie einen Brief schreiben, kommt ja nicht nächste Woche schon eine Antwort. Sie pflegen ihre meisten Kontakte online, das würden sie sich auch für die Patenkinder wünschen.“ Die Lehrerinnen erklären ihnen dann, dass viele Kinder weit draußen auf dem Land wohnen. Dort gibt es oft gar keinen Strom oder nur stundenweise, keine Computer, keine Handys.
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Derart engagierte Schulen bezieht die Kindernothilfe auch immer gern in ihre Kampagnen und Veranstaltungen mit ein. Zum Auftakt der Action!Kidz-Kampagne 2017 z. B. schwangen HHG-Schülerinnen und -Schüler zusammen mit der Kölner Band Brings die Mistgabeln, um das Elefantengehege des Kölner Zoos auf Vordermann zu bringen. Diese Aktion war ein Highlight, von dem Jugendliche bis heute reden, weiß Lena Peschlow: „Abiturienten sollten ihr schönstes Schulerlebnis für die Abizeitung aufschreiben, und ein Mädchen sagte: ‚Der Zoobesuch mit der Kindernothilfe!‘“

Auch die Klimaaktivisten aus Kindernothilfe-Projekten, die seit Jahren immer wieder in Deutschland auf Schultournee gehen, machen in Köln Station. 2021 kamen sie aus Pakistan und Südafrika. Achtklässlerin Amelie (13) hat die AG zum ersten Mal gewählt und ist mit ihrer Wahl sehr zufrieden. „Wir hatten viel Spaß mit den Klimaaktivisten. Man konnte sich gut mit ihnen unterhalten, z. B. darüber, wie es bei ihnen zu Hause ist und was bei ihnen anders ist als bei uns.“
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Schülerinnen der Kindernothilfe-AG mit zwei jungen Leuten aus Kindernothilfe-Projekten in Südafrika (Quelle: Lennart Walrich)
Bei der Kindernothilfe-Schultour kommen die Teilnehmenden aus Projekten z. B. in Südafrika auch immer beim Heinrich-Heine-Gymnasium vorbei (Quelle: Lennart Wallrich)
Schülerinnen der Kindernothilfe-AG mit zwei jungen Leuten aus Kindernothilfe-Projekten in Südafrika (Quelle: Lennart Walrich)
Bei der Kindernothilfe-Schultour kommen die Teilnehmenden aus Projekten z. B. in Südafrika auch immer beim Heinrich-Heine-Gymnasium vorbei (Quelle: Lennart Wallrich)

Unglaubliche 1.500 Euro beim Adventsbasar

„Herausforderung annehmen, Haltung entwickeln, Gemeinschaft stärken“, lautet das Motto des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Nach dem, was wir bei unserem Besuch in Köln erlebt haben, erfüllt die Kindernothilfe-AG diese Vorgabe mit Bravour!

Draußen vor den Fenstern der Bibliothek schlängeln sich immer noch Trupps von Kindern und Eltern über den Schulhof. Bald wird es wieder neue fünfte Klassen geben. Und auch sie werden die Patenkinder kennenlernen und vielleicht sogar unterstützen. Ach übrigens – der Basar der Kindernothilfe-AG brachte in nur vier Stunden unfassbare 1.090 Euro ein! „Der Erlös wurde durch weitere Spenden aufgestockt“, schrieb uns Lena Peschlow im neuen Jahr, „sodass wir 1.500 Euro für das Projekt am Horn von Afrika überweisen können – zusätzlich zu den Patenschaftsbeiträgen, die im Januar fällig sind. Dafür sind wir sehr dankbar!“

Und die Kindernothilfe ist stolz und dankbar, diese Schule an ihrer Seite zu haben!

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Über die Autorin

Gunhild Aiyub (Quelle: Jakob Studnar)
Gunhild Aiyub ist seit 1986 Redakteurin bei der Kindernothilfe und zuständig für die Kindermedien, den Jahresbericht und das Kindernothilfe-Magazin. 
    

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