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Zerstörung nach dem Taifun Haiyan auf den Philippinen. (Quelle: Jakob Studnar)

Klimawandel:
Es trifft die Ärmsten der Armen

Der Klimawandel ist da. Überschwemmungen, Dürren und heftige Hurrikane bedrohen immer mehr Menschen im globalen Süden. Mehr als 99% der Todesopfer, die mit steigenden Temperaturen und extremem Wetter zusammenhängen sind dort zu verzeichnen. Es trifft also jene Menschen, die am wenigsten beigetragen haben zum Klimawandel. 80% der Opfer sind Kinder. Sie leiden unter den Folgen am meisten. Wenn Hochwasser, Wirbelstürme oder Dürren die Ernährungsgrundlage nehmen, ist ihre Entwicklung gefährdet.

Die globale Temperatur steigt - mit gravierenden Folgen

Doch was genau heißt ein Wandel des Klimas für uns? Ein Gremium internationaler Wissenschaftler (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) geht davon aus, dass bis zum Jahr 2100 - bei ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen - die globale Durchschnittstemperatur um 0,3 °C bis 4,8 °C ansteigt. Wieso? Eine Ursache des Temperaturanstiegs sind die hohen CO2-Emissionen. Das Kohlendioxid entsteht beispielsweise bei Verbrennungsvorgängen in Anlagen und Motoren, bei der Wärmegewinnung, Müllverbrennung, oder auch im Straßenbau und Flugverkehr. Die Industrieländer verursachen den größten Anteil der weltweiten CO2-Emissionen. Zum Vergleich: Ein Deutscher verursacht 9 Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr, ein Bangladeschi dagegen nur 380 Kilogramm. Grundsätzlich sind Treibhausgase wie Wasserdampf, Kohlenstoffdioxid oder Methan nicht schädlich für die Erde. Im Gegenteil. Ohne sie wäre ein Leben nicht möglich, denn sie schützen unseren Planeten und sorgen wie das Glas eines Treibhauses dafür, dass wir eine Durchschnittstemperatur von etwa 15° Grad Celsius haben. Ohne diese Gase wäre es für jegliches Leben zu kalt. Die steigende Konzentration der Treibhausgase durch die genannten Prozesse sorgt jedoch auch für einen Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde. Mit gravierenden Folgen:

Kinder und Familien im Überschwemmungsgebiet.
Mutter und Kind warten auf Rettung vor dem Hochwasser.
  • Das arktische Eis schmilzt und durch die erhöhte Wassertemperatur dehnt sich das Wasser aus, was zu einem Anstieg des Weltmeerspiegels von bis zu 82 cm führen könnte. Mehr als doppelt so viele Menschen wie heute wären von Überschwemmungen bedroht.
  • Der Anstieg der Temperaturen sorgt auch für stärkere Verbreitung von Wärme liebenden Schädlingen und Krankheitserregern (z.B. Malaria). Epidemien nehmen zu.
  • Das Wetter ändert sich. Einige Regionen werden in Zukunft mit größeren Dürren zu kämpfen haben (z.B. der Osten Afrikas), andere müssen immer häufiger mit Überschwemmungen fertig werden (z.B. Südasien).

Der Weltklimarat IPCC veröffentlichte in den Jahren 2013 und 2014 den Fünften Sachstandsbericht. Er besteht aus den Beiträgen der drei IPCC-Arbeitsgruppen und einem übergreifenden Synthesebericht.

  • Kinder und Jugendliche trifft es besonders hart

    Kinder trifft der Klimawandel besonders hart. Ihnen drohen Hunger und Krankheiten, oft gefährden die Folgen des veränderten Klimas die Lebensgrundlagen ganzer Familien. Eine Studie aus Uganda belegt, dass wirtschaftliche Not durch Dürren z.B. das Problem früher Heirat verschärft. In Dürreperioden verheiraten Familien ihre minderjährigen Töchter, um die Anzahl der zu ernährenden Familienmitglieder zu reduzieren und mit Hilfe des Brautpreises die übrigen Kinder durchzubringen.

    Ein Mangel an sauberem Trinkwasser führt bei vielen Kindern zu Erkrankungen. An Durchfallerkrankungen sterben jedes Jahr rund 1,1 Millionen Kinder. Eine Krankheit, die in Industrieländern problemlos heilbar ist. Unreines Wasser führt darüber hinaus zu Behinderungen oder Erblindung. Durch Überschwemmungen in Verbindung mit steigenden Temperaturen breiten sich Moskitos rasant aus, Malariaepidemien sind die Folge und kosten vielen Kindern das Leben.

    Auch die steigende Zahl der Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels trifft Kinder hart. Gegenwärtig werden jedes Jahr schätzungsweise 250 Millionen Menschen Opfer von Naturkatastrophen. Bedingt durch den Klimawandel rechnen Experten bis zum Jahr 2016 mit einem weiteren Anstieg auf 350 Millionen Betroffene jährlich. Allein 175 Millionen davon werden Kinder sein. Der Großteil von ihnen lebt in Armut.

  • Was bedeutet Klimawandel für die Entwicklungszusammenarbeit?

    Die größten Verursacher des Klimawandels sind die Industriestaaten, aber die Folgen bekommen vor allem die Entwicklungsländer zu spüren. Sie können sich kaum schützen vor Überschwemmungen und Dürrewellen. Da sie schon mit Armut, Krankheiten und bewaffneten Konflikten zu kämpfen haben, trifft sie eine Naturkatastrophe besonders hart. Zum Beispiel bei Überschwemmungen: Hütten aus Holz oder Pappe klappen wie Kartenhäuser zusammen, es gibt in armen Ländern kaum Notunterkünfte, in die sich die Menschen retten können, die Fluten nehmen den Menschen die Lebensgrundlage. Keine Versicherung springt ein, niemand hat Sparkonten oder andere Rücklagen.

    Die Industrieländer tragen die Hauptverantwortung dafür, die Folgen des Klimawandels zumindest zu mildern. Es ist wichtig die CO2-Emission weltweit zu verringern und eine klimaverträgliche Energieversorgung auszubauen, um so die Ursachen des Klimawandels zu verringern. Gleichzeitig müssen die Industriestaaten die ärmeren Länder bei ihrer Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Nur so wird es diesen Ländern möglich sein, sich an veränderte klimatische Bedingungen, wie häufige Dürren oder Überschwemmungen z.B. durch den Anbau dürreresistenter Pflanzen oder Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser, anzupassen. Auch müssen ärmere Staaten direkt auf umweltschonende und lokal angepasste Energiequellen setzen können.

    Vom 30. November bis zum 11. Dezember 2015 wird die 21. UN-Klimakonferenz in Paris stattfinden. Dort soll als Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll ein neues Abkommen mit verbindlichen Klimazielen für alle 194 Mitgliedstaaten der UN-Klimarahmenkonvention verabschiedet werden. Nur mit ehrgeizigen Zielen - und deren Umsetzung - für die Verringerungen der Treibhausgase und die Finanzierung von Anpassungsmassnahmen lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels in den Ländern des globalen Südens verringern.

  • Kindernothilfe: Aktiver Klimaschutz in Nord und Süd

    Die Kindernothilfe und ihre Partner berücksichtigen bei ihren Projektplanungen die Veränderungen in den betroffenen Regionen. Außerdem fördert sie Projekte, die die Menschen vor den Bedrohungen des Klimawandels schützen und in denen Präventivmaßnahmen durchgeführt werden. Zum Beispiel lernen die Menschen in Äthiopien in Selbsthilfegruppen mit Energie-Spar-Öfen zu kochen. Somit sind vor allem Frauen und Kinder weniger dem gefährlichen Rauch ausgesetzt und es wird weniger Holz zum Verbrennen benötigt. Gleichzeitig pflanzen sie auch Bäume, die sie als Brennholz benutzen. Wie in vielen anderen Ländern Afrikas schwand der Baumbestand rapide. Wind und Regen sorgten dafür, dass der Boden abgetragen und Felder in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Aufforstung und die Energie-Spar-Öfen kommen damit sowohl der Umwelt als auch den Menschen zu Gute. Bei einem Klimakongress in Chennai, Indien, kamen 2009 rund 1000 Kinder aus Nord- und Südindien zusammen, zeigten die spürbaren Folgen des Klimawandels für ihre Dörfer auf und suchten gemeinsam nach Lösungen.

    Darüber hinaus setzen wir uns auch in Deutschland im Rahmen unserer Lobbyarbeit für einen aktiven Klimaschutz ein. Wir sind Mitglied der "Klima-Allianz", einem Bündnis aus Umwelt- und Entwicklungsorganisationen in Deutschland. Die Kindernothilfe ist Erstunterzeichnerin der entwicklungspolitischen Klimaplattform der Kirchen, kirchlichen Entwicklungsdienste und Missionswerke.

    Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle in Duisburg setzen sich ein für den Klimaschutz. Jedes Jahr beteiligen sich viele Mitarbeitende an einer Radaktion, die zu umweltfreundlicher Mobilität motivieren möchte. Auf dem Dach der Geschäftsstelle produziert eine Solarstromanlage umweltfreundlichen Strom.

  • Klima-Allianz – ein starkes Bündnis für den Klimaschutz

    Klima Allianz Neues Logo
    Ein starkes Bündnis für nachhaltige Klimapolitik!

    Die Klima-Allianz ist ein breites gesellschaftliches Bündnis aus insgesamt über 110 Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen. Sie setzen sich für eine nachhaltige Klimapolitik ein. Eine der zentralen Forderungen der Allianz: Klima- und Energiepolitik müssen zum Bestandteil der Entwicklungspolitik werden. Nur so können die Überwindung der Armut, die Ziele für nachhaltige Entwicklung und die Stabilisierung unseres Klimas erreicht werden.

    Neben aktiver Lobbyarbeit in Deutschland stehen auch öffentlichkeitswirksame Aktionen auf der Agenda. So beteiligen sich jedes Jahr Tausende am Klimaaktionstag mit kreativen Ideen und Forderungen zum Klimaschutz an politische Entscheidungsträger.

    Auch die Energiewende in Deutschland hat das Bündnis im Blick: Die Energiewende ist ein gesamtgesellschaftliches Projekt und muss als partizipativer Prozess bürgernah und unter Beteiligung aller gesellschaftlichen Akteure bei Planung, Umsetzung und Bewertung der Fortschritte gestaltet werden.

     

     

     

     

     

     

  • Beispiel: Die Rallye der „Grünen Botschafter"

    1.000 indische Kinder, die noch nie aus ihrer Heimatregion herausgekommen sind, gehen auf Tour - bis zu 1.200 Kilometer weit. Sie kommen aus verschiedenen Bundesstaaten, sprechen unterschiedliche Sprachen, kämpfen aber für dieselbe Sache: ihr Recht auf eine saubere Umwelt. Sie informieren, demonstrieren und überreichen am Ende ihrer Reise dem indischen Arbeitsminister ihre Forderungen an die Politiker.

    Lesen Sie hier die ganze Geschichte

  • UN-Klimakonferenz

    Die UN-Klimakonferenz ist die jährlich stattfindende Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). In diesem internationalen Übereinkommen haben sich alle Industrieländer zur Reduzierung ihres Ausstoßes an Treibhausgasen verpflichtet. Auf der dritten Vertragsstaatenkonferenz (1997) wurde das "Kyoto-Protokoll" angenommen. In ihm verpflichten sich alle Industriestaaten, ihre gemeinsamen Emissionen der wichtigsten Treibhausgase im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens 5 % unter das Niveau von 1990 zu senken.

    Die 21. Internationale Klimakonferenz (COP 21) ist als größtes diplomatisches Ereignis der Welt nach zähen Verhandlungen am Abend des 12. Dezembers 2015 erfolgreich zu Ende gegangen.

    Die Klima-Allianz Deutschland bewertet das Abkommen als wichtigen Schritt für mehr globalen Klimaschutz. Die Forderung nach einer Begrenzung von 1,5 Grad Temperaturanstieg ist im Abkommen überraschend berücksichtigt worden. Das Abkommen sendet ein starkes Signal zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas und kann die Grundlage für das Überleben der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Staaten legen. Es bedeutet den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bis Mitte des Jahrhunderts und zusätzlich Treibhausgasneutralität der anderen Sektoren in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Ein Nachbesserungsmechanismus der nationalen Klimaschutzziele sowie Langfristziele sollen sicherstellen, dass wir auf einen 2- bis 1,5-Grad-Pfad einschwenken.

    Nun kommt es auf die Staaten an, die richtigen Weichen zu stellen, denn das Pariser Abkommen kann nur so gut sein, wie dessen nationale Umsetzung. Die Regierungen müssen beweisen, dass Sie es ernst meinen mit der Eindämmung des Klimawandels und ihre angekündigten Klimaschutzmaßnahmen umsetzen und kontinuierlich hochschrauben.

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