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Drei Fragen zum Einbruch des deutschen Entwicklungs-Budgets
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"Damit werden die Spielräume für Kinder immer kleiner."

Guatemaltekische Kinder in San Andres (Quelle: Fabian Strauch)
(Quelle: Fabian Strauch)
Guatemaltekische Kinder in San Andres (Quelle: Fabian Strauch)
(Quelle: Fabian Strauch)

Jetzt ist es amtlich: Deutschlands ODA-Quote – der Anteil öffentlicher Mittel für Entwicklungszusammenarbeit am Bruttonationaleinkommen – sank 2025 auf nur noch 0,56 Prozent. Für Kinder und Jugendliche weltweit bedeutet das: weniger Zugang zu Bildung, Gesundheit und Schutz. Warum Sparen an dieser Stelle kurzsichtig ist, welche globalen Risiken daraus erwachsen und weshalb Investitionen in Kinderrechte auch im deutschen Interesse liegen, erläutert unser Advocacy Manager Frank Mischo.

Deutschland kürzt seine Entwicklungsgelder. Was bedeutet das für Kinderrechte weltweit?

Frank Mischo: Die Kürzungen führen dazu, dass vorhandene Mittel stärker priorisiert werden müssen – etwa zugunsten akuter Ernährungshilfe. Gleichzeitig fehlen dadurch Gelder für andere zentrale Bereiche wie Armutsbekämpfung, Bildung oder die Reduktion der Kindersterblichkeit. Ein konkretes Beispiel: Laut UN leben 676 Millionen Frauen in einem Umkreis von 50 Kilometern um tödliche Konfliktgebiete. Dringend benötigte Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt, zur Gesundheitsversorgung und zur wirtschaftlichen Teilhabe können nun nicht mehr finanziert werden. Wir reden von Einsparungen in dramatischem Umfang: Deutschland verausgabte im vergangenen Jahr 5 Milliarden Euro oder 17,4 % weniger als 2024, international sanken die öffentlichen Mittel der Geberländer im Vergleich zum Vorjahr sogar um fast ein Viertel. Hinzu kommt: Durch die mittelfristige Finanzplanung der Bundesregierung drohen weitere Kürzungen. Damit werden die Spielräume immer kleiner, um Kinderrechte weltweit wirksam zu fördern und umzusetzen. Für Kinder und Jugendliche bedeutet das konkret: schlechtere Lebensbedingungen, weniger Zugang zu grundlegender Versorgung und geringere Zukunftschancen.

Weltweit nehmen Krisen zu. Spart Deutschland an der falschen Stelle?

Mischo: Wenn gespart werden muss, sind Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe das falsche Signal - weil sie kurzsichtig sind und Menschenleben kosten. Beispiel globale Gesundheitsversorgung: Weniger Geld für Impfprogramme oder Pandemieprävention kann auch für Deutschland gravierende Folgen haben. Im Übrigen hat die Weltbank schon vor Jahren vorgerechnet, dass wir für jeden US-Dollar, der nicht in Entwicklung und Nachhaltigkeit fließt, später vier Dollar in humanitäre Hilfe investieren müssen. Programmatisch konzentriert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit aktuell stärker auf wenige Konfliktregionen, etwa auf die Ukraine oder den Nahen Osten. Diese Hilfe ist wichtig, reicht aber nicht aus, um den weltweiten Bedarf zu decken. Andere Krisen geraten dadurch in den Hintergrund. Zudem schwächen die Einsparungen die humanitäre Hilfe und langfristige Entwicklungsprojekte insgesamt.

Was wäre für Deutschland – auch im eigenen Interesse – als Entwicklungshilfe angemessen?

Mischo: Bereits 1970 haben die Vereinten Nationen festgelegt, dass wirtschaftlich starke Länder 0,7 % ihres Bruttonationaleinkommens für öffentliche Entwicklungsleistungen (Official Development Assistance, ODA) bereitstellen sollen. Dieses Ziel gilt bis heute als zentraler Maßstab für eine angemessene Finanzierung internationaler Zusammenarbeit. Die Einhaltung dieses Ziels - in Deutschland lag die Quote 2025 bei 0,56 Prozent - wäre nicht nur ein Ausdruck globaler Verantwortung, sondern läge auch im nationalen Interesse. Eine verlässliche und ausreichend ausgestattete Entwicklungszusammenarbeit kann dazu beitragen, Armut zu reduzieren, Bildung und Gesundheitsversorgung zu stärken und Gesellschaften widerstandsfähiger gegenüber Krisen zu machen.

Zudem spielt sie eine wichtige Rolle bei der Prävention von Konflikten und Fluchtursachen – etwa durch die Bekämpfung der Folgen des Klimawandels oder durch wirtschaftliche Perspektiven vor Ort. Investitionen in diese Bereiche sind daher auch Investitionen in globale Stabilität und Sicherheit. Darüber hinaus würde Deutschland mit der Einhaltung des 0,7 %-Ziels seine internationalen Verpflichtungen unterstreichen und einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung von Kinderrechten weltweit leisten. Eine solche Politik wäre nicht nur solidarisch, sondern auch strategisch sinnvoll.

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