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Der Taifun "Kalmaegi" trifft auf Catanduanes auf den Philippinen, November 2025 (Quelle: BCCD)
3 Fragen an Telay Echano, Kindernothilfe-Landeskoordinatorin für die Philippinen, zu der Sturmlage vor Ort
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"Schon das Geräusch von Starkregen macht den Kindern Angst"

Auf den Philippinen sind Taifune eine wiederkehrende Bedrohung. Durch den Klimawandel werden sie immer heftiger und intensiver. Besonders Kinder leiden darunter, denn ihre Sicherheit, Bildung und ihr psychisches Wohlbefinden sind dadurch langfristig gefährdet. Telay Echano, unsere Landeskoordinatorin für die Philippinen, erklärt, wie Gemeinden davon betroffen sind und was unsere Partnerorganisationen vor Ort tun.
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Portrait Telay Echano, Kindernothilfe-Länderkoodinatorin der Philippinen (Quelle: Ludwig Grunewald)
Telay Echano, Landeskoordinatorin für die Philippinen (Quelle: Ludwig Grunewald)
Portrait Telay Echano, Kindernothilfe-Länderkoodinatorin der Philippinen (Quelle: Ludwig Grunewald)
Telay Echano, Landeskoordinatorin für die Philippinen (Quelle: Ludwig Grunewald)

Wie wirken sich Taifune auf den Alltag in den Philippinen aus? Inwiefern hat sich ihre Intensität in den letzten Jahren verändert?

Telay Echano: In unserer Region sind etwa 20 Taifune pro Jahr eine natürliche Erscheinung. Für uns ist ein Taifun weit mehr als nur ein Wetterereignis. Er beginnt bereits vor dem ersten Regen, ein Prozess aus Vorbereitung, Unsicherheit und Widerstandsfähigkeit. Bereits Tage vorher sichern Familien Fenster, Dächer und sogar Bäume, um Schäden zu vermeiden. Sie kaufen Vorräte für mindestens drei Tage, bereiten Notfalltaschen vor und achten darauf, dass auch Haustiere und Nutztiere sicher sind.
Doch in den letzten Jahren hat sich die Situation verändert: Die Taifune scheinen stärker und unberechenbarer zu werden. Früher reichten die Warnstufen 1 bis 3. Heute gibt es Kategorie 4 und 5.

Die Vorbereitung muss heute weiter gehen als nur die Sicherung des Hauses. Es geht auch um die Bewältigung von Überschwemmungen, langfristigen Stromausfällen und Schäden an Infrastruktur wie Brücken oder Schulen. Besonders wichtig ist es, Evakuierungswege zu kennen, Notfallkontakte parat zu haben und den Anweisungen der lokalen Behörden zu folgen. In unserer Arbeit zeigt sich, dass die Vorbereitung am effektivsten ist, wenn sie gemeinschaftlich organisiert wird.

 

Welche spezifischen Gefahren und langfristigen Folgen haben Taifune für Kinder?

Telay Echano: In Katastrophen sind Kinder oft am stärksten betroffen, da sie von Erwachsenen für Schutz, Sicherheit und Informationen abhängig sind. Akute Lebensgefahren entstehen durch Verletzungen oder Ertrinken bei Überschwemmungen sowie durch Krankheiten, die mit verunreinigtem Wasser übertragen werden. Wenn die Versorgungsstrukturen zusammenbrechen, fehlt es an sauberem Trinkwasser oder medizinischer Hilfe, was ihre Notlage weiter verschärft.

Doch die größten Herausforderungen zeigen sich oft erst später: In überfüllten Evakuierungszentren sind Kinder einem erhöhten Missbrauchsrisiko ausgesetzt. Kinder mit Behinderungen stoßen bei der Evakuierung auf zusätzliche Hindernisse. Wenn Schulen und Lernzentren durch den Sturm zerstört werden, entfällt monatelang der Unterricht und ihr Bildungsweg wird unterbrochen. Währenddessen hinterlässt der Verlust von alltäglichen Routinen und dem eigenen Zuhause tiefe emotionale Spuren. Ängste, Albträume und ein allgemeines Unsicherheitsgefühl prägen ihren Alltag. Besonders stark sind Kinder davon betroffen, wenn sie schon einmal einen Taifun erlebt haben. Dann macht allein schon das Geräusch von starken Regen den Kindern Angst.

Am schwersten wiegt jedoch der Zusammenbruch des Schutzsystems, wenn Katastrophen wiederholt auftreten. Kinder aus armen oder abgelegenen Gemeinschaften haben kaum Möglichkeiten zur Evakuierung, Hilfe oder Rückkehr in den Schulalltag. Die psychologischen Folgen sind oft unsichtbar, aber bleiben am längsten: Kinder erleben Trauma, Unsicherheit und emotionalen Stress. Am verwundbarsten sind Kinder, die von ihren Eltern oder Betreuungspersonen getrennt werden.

 

Wie bereiten sich Gemeinden und unserer Partnerorganisationen auf das erhöhte Taifun-Risiko vor?

Telay Echano: Die Vorbereitung basiert auf einer Kombination aus individuellen und gemeinschaftlichen Maßnahmen. Familien beobachten die Vorhersagen des Wetteramts (PAG-ASA) und die Regenfallwarnungen des Nationalen Rates für Katastrophenrisikomanagement (NDRRMC). Sie überprüfen Risiken zu Hause, etwa Überschwemmungsgefahr, mögliche undichte Stellen bei starkem Regen, Verstopfungen in Abflüssen und Rinnen sowie mögliche Stromausfälle. Zusätzlich packen sie  Notfalltaschen mit Grundvorräten, sodass ausreichend Wasser, Notlichter, Batterien und Nahrungsmittel für drei Tage bereitstehen. Wichtige Dokumente werden gesichert, und es gibt klare Familienkommunikationspläne.

Unsere lokalen Partnerorganisationen führen Risikobewertungen durch und entwickeln Protokolle für den Ernstfall. Sie definieren klare Handlungsauslöser, etwa ab welcher Warnstufe welche Aktivitäten eingestellt werden oder die Arbeit remote stattfinden muss. Dazu gehören regelmäßige Übungen, die Auswertung vergangener Stürme zur Verbesserung der Evakuierungspläne sowie die Einrichtung von Frühwarnsystemen. Selbsthilfegruppen (SHGs) legen Notfallfonds aus gemeinsamen Ersparnissen an, entwickeln Vorbereitungspläne für Familien und identifizieren besonders gefährdete Haushalte. In Gemeinden mit geringem Platz in offiziellen Evakuierungsräumen werden oft stabile Privathäuser als temporäre Schutzräume genutzt, wo Hausbesitzer*innen ihre Häuser für Nachbarfamilien zur Verfügung stellen.

Dabei arbeiten die SHGs mit Dorfgemeinschaften und lokalen Katastrophenschutzstrukturen (DRRM) zusammen, um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der gesamten Gemeinschaft in Evakuierungs- und Reaktionsplänen berücksichtigt werden. Besonders Kinder und andere vulnerable Gruppen, die besondere Unterstützung benötigen, werden priorisiert. Bei der Katastrophenvorsorge geht es nicht nur darum, die körperliche Sicherheit der Kinder während des Taifuns zu gewährleisten, sondern auch darum, ihre Rechte, ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen auch nach der Katastrophe zu schützen. Ein kindzentrierter Ansatz fragt daher nicht nur, was der Taifun zerstört hat, sondern auch, welche Unterstützung Kinder benötigen, um ihre Sicherheit, ihr Schutzsystem, ihre Bildung und ihre Zukunftschancen wiederherzustellen.

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