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Reise mit Katrin Weidemann nach Sri Lanka: Projektbesuch bei  Good Shepherd Sisters, Januar 2025
Interview
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Wo der Staat versagt, unterstützen sich die Frauen

Interview: Katharina Draub Bilder: Sharni Jayawardena

Ramya Jirasinghe arbeitet seit 2019 bei der Kindernothilfe als Landeskoordinatorin und Managerin für unsere Partner in Sri Lanka. Sie spricht über die Erfolge der Projekte und die Herausforderungen für Kinderrechte.

Wie ist die Situation für Kinder und ihre Rechte in Sri Lanka?

Sri Lanka war eines der ersten Länder, das 1991 die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert hat und auf viele Erfolge zurückblicken kann: Dazu gehören ein fast100-prozentiger Zugang zur Grundschulbildung, flächendeckende Impfungen und eine niedrige Säuglingssterblichkeitsrate. Aber: Sri Lanka beendete 2009 einen drei Jahrzehnteandauernden Bürgerkrieg und stand 2022 vor dem wirtschaftlichen Bankrott. Letzteres führte dazu, dass das Land nicht mehr in der Lage war, medizinische Grundversorgung und kostenlose Medikamente anzubieten. Während der COVID-Pandemie und der Wirtschaftskrise stieg die Zahl der Schulabbrecher sowie der sexualisierten und körperlichen Gewalt gegen Kinder. Drogenmissbrauch, Unterernährung und Diskriminierung von Mädchen und Kindern aus marginalisierten Gemeinschaften verschärfen sich weiter. Soziale Normen, der Mangel an finanziellen Ressourcen und das Desinteresse der Verantwortlichen hindern Kinder in Sri Lanka daran, ihre Rechte wahrzunehmen.

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Reise mit Katrin Weidemann nach Sri Lanka: Projektbesuch bei  Good Shepherd Sisters, Januar 2025
Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, Katrin Weidemann, zusammen mit Ramya Jirasinghe: Bereits seit 50 Jahren ist die Kindernothilfe in Sri Lanka aktiv. (Quelle: Sharni Jayawardena)
Reise mit Katrin Weidemann nach Sri Lanka: Projektbesuch bei  Good Shepherd Sisters, Januar 2025
Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, Katrin Weidemann, zusammen mit Ramya Jirasinghe: Bereits seit 50 Jahren ist die Kindernothilfe in Sri Lanka aktiv. (Quelle: Sharni Jayawardena)

Die Kindernothilfe arbeitet mit verschiedenen lokalen Partnern zusammen. Gibt es einen Schwerpunkt in der Arbeit?

Zum einen stärken wir Frauen in Gemeinden. Sie haben in unseren Selbsthilfegruppen den Schwerpunkt auf Bildung, Schutz und Ernährungssicherheit für ihre Kinder gelegt. Letzteres wird für die Landwirtschaft vieler Gemeinden aufgrund des Klimawandels zunehmend schwieriger. Zum anderen haben wir Projekte, die die direkte Beteiligung von Kindern fördern. Denn wir wissen, wie wichtig es ist, dass sie ihre Meinung sagen und sich für ihre eigene Zukunft engagieren können. Unser Bildungssystem ist nicht auf die Beteiligung von Mädchen und Jungen ausgerichtet. Darüber hinaus konzentrieren wir uns auch darauf, dass sich Frauen und Kinder ein gewaltfreies Leben aufbauen und über ethnische und religiöse Unterschiede hinweg zusammenarbeiten können.

Wie beziehen Sie lokale Gemeinschaften in Ihre Arbeit ein, und welche Rolle spielen Familien und Gemeinschaften dabei?

Unsere Projekte mit Selbsthilfegruppen sind ein Beweis für das Engagement von Familien und Gemeinschaften. Wo der Staat desinteressiert oder unfähig ist, unterstützen Frauen und Gemeinschaften schutzbedürftige Kin-der und setzen sich mutig für Kinderrechte und dafür ein, dass der Staat seinen Verpflichtungen nachkommt.

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Eine Frauen-Selbsthilfegruppe kocht gemeinsam (Foto: Sharni Jayawardena)
Die Frauen einer Selbsthilfegruppe kochen gemeinsam und unterstützen sich gegenseitig im Alltag (Quelle: Sharni Jayawardena)
Eine Frauen-Selbsthilfegruppe kocht gemeinsam (Foto: Sharni Jayawardena)
Die Frauen einer Selbsthilfegruppe kochen gemeinsam und unterstützen sich gegenseitig im Alltag (Quelle: Sharni Jayawardena)

Die Kindernothilfe ist seit 50 Jahren in Sri Lanka aktiv. Was sind die größten Erfolge?

Es gibt viele beeindruckende Erfolge. Etwa unsere Frau-en-Selbsthilfegruppen, die sich finanzielle, politische und soziale Kompetenzen angeeignet haben, damit sie zum Beispiel ihren Kindern in Schulfächern helfen können. Oder sie bringen die Regierung dazu, für die Sicherheit der Kinder zu sorgen und Buslinien in abgelegene Dörfer einzurichten, damit die Kinder zur Schule fahren können. Die Widerstandsfähigkeit, Entschlossenheit und Fähigkeiten der Frauen sind großartig.

Was muss geschehen, um Verstöße gegen Kinderrechte zu stoppen?

Der Staat muss die Strukturen dafür bieten. Und wir brauchen eine Zivilgesellschaft, die mit Kinderrechtenvertraut ist, diese wertschätzt und bereit ist, sie einzufordern und zu schützen. Wenn wir die positiven Erfolge von Frauen und Kindern in den Projekten der Kindernothilfesehen, hoffen wir, dass unsere Vision von einem Sri Lanka, in dem die Rechte jedes Kindes geschützt werden, eines Tages Wirklichkeit wird.

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