"Kinderrechte sollten selbstverständlich sein"
Text: Sophie Rutter Bilder: James Rodríguez
In ihrer Rolle als Landeskoordinatorin der Kindernothilfe berichtet Alba Arzu über die Gefahren, denen Kinder, Jugendliche und Frauen in Guatemala gegenüberstehen, und wie die Partnerorganisationen Wege zu mehr Schutz finden.
Die Kindernothilfe arbeitet in Guatemala mit neun Partnerorganisationen zusammen. Worauf liegt der Schwerpunkt?
Alba Arzu: Die Partner konzentrieren sich auf fünf Bereiche: Rechte stärken, für Schutz sorgen, Bildung und Teilhabe ermöglichen, nach klaren rechtlichen Prinzipien arbeiten und Risiken managen. Damit decken sie die Schwerpunkte der Kindernothilfe ab.
Warum ist Gewalt gegen Kinder und Frauen in Guatemala ein so großes Problem?
Alba Arzu: Die Gewalt in Guatemala nimmt weiter zu. Das hat mit Armut, großen sozialen Ungleichheiten und fehlendem Zugang zu Bildung und anderen grundlegenden Kinderrechten zu tun. Gleichzeitig spielen auch kulturelle Einstellungen wie Machismo und die Diskriminierung von Frauen eine wichtige Rolle. Mädchen und junge Frauen sind häufig von sexualisierter Gewalt, Ausbeutung und frühen Schwangerschaften betroffen. Leider werden viele Taten nicht bestraft, und staatliche Institutionen sind oft zu schwach, um ausreichend Schutz zu bieten – besonders für Frauen und Kinder. Deshalb hält diese Situation weiter an.
Wie helfen die Partner vor Ort?
Die Kindernothilfe-Partner, die zu Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen arbeiten, haben viel Erfahrung. Sie analysieren Ursachen und entwickeln Lösungen zur Prävention. Außerdem stärken sie durch Präventionsarbeit und psychosoziale Unterstützung ein sicheres und gewaltfreies Umfeld für Kinder und Jugendliche. In den vergangenen Jahren haben die Partner vor allem auf Gemeindeebene gearbeitet, und das hat sich als besonders wirksam erwiesen. So sind sie direkt mit den Menschen vor Ort in Kontakt und können auf die jeweiligen Bedürfnisse eingehen. Neben dem Thema Gewalt sind wir auch in anderen Bereichen mit professionellen Partnern aktiv und können stolz sagen, dass wir so mehr als 8000 Kinder und Jugendliche sowie mehr als 2700 Frauen erreichen.
Was wünschen Sie sich für Kinderrechte in Guatemala?
Dass alle Kinder und Jugendliche ihre Rechte selbstverständlich wahrnehmen können – ohne erst dafür kämpfen zu müssen. Sie sollen ein Leben in Würde führen und ihre Kindheit ohne die Entbehrungen erleben können, mit denen viele heute noch konfrontiert sind.




