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Die Pilzbäuerinnen zeigen ihre gezüchteten Pilze (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
23.10.2026
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Die Austernpilz-Bäuerinnen 

Gruppenfoto der Pilzbäuerinnen in Guatemala (Quelle: Katrin Weidemann/Kindernothilfe)
Gruppenfoto der Austernpilz-Bäuerinnen (Quelle: Katrin Weidemann/Kindernothilfe)
Gruppenfoto der Pilzbäuerinnen in Guatemala (Quelle: Katrin Weidemann/Kindernothilfe)
Gruppenfoto der Austernpilz-Bäuerinnen (Quelle: Katrin Weidemann/Kindernothilfe)

Zwei Ernten für den Verkauf, eine für die Familien

Die Straße wird schmaler, je weiter wir in die Berge Guatemalas hinauffahren. Sie windet sich den Hang hinauf, kaum breit genug für zwei Fahrzeuge. Wir sind unterwegs zu einer Gruppe von Frauen, die Austernpilze züchten und verkaufen. Es ist eine von vielen Selbsthilfegruppen, die wir besuchen können. Gleichzeitig gilt sie als eine der beständigsten und nachhaltigsten Gruppen. Die Frauen haben sich organisiert, das notwendige Wissen angeeignet, einen Käuferstamm aufgebaut und ihre verschiedenen Einnahmequellen miteinander verbunden. Die Austernpilz-Zucht ist eine davon.

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Die Pilzzucht der Austernpilze (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Die Pilzzucht (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Die Pilzzucht der Austernpilze (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Die Pilzzucht (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)

Austernpilze brauchen Zeit und Sorgfalt

Die Pilzzucht folgt einem festen Rhythmus. Eine Woche Vorbereitung der Grundlage, Impfen mit der Pilzbrut, regelmäßiges Bewässern und Pflegen über mehrere Wochen bis zur Reife. Dreimal im Jahr können die Frauen ernten. Zwei Ernten verkaufen sie, die dritte teilen sie untereinander auf. Die Austernpilze werden an Restaurants in der nächstgelegenen Stadt verkauft.

Jedes Körbchen, das zum Verkauf angeboten wird, enthält normalerweise 500 Gramm Pilze. Die letzte Ernte war allerdings so erfolgreich, dass manchmal schon zwei besonders große Austernpilze ausreichten, um ein ganzes Körbchen zu füllen. Ich staune bei der Vorstellung: zwei Pilze, die so schwer und groß sind, dass sie als komplette Verkaufseinheit durchgehen.

Was nach einem kleinen landwirtschaftlichen Projekt klingt, ist für die Familien der Frauen von großer Bedeutung. Mit den Einnahmen können sie den Schulbesuch ihrer Kinder finanzieren, für bessere Ernährung sorgen und Kleidung kaufen. Jede Ernte trägt dazu bei, dass die Kinder bessere Chancen bekommen.
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Eine Gruppe, viele Fähigkeiten

Alle Frauen der Gruppe sind Bäuerinnen. Die Pilze ergänzen ihre traditionelle Arbeit. Auf ihren Feldern bauen sie außerdem grünes Gemüse, Zwiebeln, Möhren und Kohl an.
Darüber hinaus nähen und sticken die Frauen. Manche Arbeiten entstehen von Hand, andere mit der Nähmaschine. Eine der Frauen zeigt mir, wie man auf der Rückseite eines Stoffes erkennen kann, ob ein Muster von Hand oder mit der Maschine gestickt wurde. Die Rückseite verrät, wie sorgfältig und regelmäßig gearbeitet wurde. Einen offiziellen Nähkurs hat keine der Frauen besucht. Sie haben die Technik von ihren Müttern abgeschaut – durch Beobachten, Nachmachen und Üben. Wissen wird hier von einer Generation an die nächste weitergegeben.
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Die Pilzbäuerinnen nähen und sticken (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Die traditionelle Handarbeit der Frauengruppe (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Die Pilzbäuerinnen nähen und sticken (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Die traditionelle Handarbeit der Frauengruppe (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)

Selbstständig statt abhängig

Viele der Frauen tragen große Verantwortung. Im Durchschnitt versorgen sie fünf bis acht Kinder – und zusätzlich ihre Eltern. Ihre Arbeit muss also für mehrere Generationen reichen.

Die Frauen sprechen kein Spanisch, ich nicht ihre lokale Sprache. Unsere Begegnung braucht deshalb Zeit und Übersetzung. Trotzdem ist schnell zu spüren, mit wie viel Klarheit und Entschlossenheit sie ihre Gruppe führen.

Auf meine Frage, was sie sich wünschen, antworten sie: kontinuierliche Unterstützung. Gleichzeitig ist ihnen bewusst, dass das Ziel der Unterstützung nicht dauerhafte Abhängigkeit sein soll. Die Anschubfinanzierung soll ihnen helfen, selbstständig und unabhängig zu werden. Genau das ist der Kern ihrer Arbeit: Sie wollen nicht dauerhaft auf Hilfe angewiesen sein, sondern ihre eigene wirtschaftliche Grundlage schaffen.

Die Austernpilze sind dafür ein gutes Beispiel. Am Anfang braucht es Unterstützung, Wissen und Material. Danach übernehmen die Frauen selbst: Sie organisieren die Produktion, pflegen die Pilze, ernten, verpacken und verkaufen sie.
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Große Austernpilze in einem blauen Körbchen (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Große Austernpilze (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Große Austernpilze in einem blauen Körbchen (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)
Große Austernpilze (Quelle: Kimberly Vindas-Rojas/Kindernothilfe)

Mais, weiße Steine und viel Schutzkleidung

Besonders interessant finde ich den Einblick in die Herstellung der Pilzgrundlage. Dafür kochen die Frauen Maiskolben. Verwendet werden das Innere und weiße Steine – das Material bildet die Basis, das Substrat, auf der die Pilzsamen angesetzt werden.

Dieser Arbeitsschritt ist nicht ungefährlich und erfordert große Sorgfalt. Die Frauen tragen Masken, Schutzkleidung und Stiefel. Die Pilzsamen kaufen sie bei einer Kooperative. Das Saatgut ist teuer und damit ein wichtiger Kostenfaktor für die Gruppe.

Es wird deutlich: Die Pilzzucht ist keine beiläufige Beschäftigung. Sie verlangt Wissen, Hygiene, Ausdauer und genaue Abläufe. Jede Phase muss gelingen, damit am Ende eine gute Ernte entsteht.
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Drei Ernten – und ein Stück Zukunft

Was mich bei diesem Besuch besonders bewegt, ist die Verbindung von Tradition und Zukunft. Die Frauen bleiben Bäuerinnen. Sie bauen Gemüse an, weben, sticken und nähen. Gleichzeitig erschließen sie sich mit der Austernpilzzucht ein zusätzliches Einkommen.

Zwei Ernten verkaufen sie. Eine Ernte teilen sie untereinander auf. Darin steckt mehr als wirtschaftliche Planung. Es zeigt auch, dass die Gruppe füreinander einsteht und die Familien direkt von ihrer gemeinsamen Arbeit profitieren.

Die Pilze verbessern nicht nur die Ernährung. Die Einnahmen ermöglichen Schulbesuch, Kleidung und weitere notwendige Ausgaben. So wächst aus kleinen Körbchen voller Austernpilze eine größere Perspektive für die Kinder.

Als wir wieder die schmale Bergstraße hinunterfahren, denke ich an die zwei besonders großen Pilze, die ein ganzes Körbchen gefüllt haben. Vielleicht sind sie ein passendes Bild für diese Gruppe: Auf den ersten Blick wirkt manches klein und unscheinbar. Doch wenn Frauen ihre Kräfte, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten bündeln, kann daraus etwas Großes entstehen. Etwas, das Familien trägt – und Kindern Zukunft eröffnet.
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Über die Autorin

Katrin Weidemann

ist seit 2014 CEO der Kindernothilfe. Mit ihren Reportagen und Blog-Beiträgen gibt sie persönliche Einblicke in ihre Arbeit.

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