Über die Autorin

Katrin Weidemann
ist seit 2014 CEO der Kindernothilfe. Mit ihren Reportagen und Blog-Beiträgen gibt sie persönliche Einblicke in ihre Arbeit.
Dass er einmal Künstler werden würde, wünschte sich Tejosh Halder Josh schon als kleiner Junge. Nicht nur seine Eltern haben ihn dabei unterstützt, sondern auch eine engagierte Kindernothilfe-Patin aus München. Heute stehen Tejoshs Skulpturen überall in Bangladesch und die deutsche Patenmutter gehört zu seinen größten Fans.
Es begann mit einer Kuh. Tejosh war gerade mal sieben Jahre alt, als er aus Lehm seine erste Skulptur formte. Aufgeregt rannte er damit zu seinem Vater aufs Feld. Und der Vater – war begeistert. „So eine wunderschöne Kuh!“ Das, so erzählt mir Tejosh lächelnd, war der Anfang für alles, was er später als Künstler erreichte. Die Liebe seiner Mutter und seines Vaters und diese erste elterliche Ermutigung, sie haben ihn sein Leben lang begleitet.
Mittlerweile ist Tejosh 37 Jahre alt und selbst Vater eines dreijährigen Sohns. Ich treffe ihn in seiner Werkstatt in Dhaka. 30 Jahre nach der ersten Kuh-Skulptur ist Tejosh einer der berühmtesten Künstler Bangladeschs.
In der Werkstatt herrscht kreatives Chaos
Dickbauchige Holzskulpturen stehen neben filigran geschweißten Stahlkonstruktionen, halbfertige Tonformen lehnen an Gerüsten. Ein kleiner Innenhof bildet das Herzstück der Anlage, umringt von einer Handvoll Räumen. Geräte und Werkzeuge, Miniaturmodelle und Skizzen stapeln sich dort auf Tischen und Werkbänken. Ich kann mich anfangs gar nicht satt sehen an der Fülle von Ideen, den kunstvollen Formen, und muss die Artefakte tatsächlich erstmal be-greifen.
Nach zwei Runden durch die Werkstatt räumt Tejosh schließlich an einem der Tische ein Eckchen für mich frei und versorgt mich mit einer Tasse frisch gebrühtem grünem Tee. Dann zeigt er mir auf seinem Laptop das Video seiner letzten Ausstellung. Da, erklärt der Künstler und deutet auf den Bildschirm, da siehst du den Brennprozess meiner Skulpturen. Und dort, diese lebensgroßen Bronzefiguren stehen vor der Universität in Dhaka.



