Die Action!Kidz der Kindernothilfe trafen Bundesministerin Bärbel Bas
Fotos und Text: Friederike Bach und Sophie Rutter
8. Juni 2026, 14:00 Uhr: Treffpunkt ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin. Die Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse vom Gymnasium Panketal sind gemeinsam mit ihren Lehrkräften angereist. Mit dabei haben sie 72 Taschen, die sie zuvor in einem Workshop selbst gestaltet und besprüht haben.
Sie sind aufgeregt und mit einer klaren Mission gekommen: Mit der Schirmfrau der Action!Kidz-Kampagne, Bärbel Bas, über Kinderarbeit sprechen – und zuvor möglichst vielen Mitarbeitenden im Ministerium eine der Taschen überreichen.
Mit ihren bunten Taschen wollen die Kinder auf die Millionen Mädchen und Jungen aufmerksam machen, die weltweit hart arbeiten müssen, anstatt zur Schule zu gehen, um ihre Familien zu unterstützen.
Kinderarbeit: Wir alle tragen Verantwortung!
Die Vorbereitungen für die Aktion im Ministerium beginnen bereits zwei Wochen zuvor: Im Kunstraum des Gymnasiums Panketal in Berlin herrscht buntes Treiben. Die Kinder der sechsten Klasse besprühen mit Graffiti die bunten Taschen. Besonders wichtig ist ihnen der Spruch auf den Taschen: „Trage Verantwortung!“ Die Schablonen für den Spruch haben sie gemeinsam mit dem Künstler Alex van Sputto selbst entworfen.


Verantwortung tragen, das finden alle Kinder der sechsten Klasse wichtig – aber was genau bedeutet das eigentlich? „Dass wir alle uns gegen Kinderarbeit einsetzen und anderen Kindern helfen können“, weiß der elfjährige Tobi.
Und das ist gar nicht so schwer. „Man kann zum Beispiel darauf achten, was man einkauft“, wissen die Kinder. Gemeinsam mit Kornelia Olivier von der Kindernothilfe haben sie sich heute schon angeschaut, in welchen Produkten oft Kinderarbeit steckt.
Schokolade, Kaffee, glitzerndes Make-Up und Kleidung sind nur einige Beispiele. Bei all diesen Dingen kann man darauf achten, nur Produkte zu kaufen, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit produziert wurden. Das erkennt man zum Beispiel am Fairtrade- oder Gepa-Siegel.
Millionen Kinder müssen arbeiten
„Weltweit müssen 138 Millionen Kinder arbeiten“, sagt Kornelia Olivier. In der sechsten Klasse des Gymnasiums Panketal wird es daraufhin ganz still. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Kinder betroffen sind“, sagt die zwölfjährige Elfie nachdenklich. Und Marlene (12) ergänzt: „Ich bin froh, dass es bei uns in Deutschland nicht so ist.“
Aber es gibt auch eine gute Nachricht: „Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Zahl der Kinder, die arbeiten müssen, kleiner geworden“, weiß Kornelia Olivier. „Vor einem Jahr waren es noch 160 Millionen.“
Die Kinder der sechsten Klasse des Gymnasiums Panketal sind nun fest entschlossen: Sie wollen mithelfen, dass diese Zahl in Zukunft noch kleiner wird! „Ich wünsche mir, dass Eltern sich keine Gedanken darum machen müssen, dass ihre Kinder Geld verdienen sollen. Ich möchte, dass alle Eltern ihren Kindern Bildung ermöglichen können“, sagt Annika (12). Marlene wünscht sich: „Alle Kinder sollen so viel Spaß in der Schule haben wie wir!“ Und Klara meint: „Alle Kinder sollen frei sein und auch Freizeit haben!“
Ein Zeichen gegen Kinderarbeit setzen
Das sieht der Rest der Klasse genauso und so machen sich die Kinder weiter mit großem Engagement an die Gestaltung der bunten Taschen. Mit ihnen wollen sie ein Zeichen setzen und möglichst viele Menschen darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, sich gegen Kinderarbeit zu engagieren.
Dass sie dabei politische Unterstützung von Bärbel Bas bekommen, freut die Kinder besonders: „Ich finde es super, dass Bärbel Bas uns eingeladen hat“, findet die 12-jährige Elfie.
Zurück in Berlin: Inzwischen wartet die Schulklasse aufgeregt darauf, endlich Bärbel Bas zu treffen. „Ich freue mich darauf, dass wir die Bundesministerin treffen, und ich bin auch ein bisschen nervös, weil ich ihr eigene Fragen stellen darf“, erzählt die zwölfjährige Annika, kurz bevor es im Ministerium losgeht. Ihre Mitschülerin Natalie (12) ergänzt: „Ich finde es richtig cool, dass sie sich extra Zeit für uns genommen hat.“


Gemeinsam machen sich die Kinder auf den Weg durch die Flure des Ministeriums. Und das ist ein seltenes Bild, denn normalerweise haben Gäste hier keinen Zutritt. Bei einer Führung erhalten sie spannende Einblicke in die Arbeit des Hauses. Währenddessen sprechen sie aktiv Mitarbeitenden an und überreichen ihre selbst gestalteten Taschen.
Taschen verteilen im Ministerium
Sie klopfen an Türen, sprechen Mitarbeitende auf den Fluren an und lernen auch die Staatsekretärinnen Leonie Gebers und Katja Mast kennen. In ihren Gesprächen berichten die Schülerinnen und Schüler von der Idee hinter ihrer Aktion und warum sie sich für Kinderrechte einsetzen. Zwischendurch erinnern die Lehrkräfte daran, einige Taschen zurückzuhalten – ein weiterer wichtiger Programmpunkt steht ja noch aus: der Besuch im Büro der Bundesministerin Bärbel Bas.
Als die Gruppe schließlich vor dem Büro der Bundesministerin ankommt, steigt die Aufregung spürbar. Besonders Marlene ist nervös, denn sie darf vorangehen und Bärbel Bas stellvertretend eine der Taschen überreichen. Mit einem Lächeln empfängt die Ministerin die Kinder und zeigt ihnen ihr Büro. „So viele Menschen hatte ich noch nie in diesem Raum“, sagt sie schmunzelnd. „Wie schön, dass ihr hier seid. Herzlich Willkommen bei uns.“
Gemeinsam mit der ihr geht es weiter in das Besucherzentrum des Ministeriums. Dort ist bereits alles für die Gesprächsrunde vorbereitet. Gemeinsam mit Bärbel Bas kommen die Kinder ins Gespräch über Kinderrechte und Kinderarbeit. Die Schülerinnen und Schüler nutzen die Gelegenheit, ihre eigenen Fragen zu stellen und mehr über politische Maßnahmen gegen ausbeuterische Kinderarbeit zu erfahren. „Was tun Sie konkret gegen ausbeuterische Kinderarbeit?“ und „Was können wir noch dagegen machen?“, wollen sie wissen.


Viele Fragen an Bärbel Bas
Bärbel Bas nimmt sich Zeit für jede Frage und zeigt sich beeindruckt vom Engagement der Kinder. „Ich finde es toll, wie ihr euch hier einbringt“, betont sie. „Ihr setzt euch für andere Kinder ein, denen es nicht so gut geht und macht mit eurem Einsatz deutlich, dass wir alle dafür Verantwortung tragen.“
Auch die Kinderarbeit in Nepal wird thematisiert. Die Geschichte von Anil hat die Kinder besonders beeindruckt, den sie durch ein Video im Schulworkshop kennengelernt haben. Dass Anil mit 12 Jahren nicht mehr die Schule besuchen kann, sondern stattdessen viele Stunden am Tag hart in einer nepalesischen Ziegelei arbeiten muss, finden die Kinder gar nicht gut. „Alle Kinder sollten so wie wir ein Recht auf Bildung haben“, betonte dabei die elfjährige Marlena in der Gesprächsrunde mit der Ministerin.
Gemeinsam Verantwortung tragen
Zum Abschluss zeigen zwei Kinder der Ministerin, wie sie die anderen Taschen im Schulworkshop vor zwei Wochen gemeinsam gestaltet haben. „Welche Farbe ist Ihre Lieblingsfarbe“, fragen die beiden Kinder Bärbel Bas. Rot haben sie in ihrer Farbauswahl nicht dabei, stattdessen wird die Tasche pink, orange und gelb, die die Bundesministerin geschenkt bekommt.
Mit der geschenkten Tasche verabschiedet sich Bärbel Bas von den Kindern. Und die Kinder sind stolz auf ihre Aktion – auf den Austausch mit der Schirmfrau und darauf, dass nun viele Mitarbeitende eine Tasche mit ihrer Botschaft „Trage Verantwortung“ tragen.
Die Aktion in einem Video: Bärbel Bas freut sich über den Besuch der Action!Kidz
Das sind die Action!Kidz
Mit der Kindernothilfe-Kampagne „Action!Kidz – Kinder gegen Kinderarbeit“ engagieren sich jedes Jahr Tausende Schülerinnen und Schüler für Kinder, die weltweit unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Seit 2007 haben rund 70.000 Action!Kidz über 1.300.000 Euro an Spenden gesammelt. Bärbel Bas ist seit 2023 die Schirmfrau der Kindernothilfe-Kampagne.





