Über dreißig Jahre Engagement für Kinder in Not
Text: Friederike Bach Bilder: Friederike Bach, Isaac Arinaitwe
Vor 33 Jahren schlossen Wolfgang und Waltraud Schönebeck aus Berlin ihre erste Patenschaft bei der Kindernothilfe ab. Später engagierten sie sich als Ehrenamtliche im Kindernothilfe-Arbeitskreis und organisierten Spenden-Aktionen im eigenen Wohnzimmer. So blicken sie heute auf ihren jahrzehntelangen Einsatz für Kinder in Not zurück.
Manchmal beginnen große Geschichten ganz klein. Und so hatten auch Wolfgang und Waltraud Schönebeck aus Berlin keinesfalls den Plan, die Welt zu retten, als sie vor 33 Jahren anfingen, sich für die Kindernothilfe zu engagieren. Am Anfang war da nur der Gedanke, die Welt für ein einzelnes Kind ein kleines bisschen besser zu machen.
"Alles begann im Jahr 1993, als unser jüngster Sohn Carsten zur Erstkommunion ging", erinnert sich Waltraud Schönebeck, heute 84 Jahre alt. "Die Frage war, was schenken wir ihm." Als Jüngster unter vier Geschwistern war Carsten gut versorgt mit Spielzeug und hatte auch sonst keine großen Wünsche.
Einem Kind den Schulbesuch ermöglichen
Schließlich hatte Waltraud eine Idee: "Ich habe ihm vorgeschlagen: Was hältst du davon, wenn wir eine Patenschaft für ein Kind auf einem anderen Kontinent übernehmen, damit es zur Schule gehen kann?" Carsten war einverstanden - und so trat Isaak aus Uganda in das Leben der Schönebecks.
Über Jahre hinweg finanzierten sie eine Patenschaft für den damals zehnjährigen Jungen, der ohne diese Unterstützung wohl nie hätte zur Schule gehen können. Unzählige Briefe schickten die Familien zwischen Berlin und Uganda hin und her. Es entstand eine Verbindung, die bis heute anhält. Noch immer haben die Schönebecks Kontakt zu Isaak, der inzwischen lange erwachsen ist und sich selbst für eine Hilfsorganisation in Uganda engagiert.


Stolz, als wäre Isaak ihr eigener Sohn, zeigen Wolfgang und Waltraud ein Foto, dass er vor Kurzem geschickt hat: Isaak steht vor seinem Haus und lächelt glücklich in die Kamera. "Er hat es wirklich geschafft!", sagt Wolfgang und lächelt mindestens ebenso glücklich wie sein ehemaliges Patenkind. Über ihren eigenen Anteil an Isaaks Erfolg mögen die Schönebecks gar nicht so viel reden. Sie fänden es aber schön zu sehen, welche große Wirkung ihr kleiner Beitrag von damals bis heute habe, sagen sie.
Hier könnte die Geschichte der Schönebecks mit der Kindernothilfe bereits enden - aber das tut sie nicht. Auf die erste Patenschaft folgten viele weitere. Zusätzlich begann das Ehepaar, sich ehrenamtlich im Berliner Arbeitskreis der Kindernothilfe zu engagieren. Und dann hatte Waltraud wieder eine gute Idee.
Spenden sammeln im eigenen Garten
"Ich dachte, man könnte doch Lesungen organisieren und damit Spenden für die Kindernothilfe sammeln", erzählt sie. Es fehlte nur ein Veranstaltungsort. Kurzerhand entschloss das engagierte Ehepaar, seinen Garten zur Verfügung zu stellen. Und so fand im Juni 2011 die erste Lesung statt. Das Motto: "Lesung unterm Rosenbogen".
Etwa 30 Freunde und Bekannte kamen und erlebten einen so schönen Abend, dass alle sich schon bald eine Wiederholung wünschten. Von da an fanden die Lesungen mit Autor*innen, Schauspieler*innen und Journalist*innen mehrmals im Jahr statt, je nach Wetter im Garten oder im Wohnzimmer der Schönebecks.


Was die schönste Lesung war? Das können Wolfgang und Waltraud nicht beantworten. Schließlich waren alle schön! Aber eine ganze Besondere, sagen sie, war ganz sicher diese eine Lesung im Jahr 2019. "Da hatten wir Joachim Gauck zu Gast", erinnert sich Wolfgang. Wie es dazu kam?
Auch hier war eine von Waltrauds guten Ideen schuld! "Joachim Gauck las damals in einer Brandenburger Dorfkirche aus seinem Buch vor", erinnert sie sich. "Ich habe ihn dort einfach angesprochen und gefragt, ob er auch mal in unserem Wohnzimmer vorlesen würde." Er kam tatsächlich!
So hilft ehrenamtliches Engagement Kindern in Not
Es gibt noch unendlich mehr besondere Momente, von denen Wolfgang und Waltraud berichten können! Von 2011 bis 2023 fanden die Wohnzimmer-Lesungen mehrmals im Jahr bei ihnen statt. Fast zur Nebensache wird in den Berichten der Schönebecks, wieviel Geld sie über all die Jahre für einen guten Zweck sammelten!Am Ende haben Waltraud und Wolfgang Schönebeck nicht nur für ein Kind die Welt ein bisschen besser gemacht, sondern für viele! Und aus einer kleinen Idee wurde am Ende dann doch eine ganz große Sache!
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