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Eine Frau packt Aidsmedikamente ab. (Quelle: Alexander Volkmann)

HIV und Aids: Den Teufelskreis durchbrechen

Aids grassiert. Zwischen 2001 und 2014 wuchs nach Angaben von UNICEF die Zahl der Kinder, die einen oder beide Elternteile durch die Krankheit verloren haben, von 11,5 auf 20 Millionen. Die meisten dieser Waisen – fast 18 Millionen – leben in Afrika. Doch auch in Asien und Osteuropa nimmt die Situation dramatische Züge an. Prävention, Pflege, Behandlung und Lebensperspektiven für Aids-Waisen schaffen: So lautet die Strategie, um die Pandemie einzudämmen und Betroffenen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. UNAIDS hat das Ziel Aids bis 2030 zu beenden formuliert. Die Kindernothilfe ist gemeinsam mit ihren Partnern vor Ort aktiv gegen die weitere Ausbreitung. Die Kindernothilfe untestützt zudem nicht nur Aidswaisen, sondern bietet auch Präventions-, Test-, Behandlungs-, Pflege- und weitere Unterstützungsmöglichkeiten.

Was sind HIV und Aids?

Aids ist allgemein bekannt als eine Schwäche des körpereigenen Abwehrsystems, die durch den Immunschwächevirus HIV (= Human Immunodeficiency Virus) verursacht wird. Das Wort Aids steht für die englische Bezeichnung „Acquired Immune Deficienary Syndrome“ und heißt übersetzt „Erworbener Immundefekt“. Während HIV demnach „nur“ das Virus bezeichnet, meint Aids den Ausbruch der Krankheit und damit die Schädigung des Immunsystems samt Folgeerscheinungen durch das HI-Virus.

Charakteristisch ist, dass das HI-Virus die körpereigenen Zellen angreift, die wiederum für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind. Eine Abwehr von Krankheiten ist folglich nicht mehr möglich und mit der Zeit sterben die Zellen ganz ab, das Immunsystem bricht irgendwann ganz zusammen.

Typischerweise sind die ersten Symptome nach einer Ansteckung mit dem HI-Virus Fieber, Hautausschlag oder geschwollene Lymphknoten. Es gibt jedoch auch Infizierte, die zunächst jahrelang beschwerdefrei leben. Anschließend folgen Symptome der ersten Aids-Stadien wie beispielsweise Fieber, Durchfall, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme.

Infizieren kann man sich über Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder auch die Muttermilch. Viele stecken sich zum Beispiel beim ungeschützten Geschlechtsverkehr an.

  • HIV und Aids – vor allem in den Ländern des Südens ein Problem

    Die Ausbreitung von HIV und Aids weltweit ist erschreckend:

    • Zurzeit leben nach Angaben von UNAIDS weltweit etwa 36,9 Millionen Menschen mit HIV und Aids,
    • Über 50 Prozent davon sind Frauen, etwa 80% Prozent von ihnen leben im südlichen Afrika (World Aids Report 2015),
    • Jedes Jahr infizieren sich 2 Millionen Menschen mit HIV (Stand 2015),
    • Im Jahr 2014 starben 1,2 Millionen Menschen an Aids (World Aids Report 2015),
    • Mehr als 95 Prozent der Menschen mit HIV und Aids leben in Schwellen- und Entwicklungsländern.

    Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen. 220.000 Säuglinge werden jedes Jahr durch ihre Mütter mit dem Virus neu infiziert. Bislang haben nach Angaben von UNICEF rund 18 Millionen Kinder einen oder beide Elternteile durch die Krankheit verloren. Und es fehlt immer noch am Zugang zu kindgerechten Medikamenten und Viruslasttests für Kleinkinder.

    Die am meisten betroffene Region der Welt liegt südlich der Sahara in Afrika. Dort leben 88 Prozent aller Kinder, die sich mit dem Virus angesteckt haben. Insgesamt leben dort nach Angaben von UNAIDS etwa 26 Millionen Menschen mit HIV/Aids. Während die Infektionsrate in den meisten Ländern fällt, ist sie in Osteuropa und Zentralasien unverändert hoch. Auch in China, Indien, Indonesien und Vietnam, die zusammen mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung stellen, steigt die Neuinfektionsrate an. Nur etwa 41 Prozent aller Menschen die die antiretroviralen Medikamente in Schwellen- und Entwicklungsländern lebensnotwendig benötigen, bekommen sie auch.

     

  • Behandlungsmöglichkeiten

    Ärztliche Btreuung auf dem Land
    In Uganda sind mobile Aidskliniken im Einsatz.

    Aids ist nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, die das Leben der betroffenen Menschen verlängern. Die so genannte Antiretrovirale Therapie (ART) verhindert eine Ausbreitung des Virus. Im besten Falle können die Viren anschließend im Blut kaum noch nachgewiesen werden. Die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf ihr Kind kann durch Medikamente bei fast allen Kindern  verhindert werden.

    Für die Hälfte der Menschen in Entwicklungsländern sind Medikamente noch nicht erreichbar. Für zwei Drittel der  Kinder fehlen darüber hinaus noch einfach anzuwendende, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Medikamente. Erst seit 2015 gibt es die Möglichkeit um Kinder überhaupt behandeln zu können, statt Sirups oder zerbrochenen Pillen neuentwickelte kindgerechte Medikamente zu nutzen. Dazu hat auch die „Kinder ohne Aids“-Kampagne der Kindernothilfe beigetragen.

    Insgesamt haben nur 32 Prozent der betroffenen Kinder und 41% der Erwachsenen Zugang zur Behandlung. Das sind immerhin mittlerweile 15,8 Millionen Menschen die täglich Behandlung bekommen.

    Seit einigen Jahren gibt es durch kostengünstigere Medikamente eine Ausweitung der Therapie. Immer mehr Menschen lassen sich beraten und auf HIV Testen. Problematisch ist jedoch, dass die Medikamente ein Leben lang eingenommen werden müssen, was trotz eines geringeren Verkaufspreises auf lange Sicht enorme Kosten mit sich bringt. Darüber hinaus muss die wechselnde Zusammensetzung der Medikamente von gut ausgebildeten Gesundheitsfachkräften festgelegt werden. Dafür fehlt es jedoch an medizinischen Fachkräften. Für die Betroffenen ist die Selbstbeteiligung an den Kosten, aber auch die tägliche Einnahme das größte Problem. Wer mit der Therapie einmal aussetzt, riskiert, dass sich Resistenzen gegen Medikamente bilden. Wenn bei  Menschen die Medikamente nicht mehr wirken, gibt es kaum die Möglichkeit bezahlbare  weiterführende Präparate zu bekommen. Nur 32% der Kinder, die eine Behandlung benötigen, erhalten diese auch. Das liegt neben den fehlenden kindgerechten Medikamenten auch an den fehlenden Möglichkeiten Kleinkinder mit sogenannten Viruslasttests zu testen.

  • Armut und Aids – ein Teufelskreis

    Ohne Geld keine Schulbildung, ohne Bildung kein Wissen über Gefahren und Prävention: So beginnt der Teufelskreis aus Armut und HIV. Wer an der Immunschwäche erkrankt, kann ohne teure Behandlung nicht mehr arbeiten. Kinder müssen für die kranken Eltern einspringen und ganze Familien versorgen. Und können so nicht mehr zur Schule gehen, wo sie über HIV und Schutz vor Ansteckung aufgeklärt werden könnten. Weltweit verfügen nur etwa 34 Prozent der Menschen über ein ausreichendes Wissen zum Thema HIV und Aids. Dies führt dazu, dass HIV-positive Menschen aus der Gesellschaft ausgeschlossen und diskriminiert werden. Die Krankheit gilt in vielen Gegenden als Strafe Gottes.

  • Aids besiegen!

     

    Prävention, Testen und Behandeln der Betroffenen und Lebensperspektiven schaffen: So lautet die Strategie, um die Pandemie einzudämmen und Betroffenen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Die Kindernothilfe fördert Projekte, die Aufklärungsarbeit leisten, Tests und Behandlung ermöglichen und von HIV und Aids Betroffene unterstützen.

    UNAIDS hat als Ziel das Ende von Aids bis zum Jahr 2030 herausgegeben. Das haben auch die Regierungen in den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) im dritten Ziel international vereinbart.

    Genau bedeutet das bis 2030 95% der Betroffenen getestet werden. Von den getesteten Menschen mit HIV wiederum 95% in Behandlung kommen sollen. Und das bei 95% der Behandelten der HI-Virus unter die Nachweisgrenze gebracht werden soll.

    Die sich ausweitenden Behandlungsmöglichkeiten erhalten Leben und schützen am Besten vor neuen Infektionen. Das unterstützen Enthaltsamkeit, Treue und mit Kondomen zusätzlich. Um sinnvolle Präventionsarbeit zu leisten, muss in Schulen und der Öffentlichkeit offen über Infektionsrisiken und über Schutzmöglichkeiten gesprochen werden. Nur so gibt es eine Chance, die Aids-Epidemie einzudämmen. Es gibt eine Vielzahl von Staaten in denen die Präventionsarbeit erfolgreich ist. Dort gehen dank der guten Aufklärungsarbeit die Infektionsraten zurück. Bei Kindern ist die jährliche Neuinfektionsrate seit 2000 um 58% besonders stark auf 220.000 Kinder jährlich gesunken.

    In unserer Projektarbeit spielen auch Selbsthilfegruppen eine wichtige Rolle. Dort arbeiten Menschen, deren Familien durch Aids auseinander gerissen wurden, gemeinsam für Bildung, Gesundheit und Lebensunterhalt. Zum Beispiel in Indien werden erkrankte Mädchen und Jungen mit Antiretroviraler Therapie (ART) behandelt. Ohne Behandlung würden 80% dieser Kinder in den nächsten fünf Jahren sterben. Nur 32% der Kinder weltweit, die Medikamente benötigen, sind in Behandlungsprogrammen. Es mangelt vor allem am Zugang zu kindgerechten Medikamenten und den für Kleinkindern benötigten Viruslasttests.

  • Aktionsbündnis gegen Aids

    Als Mitglied im Aktionsbündnis gegen Aids setzt sich die Kindernothilfe für die Verbesserung der Lebensbedingungen der von HIV betroffenen, Behandlungsmöglichkeiten und gegen die weitere Ausbreitung von HIV und Aids ein. Das Aktionsbündnis gegen Aids vertritt 280 Nichtregierungsorganisationen der Aids -und Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland, die in unterschiedlicher Art und Weise an dem Thema HIV und Aids arbeiten. Ziel ist es, gemeinsam einen Beitrag zur Bewältigung der globalen HIV und Aids-Pandemie zu leisten. Kindernothilfe ist weltweit in der  Advocacyarbeit zu HIV und Aids auch als   Mitglied der Ecumenical Advocacy Alliance (Globales ökumenisches Advocacy-Aktionsbündnis) vernetzt.

    Dr. Katja Pohlmann (Bundeskanzleramt) mit Frank Mischo (Kindernothilfe)Unterschriftenübergabe an Dr. Katja Pohlmann vom Bundeskanzleramt.

    Mit der Kampagne „Kinder ohne Aids: Medikamente und Tests für Alle!“ setzten sich das Aktionsbündnis gegen Aids und die Kindernothilfe gemeinsam dafür ein, das Kinder Zugang zu Behandlung und Tests bekommen. Es gab eine Vielzahl von Kampagnenhöhepunkten. Von Parlamentariergesprächen, über Presse- und Informationsaktionen bis zum Abschluss der Kampagne am 30. November 2015, wo 29.272 Unterschriften dem Bundeskanzleramt übergeben wurden. Im anschließenden Gespräch im Bundeskanzleramt wurde deutlich, das die deutsche Bundesregierung und das Aktionsbündnis gegen Aids zwar schon Einiges erreicht haben, das es aber weiterhin noch an Test- und Behandlungsmöglichkeiten mangelt.

    Da Kleinkinder aufwändigere Viruslasttests und kindgerechte Medikamente benötigen haben sie kaum Zugang zu Tests und Behandlung. Im der Zeit der Kampagnen wurden die kindgerechten Medikamente entwickelt. Jetzt fehlen vor allem die Viruslasttests für Kleinkinder und der Zugang zu den neuen kindgerechten Medikamenten für Kinder. Dafür wird es weitere Lobby- und Kampagnenarbeit geben.

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