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Malawische Frau bearbeitet einen Acker. (Quelle: Jakob Studnar))

Hunger - eine unbewältigte Herausforderung

Jeder neunte Mensch leidet unter Hunger. Aktuell können ca. 815 Millionen Menschen ihren Nahrungsmittelbedarf nicht decken. Nachdem seit Ende des vorherigen Jahrhunderts gute Erfolge im Kampf gegen den Hunger erzielt wurden, stieg die Zahl hungernder Menschen 2017 erstmals wieder an. Die meisten Betroffenen leben in Südasien, in Afrika südlich der Sahara oder in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens. Dabei ist Hunger für viele Menschen kein vorübergehendes Phänomen: Ihr Recht auf Nahrung wird durch den Entzug der Ernährungsgrundlagen dauerhaft verletzt.

Hauptursachen für Hunger sind politische Krisen und bewaffnete Konflikte wie in Syrien, im Jemen oder im Sudan. Sie treffen diejenigen Bevölkerungsgruppen am härtesten, die bereits zuvor Armut und vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt waren. 

Auch die Folgen des Klimawandels werden zusehends spürbar: Gerade in den ärmsten Ländern machen sich Klimaveränderungen durch eine Häufung von Dürren und Überflutungen, eine nachlassende Bodenfruchtbarkeit, die Ausbreitung von Wüsten und eine Zunahme von Tier- und Pflanzenkrankheiten bemerkbar. Dies bedroht die natürlichen Lebensgrundlagen, die auch durch ein hohes Bevölkerungswachstum und nicht nachhaltige Produktionsweisen unter Druck stehen.

Weltweit werden ca. 70% aller Lebensmittel von etwa 500 Millionen Kleinbauern produziert. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern und bewirtschaften Flächen von weniger als zwei Hektar. Anbau und Tierhaltung sind oft die einzigen Einkommensquellen, da außerlandwirtschaftliche Arbeitsmöglichkeiten fehlen. Ernteausfälle und Tierkrankheiten werden so schnell zur existentiellen Bedrohung. Daher ist in den armen Ländern gerade die ländliche Bevölkerung überdurchschnittlich häufig von Armut und Hunger betroffen.

Den Kleinbauern kommt bei der Verbesserung der Ernährungssituation eine entscheidende Rolle zu: Die Kindernothilfe und ihre Partner unterstützen kleinbäuerliche Gemeinschaften dabei, ihr traditionelles Wissen mit neuen Erkenntnissen zu verbinden, um Erträge zu steigern, Ressourcen zu schützen und um sich für klimatische Veränderungen zu wappnen. Unsere Projekte fördern den Zugang zu landwirtschaftlicher Bildung, zu Kapital und Produktionsmitteln. Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen und die Förderung einer gemeindebasierten Gesundheits- und Ernährungsberatung tragen dazu bei, vorhandenes Potential für die Ernährungssicherung zu nutzen.

  • Das Recht auf Nahrung

    Das Recht auf Nahrung wurde bereits 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert und seither in mehreren internationalen Konventionen bekräftigt. Nach Definition des UN Sozialpakts ist das Recht auf Nahrung erfüllt, „wenn jeder Mann, jede Frau und jedes Kind, allein und in Gemeinschaft mit anderen, jederzeit physisch und wirtschaftlich Zugang zu angemessener Nahrung oder den Mitteln zu ihrer Erlangung haben.“ Es wird verletzt, wenn durch einen dauerhaften Entzug von Nahrung oder der Ernährungsgrundlagen die Würde des Menschen beeinträchtigt wird.
    Neben dem Recht auf Nahrung, wird in der UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf Gesundheit festgelegt. In Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention, zu deren Umsetzung sich alle Staaten der Welt (außer der USA) verpflichtet haben, heißt es: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit an sowie auf Inanspruchnahme von Einrichtungen zur Behandlung von Krankheiten und zur Wiederherstellung der Gesundheit. Die Vertragsstaaten bemühen sich sicherzustellen, dass keinem Kind das Recht auf Zugang zu derartigen Gesundheitsdiensten vorenthalten wird.“ Weitere Ausführungen zum Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention finden Sie hier.

    Die derzeit produzierte Lebensmittelmenge reicht zur Versorgung aller Menschen aus. Hunger ist daher vor allem ein Verteilungsproblem. Dass mehr als 800 Millionen Menschen unter Hunger leiden, ist Ausdruck internationaler und innerstaatlicher Machtungleichgewichte und eine Folge anhaltender politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ausgrenzung (WHI 2017). Sogar innerhalb eines Landes kann sich die Ernährungssituation nach Region und Bevölkerungsgruppe stark unterscheiden: Hunger betrifft die ländliche Bevölkerung mehr als die städtische (75% der Hungernden leben im ländlichen Raum) und Frauen häufiger als Männer (60% der Hungernden sind weiblich). Indigene Völker und arme Menschen sind überproportional häufig von Hunger betroffen.

    Hunger geht mit Rechtlosigkeit, Diskriminierung und fehlender politischer Mitsprache Hand in Hand: Obwohl Kleinbauern für die Ernährungssicherung in ihren Ländern eine entscheidende Rolle spielen, verfügen sie häufig nicht über Landtitel, die ihnen die Eigentumsrechte über ihre Flächen dauerhaft sichern. Da Anbauflächen weltweit knapp werden, steigt ihr Wert für nationale und internationale Investoren. Rechtlich ungeschützte Kleinbauern sind besonders gefährdet Opfer von „Landgrabbing“ und Vertreibung zu werden.

    In vielen Ländern sind Frauen vom Landbesitz, landwirtschaftlicher Beratung oder vom Zugang zu Finanzdienstleistungen und Produktionsmitteln ausgeschlossen. Obwohl sie die Hauptarbeit auf den Feldern verrichten, sind es traditionell die Männer, die über die Ernte und das Familieneinkommen verfügen. Nationale und internationale Maßnahmen sind stark auf landwirtschaftliche Ertragssteigerungen ausgerichtet. Diese lösen jedoch nur einen Teil des Problems, denn wo wirtschaftliche, soziale und rechtliche Ungleichheiten weiter bestehen, führt eine erhöhte Produktion nicht automatisch zu einer besseren Ernährung der schwächsten Bevölkerungsgruppen.

    Die Kindernothilfe hat diese Aspekte im Blick, indem sie z.B. die Selbstorganisation von Kleinbauern in Kooperativen fördert, sie beim Erwerb von Landtiteln unterstützt, mit Müttern und Vätern an gerechteren Familienstrukturen arbeitet oder Frauen über den Selbsthilfegruppenansatz einen besseren Ressourcenzugang ermöglicht.

  • Unterernährung trifft vor allem Kinder

    Kinder sind durch Nahrungsdefizite ganz besonders gefährdet, denn ihr Krankheits-und Sterblichkeitsrisiko wird durch einen Mangel an Kalorien, Proteinen und Mikronährstoffen deutlich erhöht. Hunger stellt das größte Risiko für das Überleben und die gesunde Entwicklung von Kindern dar und ist die wohl weitverbreitetste Kinderrechtsverletzung.

    Knapp jedes zehnte Kind unter fünf Jahren ist von Auszehrung betroffen, d.h. es weist in Bezug zu seiner Größe ein zu geringes Körpergewicht auf. Auszehrung ist häufig Folge akuter Unterernährung. Sie kann jedoch auch durch verunreinigtes Wasser und schlechte sanitäre Bedingungen verursacht werden, die zu infektiösen Krankheiten (z.B. Durchfallerkrankungen) oder Parasitenbefall führen. Unterernährung gilt als zugrundeliegende Ursache für etwa 45% aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren (WHO).

    Chronische Unterernährung zeigt sich in einem verzögerten Körperwachstum. Weltweit leidet etwa jedes vierte Kind unter fünf Jahren unter ernährungsbedingten Wachstumsverzögerungen. In den ärmsten Ländern sind sogar mehr als 50% davon betroffen. Ein durch Nahrungsmangel verzögertes Körperwachstum ist mit Störungen der körperlichen und geistigen Entwicklung verbunden und hat lebenslange Folgen. Millionen Kindern wird so bereits zu Beginn ihres Lebens die Chance auf eine volle Entfaltung ihrer Möglichkeiten verwehrt.

    Wenn Nahrung knapp wird, leiden Frauen und Mädchen als erste. Die in vielen Gesellschaften verbreitete Ungleichheit der Geschlechter führt häufig auch zu einer ungleichen Verteilung von Lebensmitteln in der Familie. Das hat gravierende Folgen für die nächste Generation, denn mangelernährte Frauen bringen häufig untergewichtige Kinder zur Welt.  Diese haben wiederum ein um 20% erhöhtes Risiko, vor ihrem fünften Geburtstag zu sterben (WHO).

    Die ersten 1000 Tage, d. h. der Zeitraum von der Empfängnis bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr eines Kindes, gelten als entscheidendes Zeitfenster, um ernährungsbedingten Todesfällen oder körperlichen und geistigen Fehlentwicklungen bei Kindern vorzubeugen. Die Kindernothilfe berücksichtigt dies in ihren Ernährungssicherungsprojekten. Über eine praktische Ernährungsberatung wird das Ernährungswissen von Eltern gestärkt. Gemeinden kochen gemeinsam, um aus verfügbaren Lebensmitteln ausgewogene Mahlzeiten für Schwangere, Stillende und Kleinkinder zuzubereiten. Familien und alleinstehende Mütter werden wirtschaftlich gestärkt, um besser für ihre Kinder sorgen zu können. Alle Projekte schließen Komponenten für eine verbesserte Trinkwasser- und Sanitärversorgung mit ein. Über die Kooperation mit lokalen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren fördern unsere Projekte auch den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, einschließlich der prä- und postnatalen Betreuung.

  • Die Agenda 2030: Die Beendigung von Hunger - ein nachhaltiges Entwicklungsziel

    2015 setzte sich die internationale Gemeinschaft mit ihrer Agenda 2030 weltweit gültige Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, die Friedenssicherung und mehr soziale Gerechtigkeit. Anhand von 17 Haupt-  und 169 Unterzielen verpflichtete sie sich u.a. bis 2030, alle Formen von Armut zu beenden, Ungleichheit zu bekämpfen, natürliche Ressourcen zu schützen und dabei niemanden zurückzulassen. 

    Das Entwicklungsziel 2 sieht vor den Hunger zu beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung zu erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Eine Betrachtung der Unterziele macht deutlich, dass dies auch auf deutscher und europäischer Ebene einen Mentalitäts- und Strukturwandel erfordert, z.B. wenn es darum geht, Nahrungsproduktionssysteme nachhaltig zu gestalten, Biodiversität zu bewahren, die Bodenqualität zu verbessern, Handelsbeschränkungen zu korrigieren oder Agrarexportsubventionen zu beenden.

    Die Erreichung des Entwicklungszieles 2 ist nur durch Änderungen im Ernährungsverhalten der Menschen in den Industrie- und Schwellenländern möglich. Ein großes Problem ist der weltweit wachsende Fleischkonsum: 2017 wurde mehr als 40% der globalen Getreideernte als Futtermittel in der Tierhaltung verwendet (Quelle: Proplanta). Doch die Umwandlung von Energie über die Futtertröge ist ineffizient: So müssen z.B. für jede aus Rindfleisch gewonnene Kalorie sieben Kalorien aus Futtermitteln eingesetzt werden. Obwohl der Milch- und Fleischkonsum weltweit nur etwa 17% des menschlichen Kalorienbedarfs deckt, werden für die Produktion etwa 77% des globalen Agrarlands benötigt (Quelle: Fleischatlas).  

    Um das Ziel 2 und seine Unterziele zu erreichen, müssen der Hunger und alle Formen von Mangelernährung beendet werden und insbesondere arme und ausgegrenzte Menschen Zugang zu sicheren, nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln erhalten. Dies setzt größte internationale Anstrengungen auf allen Ebenen voraus, denn die Herausforderungen sind enorm: Die weltweite Produktion von Nahrungsmitteln ist durch den Klimawandel und eine nicht nachhaltige Ressourcennutzung bedroht. Landwirtschaftlich nutzbare Flächen gehen verloren, Erträge sinken, Tier- und Pflanzenkrankheiten nehmen zu. Gleichzeitig prognostizieren Demografen einen Anstieg der Weltbevölkerung von derzeit 7,5  auf mehr als 11 Mrd. Menschen bis 2100.

    Die Sicherung der Ernährung für eine wachsende Weltbevölkerung erfordert Maßnahmen auch in außerlandwirtschaftlichen Bereichen, die die Ernährungssituation beeinflussen. Dies betrifft einen verbesserten Zugang zu Bildungs- und Gesundheitsdienstleistungen genauso wie die Geschlechtergleichstellung, eine verbesserte Energie-, Wasser- und Sanitärversorgung oder internationale Bemühungen zur Friedenssicherung, zur Bekämpfung des Klimawandels oder zur Gestaltung fairer Handelsabkommen. Die Agenda 2030 weist zwischen ihren 17 Zielen viele Querverbindungen auf, die der großen Komplexität in der Ernährungssicherung Rechnung tragen.

  • Ernährungssicherung als globale Verantwortung

    Weltweit wird der überwiegende Teil der Nahrung im Regenfeldbau produziert. In Afrika sind das über 90 % der Grundnahrungsmittel. Veränderungen im Zuge des Klimawandels, wie ein Anstieg der Jahrestemperatur oder sich stark verändernde Niederschlagsmuster, stellen wachsende Produktionsrisiken dar. Gerade die ärmsten Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, sind am stärksten von seinen Folgen betroffen. Daraus ergibt sich eine große Verantwortung der Industrieländer, Treibhausgase zu reduzieren, finanzielle und technische Unterstützung für besonders gefährdete Regionen zu leisten und die bedrohte Bevölkerung bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.

    Nachdem die Entwicklung der Landwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern jahrelang vernachlässigt wurde, brachten ein starker Anstieg der Nahrungsmittelpreise  2007 – 2008 und damit verbundene soziale und politische Unruhen die Themen Hunger und Ernährung wieder auf die internationale Agenda zurück. Seitdem stehen sich zwei konkurrierende Ansätze zur Lösung des Hungerproblems gegenüber. Die meisten national und international geförderten Programme fokussieren stark auf Produktions- und Ertragssteigerungen über eine industrialisierte Landwirtschaft mit privatwirtschaftlicher Beteiligung. Analog zum Strukturwandel in den Industrieländern setzen sie auf einen großflächigen mechanisierten Anbau unter Nutzung von Hochleistungssaatgut, synthetischen Düngemitteln und Pestiziden. Dieser Ansatz wird von vielen Landwirtschaftsexperten und den meisten NRO scharf kritisiert. Sie sind der Meinung, dass der Ansatz vor allem den Interessen weniger internationaler Agrarkonzerne und nicht denen der armen Länder dient, in denen der Ansatz das Landgrabbing fördert, Bauern in Abhängigkeiten treibt und die Bodenfruchtbarkeit und die Artenvielfalt bedroht. Nichtregierungsorganisationen und viele Kleinbauernverbände fordern daher eine Umstrukturierung der Agrarsysteme hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und Ressourcennutzung im globalen Süden und Norden. Dazu zählt auch die Forderung an die EU, mit ihren agrarpolitischen Fördermitteln von etwa 60 Mrd. Euro pro Jahr, einen ökologischen, nachhaltigen Anbau und eine tiergerechtere Tierhaltung zu unterstützen.

    Derzeit scheint es als ob die Industrieinteressen den Kampf gewännen. Die Macht der Konzerne verändert nicht nur die Landwirtschaft sondern auch die weltweiten Ernährungsgewohnheiten. Beeinflusst durch ein aggressives Marketing und die Allgegenwart industrieller Lebensmittel greifen auch in Entwicklungs- und Schwellenländern immer mehr Menschen immer häufiger zu verarbeiteten Lebensmitteln, die oft viele Kalorien, aber nur wenige Nährstoffe enthalten. Mit weitreichenden Folgen: Während weltweit mehr als 800 Millionen Menschen hungern sind mehr als zwei Milliarden Menschen übergewichtig oder sogar fettleibig. Trotz einer (über)reichlichen Kalorienzufuhr können sie wie Hungernde an einem Defizit an lebenswichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen leiden, dem sogenannten „verborgenen Hunger“.  

    Ein größerer Teil der weltweit produzierten Nahrungsmittel kommt nicht dem direkten menschlichen Konsum zugute. So dient mehr als die Hälfte der globalen Getreideernte als Treibstoff, Futtermittel oder Industrierohstoff. Auch Deutschland steht dabei in der Verantwortung. Hier konsumierte Fette oder Biokraftstoffe (z.B. aus Ölpflanzen, Getreide oder Zuckerrüben) und ein großer Teil  der in der Tierhaltung verwendeten Futtermittel wachsen nicht auf deutschen Äckern, sondern werden in Entwicklungs- und Schwellenländern produziert. Diese Anbauflächen stehen für den Lebensmittelanbau der dortigen Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung. Ökosysteme werden zerstört und der Klimawandel durch den Ausstoß von Treibhausgasen gefördert.

    Besonders bitter: Etwa ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel verderben oder werden anderweitig vernichtet. Allein in Deutschland sind dies nach Angaben des WWF jährlich ca. 18 Millionen Tonnen.

    Über die globalen Ursachen und Zusammenhänge von Armut und Hunger zu informieren, ist Teil der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit der Kindernothilfe. Wir berichten darüber in Veranstaltungen und Kampagnen oder in Publikationen wie dem Kindernothilfe-Magazin, den Jahresberichten oder unserem Informationsmaterial für Schulen. Als Gründungsmitglied von Transfair fördern wir den ökologischen Anbau und einen fairen Handel und setzen uns für strukturelle soziale und wirtschaftliche Veränderungen zur Armutsbekämpfung ein.

    Weiterführende Informationen zum Einsatz der Kindernothife für fairen Handel finden Sie hier.

  • Unsere Projektarbeit - der Mensch im Mittelpunkt

    Die Kindernothilfe und ihre Partner unterstützen das Prinzip der Ernährungssouveränität. Diese ist definiert als „das Recht der Völker auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt.“ (Europäisches Forum für Ernährungssouveränität). Ernährungssouveränität betont das Recht der Menschen, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen und einen fairen Zugang zu Produktionsmitteln, wie Land, Saatgut und Wasser zu erhalten. 

    Armut und Hunger finden sich vor allem im ländlichen Raum. In vielen unserer Projektgemeinden bilden der landwirtschaftliche Anbau und/oder die Tierhaltung die einzige oder überwiegende Existenzgrundlage. Als Komponente unserer Gemeinwesenprojekte zur ländlichen Entwicklung, als einer der Zielbereiche unseres Selbsthilfegruppenansatzes oder als Fokus unserer BMZ-kofinanzierten Projekte stellen  Maßnahmen zur landwirtschaftlichen Förderung und Ernährungssicherung einen wichtigen Bestandteil unserer Projektarbeit dar.

    Die Gründe für Ernährungsunsicherheit sind vielfältig. Sie können sich von einem Projektkontext zum anderen stark unterscheiden. An manchen Standorten sind Flächen und Wasser in ausreichendem Maße verfügbar, während sie an anderen (zu) knapp sind. Auch die Folgen des Klimawandels machen sich in den Projektregionen sehr unterschiedlich bemerkbar. In gleicher Weise können auch das Anbau- und Ernährungswissen der Bevölkerung oder der Organisationsgrad von Kleinbauern stark variieren. Die Planung wirksamer Projekte setzt daher eine gute Situationsanalyse und Kenntnis der kontextspezifischen Faktoren voraus. Die Kindernothilfe arbeitet in ihren Projekten mit lokalen Partnern zusammen, die mit den jeweiligen Gegebenheiten vertraut sind und gute Beziehungen zu den Projektgemeinden aufgebaut haben. So wird sichergestellt, dass die Projekte an den richtigen Stellen ansetzen und den Bedarfen der Menschen entsprechen.

    Ernährungssicherung ist komplex und umfasst so unterschiedliche Aspekte wie Umwelt, Bildung, Gesundheit oder Geschlechtergerechtigkeit. Selbst umfassende mehrjährige Projekte können i.d.R. nicht alle notwendigen Maßnahmen abdecken. Wichtig ist daher eine gute Integration und Vernetzung der Kindernothilfe-Projekte mit den Vorhaben anderer staatlicher oder nichtstaatlicher Akteure.

    Viele gut gemeinte Projekte scheitern an traditionellen Normen und Ernährungspräferenzen. So kommt es vor, dass für den Kontext gut geeignete Nahrungsmittel nicht angebaut werden, da diese für den menschlichen Konsum als „minderwertig“ angesehen werden. Vielfach verbreitet ist auch die Meinung, dass kranke Kinder weniger Flüssigkeit und Essen benötigen als gesunde. Solche Einstellungs- und Verhaltensänderungen benötigen Zeit und eine Arbeit an vielen Stellen. So hat es sich in unseren Ernährungssicherungsprojekten bewährt, mit den Projektgemeinden über längere Zeit und intensiv und aus verschiedenen Perspektiven heraus zu arbeiten und dabei technische und wirtschaftliche Maßnahmen mit politischen und sozialen zu verbinden.

    Mit unseren Projekten tragen wir den vielen Aspekten der Ernährungssicherung Rechnung. Ein wichtiger Handlungsbereich betrifft die Stärkung lokaler Strukturen, z.B. durch den Aufbau von Kooperativen und Getreidelagern oder die Schaffung von Kapazitäten in der landwirtschaftlichen Bildung  und der Gesundheits- und Ernährungsberatung. Auch lokale und nationale Behörden sind als staatliche Pflichtenträger in die Projektarbeit mit eingebunden. Als Kooperationspartner zur Durchführung von Aktivitäten oder als Zielgruppe für die Einforderung von Rechten benachteiligter Gruppen sollen sie ihren Verpflichtungen gegenüber der Bevölkerung gerecht werden. 

    Die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und die Anpassung an den Klimawandel sind weitere wichtige Projektanliegen. So beinhalten viele Vorhaben infrastrukturelle Maßnahmen zum Schutz von Böden, Schulungen zu nachhaltigen Anbaumethoden oder die Verbesserung der Wasserverfügbarkeit und des Wassermanagements. Über den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten, über Zugänge zu Finanzdienstleistungen oder die Förderung außerlandwirtschaftlicher Einkommensmöglichkeiten können Familien ihre wirtschaftliche Situation und ihren Zugang zu Nahrungsmitteln verbessern.

    Aktivitäten gegen die sozialen Ursachen des Hungers haben z.B. die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stärkung und einen verbesserten Ressourcenzugang für Frauen zum Ziel. Um Kindern ein Leben ohne Hunger und eine gesunde Kindheit zu ermöglichen, liegt ein wichtiges Augenmerk auf den ersten 1000 Tagen, d. h. dem Zeitraum von der Empfängnis bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr, in dem wichtige Weichenstellungen für die kindliche Entwicklung getroffen werden. Aufbauend auf vorhandenem Wissen und lokalen Ressourcen kann so gegebenes Potential für eine bessere Ernährungssicherung genutzt werden.