
Joudi: „Wir wussten nicht, ob wir untergehen oder ankommen.“
Joudi floh mit ihrem kleinen Bruder aus Syrien über das Mittelmeer nach Europa. Die Überfahrt auf einem Boot mit vielen anderen Geflüchteten dauerte 25 Stunden. Joudi konnte nicht schwimmen und hatte große Angst davor, unterzugehen. Nach ihrer Ankunft in Deutschland begann ein neuer, herausfordernder Abschnitt: Sprachkurse, Behördentermine, das Warten auf Entscheidungen und der Versuch, nach traumatischen Erfahrungen wieder Stabilität zu finden. Schritt für Schritt arbeitet sie daran, sich eine sichere Zukunft aufzubauen und besucht einen Deutschkurs.
Die Fluchtroute über das Mittelmeer zählt weiterhin zu den gefährlichsten der Welt. Seit Beginn des Jahres sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 530 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer könnte weit höher liegen. Schutzsuchende berichten von unterlassener Seenotrettung, Pushbacks auf offener See und Gewalt in Transitländern. Auch Einsätze der italienische Küstenwache stehen immer wieder in der Kritik, Rettungen zu verzögern oder zu verhindern. Im Februar 2026 verständigte sich die Meloni-Regierung auf einen neuen Gesetzentwurf, der eine sogenannte „Seeblockade“ vorsieht. Damit sollen Boote mit Migrantinnen und Migranten daran gehindert werden, italienische Gewässer zu erreichen. Eine klare Menschenrechtsverletzung.


Im Juli 2025 hat Bundesinnenminister Dobrindt alle humanitären Aufnahmeprogramme für Geflüchtete gestoppt. Deutschland lässt damit Familien von Regimekritiker*innen, Frauenrechtler*innen und Menschenrechtsaktivist*innen im Stich. Ohne legale und geordnete Fluchtwege bleiben den Menschen nur lebensgefährliche Routen. Viele davon sind unbegleitete Minderjährige, weil die finanziellen Mittel der Familien oft nur für die Flucht eines Familienmitglieds reichen. Kinder sind dann auf Schleuser angewiesen und laufen Gefahr, Opfer von Menschenhandel und sexualisierter Gewalt zu werden.
Was fordern Kindernothilfe, XENION, BuMF und BAfF?
Die Bundesregierung sollte die zivile Seenotrettung unterstützen, statt sie zu kriminalisieren und legale und sichere Fluchtwege nach Europa ausbauen statt sie zu verhindern. Wir fordern die Bundesregierung auf, die humanitären Bundesaufnahmeprogramme unverzüglich wieder aufzulegen und den Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte wieder zu ermöglichen.


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